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Die italienische Fluggesellschaft Alitalia, die unter anderem der arabischen Ethihad gehört, hat nur selten in ihrer 70-jährigen Geschichte einen Gewinn gemacht. Nun steht sie erneut vor dem Aus. (Archivbild)

KEYSTONE/AP/ANTONIO CALANNI

(sda-ats)

Die Krisen-Airline Alitalia ist in den Sturzflug übergegangen: Nach dem Nein der Mitarbeiter zu einem harten Restrukturierungsplan hat die italienische Fluggesellschaft ankündigt, das Insolvenzverfahren einzuleiten.

Der der notorisch Verluste produzierenden Fluglinie Alitalia droht das Aus. Die Angestellten hatten am Vortag mit grosser Mehrheit einen mit den Gewerkschaften ausgehandelten Rettungsplan des Managements abgelehnt. Zwei Drittel der Stimmenden sagten nein. Der Sanierungsplan sah den Abbau von 1700 Jobs beim Bodenpersonal und die Kürzung der Gehälter beim Flugpersonal um 8 Prozent vor.

Damit sollte der Weg geebnet werden, den Betrieb der Airline mit frischen Finanzspritzen der Anteilseigner Aufrecht zu erhalten. Alitalia gehört zu 49 Prozent der arabischen Fluggesellschaft Etihad aus Abu Dhabi sowie den italienischen Banken Unicredit und Intesa Sanpaolo.

Insgesamt war eine Kapitalerhöhung um 2 Milliarden Euro vorgesehen gewesen. 900 Millionen Euro frisches Geld hätten sofort fliessen sollen, um dem Unternehmen einen Durchstart zu ermöglichen.

Chronische Verluste

Die Fluggesellschaft hat nur selten in ihrer 70-jährigen Geschichte einen Gewinn gemacht und verliert derzeit täglich mindestens 500'000 Euro. Im vergangenen Jahr flog Alitalia einen Reinverlust von knapp 200 Millionen Euro ein. Insidern zufolge droht ihr in wenigen Wochen das Geld auszugehen. Dann müssten die Maschinen am Boden bleiben.

Die Fluggesellschaft hat vor allem mit Billigfliegern wie Ryanair und Easyjet zu kämpfen, die nach Italien gedrängt sind und mittlerweile beinahe die Hälfte des Marktes erobert haben. Zudem macht Alitalia die Konkurrenz von Schnellzügen innerhalb Italiens zu schaffen.

Der Verwaltungsrat von Alitalia erklärte am Dienstag, es sei nach dem Nein der Belegschaft unmöglich, mit dem Sanierungsplan weiterzumachen. Der Konzern kündigte für Donnerstag eine Generalversammlung an, auf der die nächsten Schritte entschieden werden sollten. Der Flugbetrieb gehe derzeit uneingeschränkt weiter.

Beobachter erwarten, dass das Unternehmen wohl die Regierung um die Ernennung eines Bevollmächtigten bitten dürfte. Dieser könnte dann ausloten, ob die Airline wie so oft in der Vergangenheit saniert oder abgewickelt werden sollte.

Rosskur gemildert

Ministerpräsident Paolo Gentiloni hatte kürzlich gewarnt, dass Alitalia ohne die Kürzungen nicht überleben könne. Das Nein der Mitarbeiter ist ein Rückenschuss für die Gewerkschaften. Dabei hatten sie mit Streiks bereits eine deutliche Abmilderung des Restrukturierungsplans erreicht.

Ursprünglich hätten 2000 der 12'500 Mitarbeiter entlassen und die Löhne um 30 Prozent gekürzt werden sollen. Damit wollte die einstige Staatsfluglinie binnen zwei Jahren wieder in die Gewinnzone aufsteigen.

Mit "Bedauern und Bestürzung" habe man den negativen Ausgang des Referendums wahrgenommen, der die Rekapitalisierung des Unternehmens gefährde, teilten Wirtschafts-, Arbeits- und Verkehrsministerium in einer gemeinsamen Erklärung mit. Das Ziel der Regierung sei es, die Kosten "für die italienischen Bürger und die Reisenden" zu minimieren.

Die Mitarbeiter hoffen nun darauf, dass die Regierung eingreift und sich für die Ausarbeitung eines alternativen Rettungsplanes einsetzt. Sie haben angekündigt, keine weiteren Einschnitte zu akzeptieren, weil die Arbeitskosten bei Alitalia bereits zu den niedrigsten in der Branche in Europa gehörten. Gewerkschafter forderten sogar die Verstaatlichung.

SDA-ATS

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