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Beim ersten Urnengang seit Aufhebung des langjährigen Ausnahmezustands vor 15 Monaten hat Algerien ein neues Parlament gewählt. Die erste Wahl seit Beginn des Arabischen Frühling in Nordafrikas grösstem Staat verlief nach ersten Erkenntnissen in den meisten Landesteilen relativ ruhig.

Nach Angaben der Zeitung "El Watan" gab es jedoch bei zwei mutmasslich von Islamisten verübten Sprengstoffanschlägen einen Toten und drei Verletzte. In der Gemeinde Saharidj hätten Jugendliche zwei Wahlbüros attackiert und Wahlurnen in Brand gesetzt, berichtete das Online-Journal "Tour sur l'Algerie" .

Das Interesse der Bevölkerung an der Wahl war wie erwartet gering. Kurz vor Schluss der meisten Stimmlokale hatte die Wahlbeteiligung bei rund 35 Prozent gelegen. Erste Ergebnisse wurden an diesem Freitag erwartet. Favoritin ist die Nationale Befreiungsfront (FLN) von Präsident Abdelaziz Bouteflika.

Politikverdrossene Algerier

Es wurde aber damit gerechnet, dass sie an Boden verlieren und die Islamisten gestärkt werden würden. Drei islamistische Bündnisse traten bei der Wahl als "Grüne Allianz" gegen die FLN an. Die ehemalige Einheitspartei regiert das Land seit der Unabhängigkeit Algeriens vor einem halben Jahrhundert.

Rund 21,6 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, die 462 Mandate im Parlament neu zu vergeben. Bei den letzten Wahlen 2007 hatten nur 36 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben.

Insgesamt traten 44 Parteien an, darunter 21 neue Gruppierungen. Die politische Macht des Parlaments ist beschränkt. Sie liegt beim Präsidenten und der Armee. Die FLN wird seit langem für die Korruption und Vetternwirtschaft im Land verantwortlich gemacht.

Geschwächte Einheitspartei

Die FLN, die im bisherigen Parlament über 136 Sitze verfügte, ist geschwächt und gespalten. Die Führung ist innerhalb der Partei umstritten; in manchen Wahlkreisen traten zwei FLN-Kandidaten gegeneinander an.

Bisher stellte die FLN gemeinsam mit der Nationalen Sammlungsbewegung für Demokratie (RND) von Regierungschef Ahmed Ouyahia und der islamistischen Bewegung der Gesellschaft für den Frieden (MSP) die Regierung. Die als gemässigt geltende MSP ist eine der drei islamistischen Parteien, die sich der "Grünen Allianz" angeschlossen hat.

SDA-ATS