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Das ausgebrannte Wrack des verunfallten Reisebusses an der Unglücksstelle auf der A9 bei Münchberg (Bayern). Von den 48 Insassen kamen 18 ums Leben und 30 wurden verletzt, einige von ihnen schwer.

Keystone/DPA dpa/A4399/_MATTHIAS BALK

(sda-ats)

Bei einem schweren Reisebus-Unglück auf der Autobahn A9 in Nordbayern sind am Montag 18 Menschen ums Leben gekommen. 30 der 48 Menschen im Reisebus wurden bei dem Unglück verletzt - einige von ihnen schwer.

Kurz nach 7.00 Uhr war das Fahrzeug nahe Münchberg im Landkreis Hof, rund 30 Kilometer von der Grenze zu Thüringen entfernt, bei sich stauendem Verkehr auf einen Sattelzug geprallt. Der Bus fing sofort Feuer und stand rasch "lichterloh in Flammen", wie ein Feuerwehrsprecher sagte.

Vom Fahrzeug blieb nur ein verkohltes Wrack übrig. Zuvor sassen darin 46 Fahrgäste und zwei Fahrer im Alter von 41 bis 81 Jahren. Einer der Busfahrer kam nach Polizeiangaben ums Leben, der andere wurde verletzt. Auch der Anhänger des beteiligten Sattelzugs geriet in Brand. Der Lastwagenfahrer erlitt einen Schock.

Todesopfer im Seniorenalter

Die Leichen der 18 Todesopfer konnten bis am Nachmittag geborgen werden, wie die Einsatzkräfte mitteilte. Die Todesopfer waren zwischen 55 und 81 Jahre alt.

Neben einigen Senioren aus Sachsen waren laut dem sächsischen Innenstaatssekretär Michael Wilhelm auch Reisende aus anderen Bundesländern dabei. Laut dem brandenburgischem Innenministerium gehörten dazu mindestens vier Brandenburger, die das Unglück überlebten. Die Polizei wollte sich nicht detailliert zur Herkunft der Opfer äussern.

Unterwegs zum Gardasee

Der Bus gehörte nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa einem Unternehmen aus dem sächsischen Löbau nahe Görlitz. Der Inhaber bestätigte der "Sächsischen Zeitung", dass der Bus dort in der Nacht mit dem Ziel Gardasee losgefahren war. Er habe in Weisswasser in der Oberlausitz, in Senftenberg (Brandenburg) und in Dresden Fahrgäste aufgenommen.

"Was wir gesehen haben, ist erschreckend, wie man es sich kaum vorstellen kann", sagte der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt an der Unfallstelle. Die Rettungskräfte seien nur zehn Minuten nach der Alarmierung am Unfallort gewesen. Doch aufgrund der grossen Hitze hätten sie nichts mehr tun können.

Diese Situation - nicht mehr helfen zu können - sei für die allesamt ehrenamtlichen Feuerwehrleute extrem hart gewesen, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Dabei sei es eigentlich nur ein leichter Auffahrunfall gewesen. Warum sich dann so schnell ein so heftiges Feuer mit solch dramatischen Folgen entwickelt habe, müsse nun aufgeklärt werden.

"Sofort Rettungsgasse bilden"

Herrmann beklagte zudem ein "völlig unverantwortliches Verhalten" mancher Autofahrer im Stau. Sie hätten es damit den Rettern erschwert, zur Unglücksstelle zu kommen. Nach einem Unfall sei "sofort eine Rettungsgasse zu bilden - und zwar so, dass ein Lastwagen durchkommen kann", sagte Herrmann.

Er betonte trotzdem: "Es ist so schnell wie irgend möglich Hilfe geleistet worden." Etwa 100 Polizisten und mehr als 150 Rettungskräfte sowie fünf Helikopter waren an dem Einsatz beteiligt.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer versprach eine schnelle Aufklärung der Unfallursache. Wie sein sächsischer Amtskollege Stanislaw Tillich sprach der CSU-Chef den Angehörigen sein Beileid und seine Anteilnahme aus: "Wir beten für die Verletzten, dass sie ihre Verletzungen überwinden." Die Rettungskräfte hätten einen "sehr, sehr schweren Dienst" zu leisten.

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel sprachen den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker schrieb in einem Brief an Seehofer: "Die erschütternden Bilder des Busunglücks in Bayern haben mich zutiefst betroffen gemacht."

Die 30 Verletzten kamen in Spitäler, wo sie auch von Seelsorgern betreut wurden. Zwei von ihnen schwebten in Lebensgefahr, unter den anderen 28 waren weitere Schwerverletzte. Auch die Rettungskräfte bekamen Hilfe von einem Kriseninterventionsteam. Für Angehörige wurde eine zentrale Telefonnummer geschaltet.

Die A9 in Richtung Süden sollte noch den gesamten Tag gesperrt bleiben, hiess es von der Polizei. Es bildeten sich lange Staus. Das Polizeipräsidium Oberfranken rief die Bevölkerung auf, die Unfallstelle möglichst weiträumig zu umfahren. "In Richtung Süden bitte bereits über die A72 und A93 abfahren", hiess es.

Erörterung möglicher Ursache

Ein Experte sagte, dass auch eine automatische Löscheinrichtung die Katastrophe kaum hätte verhindern können. "Selbst eine moderne Löscheinrichtung im Bus löscht im Motorraum, im Zweifelsfall auch noch im Gepäckraum und auch noch in der Bustoilette, darf aber nicht im Innenraum löschen", sagte Johannes Hübner vom RDA Internationalen Bustouristik Verband in Köln. Die chemischen Löschmittel könnten Passagiere sonst beeinträchtigen.

Ein Kraftfahrtexperte des Tüv Rheinland beschrieb zudem eine abgerissene Kraftstoffleitung als mögliche Ursache. "Im Fall eines Unfalls kann es sein, dass eine Kraftstoffleitung abreisst und der Kraftstoff auf heisse Fahrzeugteile gelangt und das Ganze anfängt zu brennen", sagte Hans-Ulrich Sander in Köln.

Der Tank befinde sich regelmässig in der Mitte oder im hinteren Bereich und könne 400 bis 500 Liter Kraftstoff enthalten. "Wenn der Kraftstoff dann unter dem Bus herläuft und alles brennt, geht es rasend schnell."

Wie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer und der Landesverband des Sächsischen Verkehrsgewerbes mitteilten, war der Unfallbus drei Jahre alt. Zuletzt sei er im April ohne Beanstandung durch den TÜV gekommen. Der verstorbene Busfahrer habe noch im Jahr 2013 eine Auszeichnung für langjähriges unfallfreies und sicheres Fahren erhalten und sei auch seitdem unfallfrei gefahren.

Schon einmal hatte es auf der A9 nahe Münchberg ein schweres Unglück gegeben: Vor 27 Jahren kam es dort wegen dichten Nebels zu einer der schlimmsten Massenkarambolagen, die es je auf deutschen Strassen gegeben hat. Rund 100 Autos waren damals in den Unfall verwickelt - zehn Menschen starben, 122 wurden verletzt.

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SDA-ATS