Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Alexej Nawalny: "Russland ist etwas Grösseres als Putin"

Er spüre, dass die Menschen hinter ihm stünden, sagt Alexej Nawalny. (Archivbild)

Keystone/AP/PAVEL GOLOVKIN

(sda-ats)

Er könnte Präsident Wladimir Putins grösster Konkurrent bei den Wahlen im März werden. Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny spricht in einem Zeitungsinterview über seinen Wahlkampf, seine Motivation und Faschismus in Russland.

Er gehe davon aus, dass er vollkommen berechtigt sei, an diesen Wahlen teilzunehmen, sagte Nawalny in einem Interview mit der "Luzerner Zeitung" vom Montag. "Wenn man mich, den Hauptkonkurrenten, nicht zu den Wahlen zulässt, dann sind das keine Wahlen mehr, wir werden sie boykottieren und alle zum Boykott aufrufen. Und ich bin sicher, viele werden auf uns hören."

Die 86 Prozent Unterstützung für Putin in den Umfragen zeugten nur vom Fehlen jeder politischen Konkurrenz. In der Sowjetunion habe die Kommunistische Partei eine Unterstützung von 99 Prozent gehabt. In autoritären Systemen seien alle statistischen Dienste völlig bedeutungslos. "Vor den Bürgermeisterwahlen in Moskau 2013 prognostizierten sie mir auch nur 1 Prozent, am Ende holte ich fast 30 Prozent, und das praktisch ohne Geld."

Er spüre, dass die Menschen hinter ihm stünden, sagte Nawalny. "Sie freuen sich, wenn ich komme, 170'000 Volontäre haben sich bei uns eingeschrieben. Wovon mehr kann ein Politiker noch träumen, besonders in Russland mit seiner sonderbaren Politik, wo meine Partei nicht registriert wird und ich bisher erst einmal an Wahlen teilnehmen durfte."

"Hasse Schweizer Staatsanwaltschaft"

Auf die Frage, ob seine von seinem Biografen Konstantin Woronkow zitierte Äusserung zutreffe, der Hass auf Putins Gefolge gehöre zu seinen Hauptmotivationen, sagte Nawalny: "Das ist richtig. Ich hasse die Gauner im Kreml wirklich. Und die korrupte Familie des Generalstaatsanwalts Juri Tschaika hasse ich so stark, dass ich meine Zeit damit verbringe, an die Schweizer Staatsanwaltschaft zu schreiben. Und dann hasse ich die Schweizer Staatsanwaltschaft, weil sie nichts unternimmt."

Auf den Hinweis, dass viele Oppositionelle ihm vorwerfen, zu rechts zu sein und angesprochen auf einen Videoclip, in dem er demonstriert, wie man einen islamischen Banditen mit der Pistole erledigt, sagte Nawalny: "Das war ein Clip über Waffen. Ich gehöre wirklich zu den Politikern in Russland, die dafür sind, dass in unserem Land der Besitz von Faustfeuerwaffen erlaubt wird. Das Video sieht etwas naiv aus für das Jahr 2017. Aber im Grunde stehe ich hinter allem, was ich in dem Video tue."

"Russen wollen keinen Zaren"

Auf den Hinweis auf Befürchtungen, er wollte als Präsident noch mehr Macht anhäufen als Putin, erklärte Nawalny, die meisten Russen wollten keinen Zaren, sondern sie wollten ein normales europäisches Land sein. "Die Vollmachten des Präsidenten müssen sehr stark eingeschränkt werden, das ist der Hauptpunkt meines politischen Programms."

Wenn so viel Macht auf einem Schreibtisch konzentriert sei, führe das unausweichlich dazu, dass der Mann dahinter anfange, sie zu missbrauchen. "Ausserdem ist das Land riesig, das kann ein Mann allein nicht kommandieren, ihm fehlt einfach die Zeit, um vernünftig zu regieren." (...) "Russland und sein Volk sind etwas viel Grösseres als Putin."

Schlagworte

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.