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Hamlet (Jan Bülow, rechts) klagt seinen Onkel Claudius (Markus Scheumann) des Mordes an seinem Vater an. Die Premiere unter der Regie von Barbara Frey fand am 13. September 2018 am Zürcher Pfauen statt.

Keystone/Matthias Horn

(sda-ats)

Das Schauspielhaus Zürich ist mit Shakespeares "Hamlet" in die neue Saison gestartet, in die letzte der Intendantin Barbara Frey. Sie führt Regie, den zweifelnden Helden spielt der 22-jährige Jan Bülow. Gefeierte Premiere war am Donnerstag.

Was tun, wenn der Onkel seinen Bruder, deinen Vater ermordet und schnurstracks die Witwe, deine Mutter heiratet? Was tun vor allem, wenn dir der Geist deines geliebten Vaters erscheint und verlangt, dass du ihn rächst, dabei aber die Mutter schonst? Wie also eine Welt wieder einrichten, die aus den Fugen geraten ist?

Eine komplexe Situation. Der junge Jan Bülow, von der Berliner Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" nach Zürich ans Schauspielhaus gekommen, zeigt die quälende Situation des dänischen Prinzen so: Sein Hamlet ist ganz Mensch, der ohne Pathos dessen Schwanken zwischen Trauer, Melancholie, Zweifel, explosiver Wut und kalkuliertem Vorgehen auf faszinierende Weise darzustellen weiss.

Hamlet rächt den Vater, tötet den Onkel Claudius, stirbt aber selber auch. "Der Rest ist Schweigen" sagt er am Schluss der grossen Fecht- und Sterbeszene (Choreografie: Klaus Figge) mit einem beinahe glücklichen Lächeln - seine Erlösung.

Wirklichkeit im Theater

Barbara Frey lässt die klassische Tragödie am dänischen Königshof mit dem Spiel des hervorragenden Ensembles, dessen Mitglieder teilweise mehrere Rollen übernehmen, aktuelle Wirklichkeit werden. Sie zeigt aber auch mit aller Deutlichkeit, dass diese Wirklichkeit im Theater entsteht, nicht von ihm wegzudenken ist.

In Freys Sinn hat Bettina Meyer eine vielschichtige Bühne konzipiert. Diese besteht aus zwei Etagen, die beide bespielt werden. Die schmucklose, dunkel gehaltene Pfauenbühne hat Meyer zudem durch eine künstliche Hinterbühne mit einem roten Vorhang erweitert. Shakespeares Theaterszene im Theater erhält damit eine passende Entsprechung.

Der Abend dauert 135 kurzweilige Minuten. Frey inszeniert ohne Firlefanz, konzentriert sich auf Wort und Spiel. Gleichförmig ist das Stück aber nie. Die nahtlose Szenenfolge bietet Überraschendes, Spannendes, Ergreifendes, immer wieder Musikalisches, bisweilen gar Witziges.

Szenische Highlights

Etliche Szenen gilt es hervorzuheben: Hamlet trifft den Geist seines Vaters (Markus Scheumann) und tanzt liebevoll mit ihm. Hamlet trifft Gertrud, seine Mutter (Inga Busch), zu einer harten Auseinandersetzung, die in eine innige Umarmung mündet. Hamlet gibt den wütenden Rocker mit Elektrogitarre, während zwei von ihm engagierte Schauspieler (Benito Bause, Claudius Körber) akrobatisch dem König (Markus Scheumann) seinen Mord vor Augen führen.

Ophelia (Claudius Körber), blond und ganz in Weiss, kündigt mit glasklarer Falsettstimme, begleitet vom Pianisten Iñigo Giner Miranda, ihren Selbstmord an. Gottfried Breitfuss gibt den autoritären Polonius, der seiner Tochter Ophelia die Aussicht auf ein glückliches Leben verunmöglicht. Edmund Telgenkämper und Benito Bause schliesslich spielen Horatio und Laertes, zudem das königshörige, schmierige Paar Rosenkranz und Güldenstern.

Esther Geremus ist für die Kostüme verantwortlich. Ausser Ophelia stecken alle Figuren in dunklem Grau oder strengem Schwarz. Rainer Küng führt das Licht so, dass sich an den Wänden immer wieder schattenhafte Verdoppelungen der Figuren finden. Auch dies eine besondere Augenweide.

Verfasser: Karl Wüst, ch-intercultur

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SDA-ATS