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Das AKW Beznau ist bald 48 Jahre alt und hätte deswegen bei einem Ja zur Atomausstiegsinitiative noch in diesem Jahr vom Netz genommen werden müssen. Nun darf es weiter betrieben werden, solange das ENSI es als sicher einstuft. (Archiv)

KEYSTONE/WALTER BIERI

(sda-ats)

Dreiviertel der Stimmbevölkerung möchte eine Schweiz ohne AKW. Dennoch ist die Atomausstiegsinitiative im November beim Volk durchgefallen. Grund: Der Zeitplan für den Ausstieg war zu ehrgeizig, wie die VOTO-Studie zur Abstimmung aufzeigt.

82 Prozent der Nein-Stimmenden fanden, der Zeitplan sei unrealistisch. Dies ist eines der Ergebnisse der Umfrage unter 1578 stimmberechtigten Personen in der ganzen Schweiz im Nachgang zur Abstimmung am 27. November 2016. Die Studie wurde am Donnerstag publiziert.

Demnach hatten selbst 63 Prozent der Nein-Stimmenden die folgende Frage mit "ohne" beantwortet: "Möchten Sie eine Schweiz mit Atomenergie oder eine Schweiz ohne Atomenergie?" Die Ablehnung der Atomenergie geht durch sämtliche Lager, selbst über 60 Prozent der FDP- und SVP-Sympathisanten möchten die AKW abstellen.

An den klaren Mehrheitsverhältnissen zur Frage der Atomenergie, die es seit Fukushima gebe, habe sich nichts verändert, folgern die Autoren der Studie, Georg Lutz und Florence Lebert vom FORS in Lausanne.

Angst vor Stromlücke

Bei einem Ja zur Initiative hätten die AKW Beznau I und II sowie Mühleberg bereits in diesem Jahr abgeschaltet werden müssen, Gösgen 2024 und Leibstadt 2029. Die Initiative, die mit 54,2 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt wurde, wollte die Laufzeit der AKW auf 45 Jahre begrenzen.

Neben dem Zeitplan spielte auch die Angst vor einer Stromlücke eine entscheidende Rolle: 81 Prozent der Nein-Stimmenden meinten, dass ein rascher Ausstieg die Versorgungssicherheit gefährden könnte.

Sicherheit ist Glaubenssache

Die Frage der AKW-Sicherheit spielte bei den Befürwortern die Hauptrolle: 85 Prozent der Ja-Stimmenden meinten, ein Ausstieg würde die Sicherheit erhöhen.

Dies sah die Gegenseite anders: Nur 25 Prozent davon stimmten dem zu. "Die Frage der Sicherheit, die seit jeher eine Glaubensfrage pro beziehungsweise kontra Atomkraftwerke ist, spaltete auch in diesem Fall die Stimmenden", heisst es in der Studie. Sie habe den Entscheid stark geprägt.

Atomausstieg machbar

64 Prozent der Befragten hielten den Atomausstieg für machbar. Allerdings waren im Ja-Lager 86 Prozent dieser Meinung, im Nein-Lager aber nur 45 Prozent.

Dem Argument der Befürworter, ein verbindliches Ausstiegsdatum schaffe die Grundlage für Investitionen in erneuerbare Energien, stimmten dagegen sowohl 77 Prozent aller Befragten als auch 66 Prozent der Nein-Stimmenden zu.

Die Bevölkerung ist "mehrheitlich der Meinung, dass es Alternativen zur Atomenergie gäbe, was stimmig ist mit der Einstellung, dass eine Mehrheit eine Schweiz ohne Atomenergie befürwortet", schliessen die Autoren.

Frauen zögerten

Das forsche Tempo, das die Initiative vorgab, scheint vor allem Frauen verunsichert zu haben, weshalb mehr als sonst den Urnen ferngeblieben waren: Während 51 Prozent der Männer an der Abstimmung zum Atomausstieg teilnahmen, lag die Beteiligung der Frauen bei nur 40 Prozent.

Auffallend viele abstinente Frauen gaben an, sie seien zu Hause geblieben, weil sie sich nicht hatten entscheiden können, oder weil das Thema zu kompliziert gewesen sei.

Auch die Jungen brachte die Initiative nicht an die Urne: Während die Stimmbeteiligung bei den 18- bis 29-Jährigen bei nur 31 Prozent lag, gingen 57 Prozent der über 69-Jährigen zur Abstimmung.

Fazit: Den Grünen und Linken war es nicht gelungen, die Frauen in genügendem Masse zu überzeugen und die Jungen in grossem Stil zu mobilisieren.

VOX-Nachfolger

Die repräsentative VOTO-Umfrage wurde innerhalb von drei Wochen nach der Volksabstimmung vom Befragungsinstitut LINK durchgeführt. Die Studie erstellt hat die Stiftung für die Forschung in den Sozialwissenschaften FORS in Lausanne in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Demokratie Aarau. Die VOTO-Studien lösten im letzten November VOX-Analysen ab.

SDA-ATS

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