Alcopops werden teuer

Der Griff zur Alcopops-Flasche wird in der Schweiz teurer. Keystone

Die Eidgenössischen Räte sind sich einig: Sie vervierfachen die Steuer auf alkoholische Süssgetränke. Jugendliche sollen so vom Konsum der Alcopops abgehalten werden.

Dieser Inhalt wurde am 29. September 2003 - 19:12 publiziert

Alcopops werden demnach künftig rund 1,50 Franken pro Fläschchen teurer.

Mit 137 zu 32 Stimmen bei 6 Enthaltungen folgte der Nationalrat am Montag klar der Regierung und der Kleinen Kammer: Für eine 2,75-Deziliter-Flasche sollen die Steuern von 45 Rappen auf 1,80 Franken, für eine 3-Deziliter-Flasche von 50 Rappen auf 2 Franken steigen.

Riegel schieben

Alcopops spielten "eine wesentliche Rolle bei der Gewöhnung von neuen Konsumentinnen und Konsumenten an alkoholische Getränke und an das Rauschgefühl", hält die Schweizer Regierung, der Bundesrat, fest. Solchen Entwicklungen werde nun ein Riegel geschoben.

Eine Sondersteuer sei das effizienteste Mittel dazu. Heute kostet ein Fläschchen rund 2,50 Franken, also weniger als ein Fläschchen Cola. Mit einer Steuererhöhung um 300% würde der Preis auf rund 4,30 angehoben.

Die Regierung stützt sich zudem auf Erfahrungswerte. Frankreich habe mit einer vergleichbaren Regelung grossen Erfolg erzielt: Dort liege der Konsum von Alcopops nun "fast bei null".

Jugendschutz

Der Konsum der alkoholhaltigen Mixgetränke ist in den letzten beiden Jahre regelrecht explodiert. Wurden im Jahr 2000 noch zwei Mio. Fläschchen verkauft, waren es 2001 bereits 28 Mio. und im vergangenen Jahr sogar 40 Mio.

Getrunken werden die Alcopops vor allem von Jugendlichen und Kindern. Insbesondere Mädchen mögen das süsse Getränk, bei dem der Alkohol kaum spürbar ist.

Keine Diskriminierung einzelner Produkte

Klar für eine Sondersteuer sprachen sich die Linke und die CVP aus. Die Alcopops seien perfide Erfindungen der Getränkeindustrie, um die Jugend zum Alkohol zu verführen, wurde argumentiert.

Auf Widerstand stiess das Vorhaben vor allem bei der SVP und in den Reihen der FDP. Zwei Nichteintretensanträge von der SVP und von Pierre Triponez (FDP) wurden allerdings abgeschmettert.

Triponez hatte kritisiert, dass mit der Sondersteuer einzelne Produkte
diskriminiert würden und Caspar Baader (SVP) warf dem Bund vor, mit
der Bundessteuer die Bundeskasse sanieren zu wollen.

"Das Geld wird unseren Kindern aus dem Sack genommen", empörte sich
die Schweizer Justizministerin Ruth Metzler-Arnold. Bei der Vorlage stünde die Gesundheit der Jugend im Vordergrund und nicht etwa die Bundeskasse.

Chancenlos blieb ein vollständiges Verbot der Alcopops.

Spirituosenverband: "Scheinheilig"

Dass der Alcopops-Markt nun auch in der Schweiz zum Erliegen kommen wird, davon geht auch der Schweizerische Spirituosenverband (SSV) aus. Damit habe der Bundesrat aber ein Eigentor geschossen. Dem Bund würden durch das Verschwinden der alkoholhaltigen Süssgetränke rund 30 Mio. Steuereinnahmen entgehen.

Der SSV mag auch nicht an einen positiven gesundheitspolitischen Effekt glauben und spricht von "Scheinheiligkeit". Der Konsum werde sich einfach auf Bier und Wein verlagern.

Begrüsst wird der bundesrätliche Vorstoss dagegen vom Blauen Kreuz und von der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA). Er sei "ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung", sagte Holger Schmid, Ko-Direktor der SFA-Forschungsabteilung.

Allerdings, ergänzten die Verantwortlichen vom Blauen Kreuz, brauche es auch allgemein eine bessere Durchsetzung der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen. Insbesondere beim Verkauf von alkoholischen Getränken an Jugendliche unter 18 Jahren.

swissinfo und Agenturen

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