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Im sogenannten Blutdiamanten-Prozess vor dem Sondertribunal für Sierra Leone (SCSL) in Leidschendam bei Den Haag hat die Staatsanwaltschaft die Verurteilung von Liberias Ex-Präsidenten Charles Taylor als Kriegsverbrecher gefordert.

Der 62-Jährige sei als Hauptprofiteur des Bürgerkrieges im Nachbarland Sierra Leone in allen elf Punkten der Anklage schuldig, erklärte Staatsanwältin Brenda Hollis am Dienstag in ihrem Schlussplädoyer.

Taylor ist der erste ehemalige afrikanische Staatschef, der wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor einem internationalen Gerichtshof zur Verantwortung gezogen wird.

Hollis machte Taylor in ihrem Plädoyer direkt für die Grausamkeiten im Krieg in Sierra Leone verantwortlich. "Charles Taylor, dieser intelligente, charismatische Manipulator, hatte seine Handlanger, die dies Verbrechen gegen wehrlose Opfer in Sierra Leone begingen."

Entscheid über Leben und Tod

All das Leid und die Grausamkeiten hätten nur dazu gedient, Taylor Machtwillen zu befriedigen, erklärte sie und schilderte noch einmal einige der furchtbarsten Verbrechen. Taylor und seine Rebellen "waren wie Götter", sagte die Juristin aus den USA vor dem Sondertribunal für Sierra Leone. "Sie haben über Leben und Tod entschieden."

Taylor hat in dem Verfahren, das im April 2006 eröffnet worden war, die Anklageschrift als "Sammlung teuflischer Lügen" bezeichnet. Der Ex-Präsident wies auch Angaben zurück, wonach er dem britischen Supermodel Naomi Campbell Rohdiamanten geschenkt haben soll.

Campbell hatte im vergangenen Sommer bei einem stark beachteten Auftritt vor dem Tribunal erklärt, ihr sei 1997 nach einem Gala-Dinner in Kapstadt von einem Boten ein Päckchen mit Rohdiamanten übergeben worden. Sie könne aber nicht mit Sicherheit sagen, ob es der damalige Präsident Liberias geschickt habe.

Schlussphase mit Paukenschlag

Die Schlussphase des inzwischen seit drei Jahren laufenden Prozesses begann am Montag mit einem Paukenschlag, als die drei Richter mehrheitlich Taylors Schlusswort zurückwiesen, in dem seine Anwälte noch einmal ihre Sicht des Falls dargelegt hatten.

Grund war, dass es 20 Tage nach dem Stichtag 14. Januar vorgelegt wurde. Der britische Verteidiger Courtenay Griffiths nannte den Prozess gegen Taylor eine Farce und kündigte Berufung gegen die Entscheidung an.

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SDA-ATS