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Keine Gnade trotz Jö-Effekt: Männliche Küken werden meist nach dem Schlüpfen getötet. (Archivbild)

Keystone/DPA/BERND WÜSTNECK

(sda-ats)

Brutzelt das Spiegelei in der Pfanne, geht oft vergessen, dass die Henne, die es gelegt hat, Brüder hatte. Denn die meisten Hähne von Legerassen werden nach dem Schlüpfen getötet, weil sie sich zum Mästen nicht eignen. Die Suche nach Abhilfe dauert.

"Huhn mit Bruder" heisst das von Kurt Brunner im Zürcher Oberland initiierte Projekt. Seit knapp zehn Jahren gibt es das Projekt, rund ein halbes Dutzend Betriebe machen mit. Verkauft werden Abonnements für 100 Eier im Jahr plus ein Poulet - der Bruder der Henne - und alle drei Jahre eine ausgediente Legehenne als Suppenhuhn.

Im Jahr zieht Brunner rund 500 Hähne auf. Vermarktung und Wachstum seien nicht sein oberstes Ziel, obwohl die Abonnements gefragt seien. "Es geht mir um die Entwicklung und Forschung für eine echte Alternative zur industriellen Hühner- und Eierwirtschaft", sagt der Landwirt, der nach Demeter-Richtlinien produziert.

Tüfteln an eigener Rasse

Seine Legehennen - noch hauptsächlich Hybriden, also Kreuzungen verschiedener Rassen - bezieht er aus einer Brüterei. Zur Lieferung verlangt er jeweils gleich viele "Brüder" dazu, die sonst am ersten Lebenstag getötet würden. Doch Brunner arbeitet an einer eigenen Züchtung. Zusammen mit Kollegen tüftelt er an einer Rasse, die als eierlegendes Poulet taugt.

Ein Schweizer Zweinutzungshuhn gibt es allerdings seit über 100 Jahren: das Schweizerhuhn, in den Landesfarben mit schneeweissem Gefieder und kräftig rotem Kamm. Doch es sei ein Tier für Liebhaber ohne wirtschaftliche Ambitionen, sagt Philippe Ammann, stellvertretender Geschäftsführer von Pro Specie Rara.

1910 wurden die ersten Rassestandards für das Schweizerhuhn festgelegt. Bis zum zweiten Weltkrieg wurden die ruhigen und auch zutraulichen Weissen bei Selbstversorgern immer beliebter. Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft verschwand das Schweizerhuhn dann aber fast ganz, bis Liebhaber die Rasse neu entdeckten.

Zu wenig für die Mäster

Zwischen 60 und 80 eingetragene Zuchtgruppen - ein Hahn mit jeweils rund einem Dutzend Hennen - gibt es zurzeit. Potenzial hätte das Schweizerhuhn, wenn seine Eier und sein Fleisch im hohen Preissegment verantwortungsvolle Käufer fänden, sagt Ammann.

Denn mit 150 bis 180 Eiern im ersten Jahr sind sie im Vergleich mit den 300 Eiern einer Legehybrid-Henne deutlich unrentabler, dafür legen sie mehrere Jahre lang. Auch dem Mäster und dem Metzger brächten Schweizerhühner im konventionellen Markt zu wenig ein: "Die Tiere brauchen bis zur Schlachtreife vier bis fünf Mal so lang wie Masthybriden."

Auch ein Grossverteiler ist im Geschäft mit dem Zweinutzungshuhn, aber ebenfalls auf kleiner Flamme: Coop verkauft seit rund drei Jahren Eier und - je nach Saison - Fleisch vom Zweinutzungshuhn. Zurzeit sind drei Biobetriebe beteiligt, ein vierter soll im laufenden Jahr dazukommen, wie Sprecherin Andrea Bergmann ausführt.

Kleines Segment

Eingestallt sind in diesen Betrieben Hühner der neu gezüchteten Rasse Lohmann-Dual. Obwohl diese Hennen weniger legen als Hochleistungs-Hennen und die Hähne weniger schnell Fleisch ansetzen als Mastrassen, gibt sich Coop zufrieden: Bisher rund zwei Millionen Eier seien in rund 90 Filialen verkauft worden.

Zum Vergleich: Allein 2015 produzierten alle Schweizer Legebetriebe nach Angaben des Bundesamtes für Statistik 851 Millionen Eier. Die Agrarstatistik weist für 2016 in der Schweiz einen Bestand von rund 3 Millionen Zucht- und Legehennen aus. Der gesamte Hühnerbestand belief sich auf rund 10,9 Millionen Tiere.

Lohmann-Dual-Hühner hat auch Demeter-Bauer Brunner in seiner Herde. Doch die Züchtung aus Deutschland überzeugt ihn nicht: "Sie ist eine schnelle Antwort auf einen Trend, und die Hühner können wegen ihres Körperbaus die Sitzstange nicht richtig erreichen."

"Wir warten alle"

Eine Lösung seien die Zweinutzungshühner nicht, sagt auch Jean Ulmann, Präsident von GalloSuisse, dem Verband der Schweizer Eierproduzenten. Hühner, die weniger produzierten als Legehybriden, aber ebenso viel fressen würden, seien weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll.

Er schätzt, dass für die Eierproduktion jährlich rund 2,5 Millionen Hähnchen nach dem Schlüpfen getötet und grösstenteils an Wildtiere verfüttert werden. "Sie aufzuziehen, lohnt sich angesichts der Futterkosten und des wenig wertvollen Fleisches nicht." Und: "Dass der Eierpreis seit dem Krieg nicht mehr gestiegen ist, ist den Hochleistungs-Legehybriden zu verdanken."

Seit Jahren wird über eine andere Lösung gesprochen, mit der das Töten von männlichen Küken umgangen werden könnte: die Geschlechtserkennung im Ei. Eier, aus denen ein Hähnchen schlüpfen würde, würden gar nicht mehr ausgebrütet. "Praxisreif ist aber noch nichts", sagt Ulmann. "Wir warten alle."

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SDA-ATS