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UBS-Konzernchef Sergio Ermotti hat laut Travail.Suisse 264 Mal mehr verdient als die am schlechtesten bezahlten Mitarbeiter.

KEYSTONE/LAURENT GILLIERON

(sda-ats)

Der Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse übt scharfe Kritik an Politik und Führungskräfte grosser Unternehmen. Trotz Abzockerinitiative öffne sich die Lohnschere in Konzernen immer mehr. Die Folge sei ein Vertrauensverlust der Bevölkerung in Politik und Wirtschaft.

"Die Abzockerinitiative hat nichts gebracht", sagte Gabriel Fischer, Leiter der Wirtschaftspolitik von Travail.Suisse, am Donnerstag vor den Medien. Gemäss einer Studie des Gewerkschaftsdachverbands ist im letzten Jahr in der Mehrheit der untersuchten Unternehmen der Lohn für den CEO im Schnitt um fünf Prozent gestiegen. Untersucht wurden 27 Schweizer Grosskonzerne.

Seit 2011 seien die Löhne in den Chefetagen um 17 Prozent gestiegen. Gleichzeitig verdienten die normalen Arbeitnehmenden lediglich 3,4 Prozent mehr. Die durchschnittliche Lohnschere lag gemäss Travail.Suisse 2011 noch bei 1:45. Bis 2016 habe sie sich auf über 1:51 geöffnet.

Als Beispiel für die Öffnung der Lohnschere nennt Travail.Suisse etwa den Detailhandelskonzern Valora mit seinem Chef Michael Müller. Dort habe sich die Schere während fünf Jahren von 1:23 auf 1:59 geöffnet.

Spitzenreiter sei aber die UBS mit Konzernchef Sergio Ermotti. Dieser hat gemäss Travail.Suisse mit 13,7 Millionen Franken 264 Mal mehr verdient als die am schlechtesten bezahlten Mitarbeitenden.

Abzockerinitiative wird umgangen

Eigentlich sollte man aber nicht die Topmanager in die Kritik nehmen, sagte Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse: "Vielmehr muss man die Verwaltungsräte und die Vergütungsausschüsse der grossen Konzerne an den Pranger stellen, weil diese noch immer solche hohen Löhne bezahlen."

Daran hat laut Travail.Suisse auch die Abzockerinitiative nichts geändert. Deren Umsetzung ist in der Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Aktiengesellschaften (VegüV) geregelt.

Es sei beispielsweise unlogisch, dass über die variablen Entschädigungen (Boni) häufig abgestimmt wird, bevor die Jahresergebnisse vorliegen. Der Begriff "leistungsabhängiger Bonus" habe mit der Realität nichts mehr zu tun. Ausserdem werde bei fast der Hälfte der analysierten Unternehmen die Gewährung der Boni nicht getrennt vom festen Lohn diskutiert.

Die VegüV werde zudem oft umgangen. So können einem neuen Manager noch immer Antrittsprämien ausbezahlt werden, um seine entgangenen Boni beim bisherigen Arbeitgeber zu kompensieren. Mario Greco, der neue Konzernchef der Zurich Versicherung, habe auf diesem Weg über vier Millionen Franken erhalten.

Gefahr für sozialen Frieden

Travail.Suisse wolle aber nicht alle Unternehmen in den gleichen Topf werden, sagte Wüthrich: "Bei KMUs finden solche Lohnexzesse nicht statt." Und in einigen Grossunternehmen seien die Löhne im vergangenen Jahr gesenkt worden, räumt der Verband ein.

So zum Beispiel in der Uhrenbranche und in der Maschinenindustrie, die mit konjunkturellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Auch bei der Credit Suisse und bei Lindt & Sprüngli wurden laut Travail.Suisse die Vergütungen gesenkt, um die "exorbitanten" Lohnerhöhungen des Vorjahres etwas abzumildern.

"Trotzdem gefährden die hohen Managerlöhne den sozialen Frieden", sagte Wüthrich. Die "absurde Höhe" der Vergütungen führe zu einer Entfremdung zwischen Bevölkerung und Wirtschaft.

Travail.Suisse appelliert deshalb an die Verantwortung der Politik und fordert wie schon in den letzten Jahren vertrauensbildende Massnahmen. Der Verband beharrt weiterhin auf einer griffigen Aktienrechtsrevision, mehr Steuertransparenz und einem Solidaritätsbeitrag bei hohen Einkommen. Zudem soll die Wirtschaft die Steuerausfälle der Steuervorlage 17 finanzieren.

Frauen stark untervertreten

Fortschritte sieht der Verband beim Frauenanteil in den Verwaltungsräten. Dieser habe sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Allerdings sei noch immer weniger als jeder vierte Sitz mit einer Frau besetzt. Das Bild bei den Konzernleitungen präsentiere sich "geradezu dramatisch". Dort betrug der Frauenanteil gemäss Erhebung Ende 2016 gerade einmal sechs Prozent.

Travail.Suisse hat zum 13. Mal in Folge die höchsten und tiefsten Löhne in 27 Schweizer Unternehmen untersucht.

In eine gleiche Richtung zeigt auch eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Unia. Die Gewerkschaft hat die Löhne von 40 Konzernen untersucht und für 2016 eine weitere Öffnung der Lohnschere auf 1:165 festgestellt (1:150 im Vorjahr).

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SDA-ATS