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Alitalia verschmäht die Schweiz

Ab November werden keine Alitalia-Flugzeuge mehr in Kloten landen oder starten.

(Keystone)

Die italienische Airline wird ab November verschiedene Destinationen nicht mehr anfliegen. Darunter fallen auch die Flüge Rom - Zürich. Bisher wurden die Passagiere noch nicht darüber informiert.

Möchten Sie ein Alitalia Online-Ticket Rom – Zürich kaufen, mit dem Hinflug am 28. Oktober und dem Rückflug in die italienische Hauptstadt am 2. November? Das Hinflug-Ticket können sie erwerben. Dagegen meldet die Website der italienischen Airline, dass der Rückflug nicht verfügbar sei.

Gibt es technische Probleme? Weiss die Airline etwa heute schon, dass am 2. November kein Flugwetter sein wird? Nein, keiner der genannten Gründe trifft zu. Es wird einfach vom 1. November an keine Flüge mehr geben. Sie wurden gestrichen. Die Kunden jedoch sind bis jetzt nicht informiert worden.

Während die Medien in letzter Zeit stark mit der internationalen Finanzkrise beschäftigt waren, hat die Alitalia in aller Stille Streichungen für Direktflüge nach mehreren Destinationen vorgenommen. Darunter befinden sich auch die täglichen Flüge Rom-Zürich.

In Kloten haben die acht Angestellten der italienischen Gesellschaft erst Ende der letzten Woche davon erfahren. Sie werden wahrscheinlich entlassen. Potenzielle Passagiere wurden überhaupt nicht informiert. Diese Informationsstrategie wird nicht geschätzt. Die Wirtschaftstageszeitung Il Sole 24 Ore spricht von einer "Desorientierung der Kunden".

Berechnendes Schweigen?

Es ist verständlich, dass in einer sensiblen Phase, dem Übergang von der alten Alitalia zur neuen Gesellschaft, nicht alles perfekt funktionieren kann. Hier aber scheint ein bewusstes Schweigen stattzufinden, mit dem man das Bild eines Unternehmens verschleiern möchte, das verkleinert wird.

Die drastischen Kürzungen wurden von Augusto Fantozzi verfügt, dem vom Staat für die Übergangszeit berufenen Alitalia-Verwalter. Vom Römer Flughafen Fiumincino werden (zusätzlich zu den Flügen nach Zürich) auch Abflüge nach neun anderen Destinationen gestrichen, darunter grosse Flughäfen wie Berlin, Wien, Valencia oder Lissabon.

Auch vom Mailänder Flughafen Malpensa werden Flüge gestrichen: Betroffen sind Amsterdam, Stuttgart, Prag, Belgrad und Bilbao. Vielleicht sollte man eher sagen, "könnten gestrichen werden", denn eine offizielle Bestätigung steht noch aus. Die Kunden müssen also noch auf den bisher unveröffentlichten Winterflugplan warten.

Nicht nur Europa

Alitalia kappt aber nicht nur einen wichtigen Teil ihres Europanetzes. Auch der Anfang Juni eingeführte Direktflug nach Los Angeles und jener nach Dubai müssen daran glauben.

Diese Redimensionierung zeigt die Ausrichtung der Compagnia Aerea Italiana (CAI), die aus 16 italienischen Unternehmern besteht, welche keinerlei Erfahrungen auf dem Gebiet des Luftverkehrs haben. Sie entscheiden am 28. Oktober über die Übernahme der Alitalia.

Sie scheinen sich vor allem auf den italienischen Binnenmarkt ausrichten zu wollen und mit der AirOne eine Art Monopol auf diesem Gebiet anzustreben.

Die CAI, die auf der Strategie der Regierung Berlusconi nach dem Rückzug der AirFrance aufbaut, ist eine Gesellschaft mit einem Kapital von 130'000 Euro. Dies ist weit entfernt von den versprochenen 800 Millionen Euro, um die italienische Fluggesellschaft zu retten.

Ein internationaler Partner ist unentbehrlich. Die Suche nach einem geeigneten Gesellschafter verzögert sich aber offenbar.

Besorgniserregende Zahlen

Die neusten Zahlen der Alitalia sind erbärmlich. Die italienische Fluggesellschaft, die schätzungsweise 2 Millionen Euro pro Tag verliert, verzeichnet einen dramatischen Passagierrückgang. So wurden im September 650'000 Passagiere weniger gezählt als in der selben Vorjahresperiode. Dies entspricht einem Rückgang von 28%.

Dieser ist zum Teil auf die Konfrontationen mit den Gewerkschaften zurückzuführen. Denn viele potenzielle Passagiere wählten aus Angst vor einem Streik ein anderes Unternehmen.

Aber auch wenn man die ersten Monate dieses Jahres betrachtet, bleibt die Lage dramatisch. Der Rückgang beträgt gut 20%. Zwar befindet sich die gesamte Luftfahrtsbranche in Schwierigkeiten, die AirFrance verlor im selben Zeitraum jedoch 2,6% und die Lufthansa nur 0,7% ihrer Fluggäste.

Ungewisse Zukunft

Und das ist noch nicht alles: Die Alitalia-Piloten kommen auf ihre Forderungen zurück und verlangen von der CAI neue Verhandlungen über ihren im September abgelehnten Gesamtarbeitsvertrag.

Auf der anderen Seite sollen einige Unternehmer nicht mehr davon überzeugt sein, dass die CAI die Airline noch retten kann. Gianni Dragoni, der Luftfahrt-Experte von Sole 24 Ore sieht noch viele unbeantwortete Fragen auf dem Weg von der Alitalia zur CAI.

swissinfo, Aldo Sofia, Rom
(Übertragung und Adaption aus dem Italienischen: Etienne Strebel)

Mangel an Rentabilität?

Alitalia hat am Donnerstag die Stornierung aller Verbindungen zwischen der italienischen Hauptstadt und Zürich ab November 2008 bekannt gegeben. Wie bei den anderen Destinationen rechtfertigt das Unternehmen seine Entscheidung mit Rentabilitätsüberlegungen.

Andererseits betont Unique, die Betreiberin des Flughafens Zürich-Kloten, die Wichtigkeit der täglichen Verbindungen von und nach Rom. Diese werden durch die Swiss garantiert, welche Rom täglich viermal anfliegt.

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Weniger Passagiere

Nach Angaben der Europäischen Vereinigung der Fluggesellschaften Aea) betrug im September der Passagierrückgang der Alitalia 28,3%. Im August betrug er 21,5%. In dieser Zeit rieten viele Reisebüros ihren Kunden vom Kauf von Alitalia-Tickets ab. Grund waren die ungewissen Verhandlungen zwischen der CAI und den Gewerkschaften.

Das Verhältnis zwischen Einnahmen pro Passagier pro Kilometer ging im September im Vergleich zum Vorjahresmonat um 25% zurück. Gleichzeitig wurde die Sitzplatz-Kapazität pro Kilometer um 17,6% reduziert.

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