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Ambri-Piotta verschafft sich in der National League nach gut der Hälfte der Qualifikation Respekt.

Der in Vorsaison-Prognosen bis zum Dauerverlierer abgewertete Dorfklub aus dem Nordtessin ist kein leichter Punktelieferant.

"Sie sind hartnäckig und bissig. Einfach unangenehm", urteilte jüngst der Zuger Nationalverteidiger Robin Grossmann.

Ambri fiel am Dienstag mit der 2:3-Niederlage nach Penaltyschiessen gegen Genève-Servette zwar aus den Playoff-Rängen. Dass die aufsässigen Leventiner überhaupt noch im Rennen um einen Platz unter den Top 8 sind, kommt indes überraschend.

"Wir haben nicht die gleichen Mittel und verfügen nicht über die Qualität der anderen Vereine. Deshalb brauchen wir ein schnelles Tempo-Hockey", sagt Paolo Duca, der langjährige Captain und heutige Sportchef von Ambri-Piotta.

Es ist erst der Anfang vom neuen Weg, den die Leventiner beschreiten. Im 80. Klubjahr erfolgte die Rückbesinnung auf "Ticino First" mit dem jüngsten Trainer (Luca Cereda/36), Sportchef (Paolo Duca/36) sowie Captain (Michael Fora/22) der Liga und einem mit jungen und hungrigen Spielern besetzten Kader. Das Durchschnittsalter des Teams ist um rund zwei Jahre auf knapp 26,5 Jahre gesenkt.

Ambri will wieder als Ausbildungsklub wahrgenommen werden. "Und da müssen wir auf die Tugenden der Jugend setzen, die Speed und Energie reinbringen", sagt Duca. Trainer Cereda hatte bereits in Ambris Swiss-League-Farmteam Biasca für eine positive Entwicklung zahlreicher Youngsters gesorgt (u.a. Goi, Trisconi, Incir oder der aktuell verletzte Forechecker Stucki).

Unerbittliche Leistungskultur

Er besass dadurch seinen Anteil an der erfolgreichen Ligaqualifikation von Ambri gegen B-Meister Langenthal. Auf Stufe National League setzt der ehemalige NHL-Erstrunden-Draft von Toronto seine Arbeit fort. Eine hohe Laufbereitschaft und taktische Disziplin erfordert Ambris konsequente Neuausrichtung auf dem Eis.

Und die Leistungskultur hält unerbittlich Einzug. Der frühere Schweizer Nationalstürmer Thibaut Monnet war einst Publikumsliebling und Topskorer der ZSC Lions. Und in der Qualifikation der letzten Saison noch Ambris bester Schweizer Skorer sowie ein Schlüsselspieler in der ersten Powerplay-Formation. Heuer ist Monnet zumeist überzählig.

Aushängeschilder von Ambris Dynamisierung als Ausbildungsklub sind jetzt beispielsweise der 21-jährige Österreicher Dominic Zwerger, der aktuell zweitbeste Skorer, oder der unlängst integrierte tschechische Nationalstürmer Dominik Kubalik (22).

Zwergers Fernziel

Ambris Saison-Entdeckung Zwerger zeigt auf dem Eis schon eine erstaunliche Reife und erkämpfte sich auf Anhieb einen Erstlinien-Status. "Die ganze Liga sieht, dass alle Jungen auch in allen Spezialsituationen zum Zug kommen. Ich erhalte viel Eiszeit und bin dadurch kompletter geworden", sagt Zwerger.

In diesem Herbst debütierte Zwerger auch im österreichischen A-Nationalteam. Sein Fernziel: Österreichs Auftaktspiel gegen die Schweiz an der A-WM vom Mai 2018 in Dänemark. Am liebsten gegen den wie Zwerger Nordamerika-erfahrenen Teamkollegen Michael Fora, der zuletzt im Schweizer Nationalteam als abschlussstarker Verteidiger imponierte. "Das wäre eine super Geschichte", folgert Zwerger.

Doch zuerst muss mit Ambri der Ligaerhalt geschafft werden. Dafür wurde auch der in Pilsen "parkierte" Kubalik abberufen. Zwei Tore und fünf Assists in den ersten fünf Spielen sind ein viel versprechender Anfang für den tschechischen Olympia-Kandidaten. "Ich war zunächst unsicher, ob ich mitten in der Saison eine solche Umstellung wagen soll. Doch jetzt liebe ich es. Wenn ich hier aus dem Fenster blicke und die schönen Berge sehe, gibt mir das Energie", sagt Kubalik. Das Spiel in der Schweiz sei schneller und offensiver als in Tschechiens Extraliga.

Bissige Desperados

Für Ambris Erfolgshunger stehen aber nicht nur aufstrebende Youngsters, sondern auch zwei Desperados. Der von Fribourg-Gottéron ausgemusterte Goalie Benjamin Conz (26) will bei Ambri-Piotta seine letzte Chance packen, als Nummer-1-Goalie in der National League zu verbleiben. Und Ambris kanadischer Topskorer Matt D'Agostini (31) befindet sich mit einem neuen Vertrag zu tieferen Konditionen auf bestem Weg, sich für seine unproduktive letzte Saison mit langen Verletzungsabsenzen zu rehabilitieren.

Schliesslich wird es bei Ambri-Piotta auch in Zukunft ohne erfahrene "Stabilisatoren" nicht gehen. In diesem Sinne ist der Transfer von Fribourg-Verteidiger Lorenz Kienzle (29) auf die kommende Saison hin zu werten. "Wir haben das Gefühl, dass er als kompletter Abwehrspieler zu uns passt. Er ist defensiv solide und kann offensiv etwas kreieren", sagt Duca zum Thurgauer mit Länderspiel-Erfahrung.

Der frühere Allrounder von Lugano dürfte in einem Jahr die letzte Saison in der altehrwürdigen Valascia erleben. Ambri erhielt schon die aktuelle Lizenz nur mit Auflagen. Und eine letzte (Ausnahme-)Spielberechtigung für die Valascia in der Saison 2018/2019 wird der Dorfverein nur noch gekoppelt mit Bauauflagen erhalten. Im kommenden Frühjahr soll der Baubeginn des 48-Millionen-Stadionprojekts erfolgen.

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SDA-ATS