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Aufatmen nach Entschärfung von Weltkriegs-Fliegerbombe in Augsburg

Mehr als 70 Jahre lag die britische Fliegerbombe in Augsburg unter der Erde ohne zu explodieren. Drei Zünder mussten dem Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg am Sonntag entfernt werden, bis er entschärft war.

KEYSTONE/EPA DPA/STEFAN PUCHNER

(sda-ats)

In einem fast vierstündigen Einsatz haben Spezialisten am Sonntag in Augsburg nordwestlich von München eine ungewöhnlich grosse britische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich entschärft.

Die zwei Experten eines Kampfmittelkommandos hatten am ersten Weihnachtsfeiertag seit den Nachmittagsstunden hochkonzentriert an dem 1,8 Tonnen schweren Blindgänger im Zentrum der Hauptstadt von Bayerisch-Schwaben gearbeitet.

Zuvor hatten rund 54'000 Bürger ihre Wohnungen verlassen müssen. Es war die grösste Evakuierungsaktion in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. Gegen 19.00 Uhr gab es dann von der Stadt die ersehnte Mitteilung: "Gute Nachricht: Die Bombe ist entschärft", teilte der Krisenstab via Twitter mit. Manche hatten da bereits befürchtet, dass die Entschärfung bis in die Nacht oder sogar bis Montag dauern könnte.

Am Abend wieder zurück in der Wohnung

Etwa 4000 aus ganz Bayern angereiste Helfer vom Bayerischen Roten Kreuz, von Feuerwehren und Bereitschaftspolizei organisierten am Abend die Rückkehr der Menschen in ihre Wohnungen. Viele der Einsatzkräfte waren am ersten Weihnachtstag bereits in den frühen Morgenstunden in ihren Heimatorten losgefahren, um bei der Evakuierung mitzuhelfen.

Bis 10.00 Uhr hatten die Betroffenen ihre Wohnungen verlassen müssen. Viele waren bereits an Heiligabend zu Verwandten oder Freunden gefahren, nur knapp 1000 Menschen kamen in die von der Stadt vorbereiteten Notunterkünfte.

In den Mittagsstunden kontrollierten dann 900 Polizisten mit Unterstützung zahlreicher Feuerwehrleute, ob die Sicherheitszone geräumt war. Sie klingelten an den Häusern und fuhren mit Lautsprecherwagen durch die Strassen.

Wer zu dieser Zeit noch unterwegs war, wurde aus dem Gefahrenbereich gebracht. Vereinzelt gab es Menschen, die sich weigerten, freiwillig zu gehen. "Den einen oder anderen mussten wir positiv beeinflussen, um die Bewohner zum Verlassen des Schutzbereichs zu bewegen", sagte ein Polizeisprecher.

Weil sich viele gehbehinderte Menschen erst kurzfristig bei den Behörden meldeten und um Krankentransporte baten, kam es bei der Räumung der Sicherheitszone zu Verzögerungen. Die Stadt habe mit etwa 400 Fahrten gerechnet, letztlich seien es 560 geworden, sagte Oberbürgermeister Kurt Gribl.

Mehrere Zünder entfernt

Um 15.00 Uhr - etwa eine Stunde später als geplant - konnten sich die Bombenspezialisten an die Arbeit machen. Sie mussten mehrere Zünder aus der mehr als 70 Jahre alten Bombe entfernen.

Der Blindgänger enthielt mit eineinhalb Tonnen das Mehrfache an Sprengstoff einer normalen Fliegerbombe. Deswegen hatte die Stadt das Gebiet von eineinhalb Kilometern um den Fundort zur Sperrzone erklärt - die Kampfmittelräumer wollten eigentlich eine noch grössere Evakuierungszone haben.

Die unschädlich gemachte Bombe wird nun noch einige Tage auf der Baustelle liegen, auf der sie am Dienstag entdeckt worden war. In der kommenden Woche soll die Luftmine unter Polizeischutz abtransportiert werden.

Bewusst an einem Feiertag

Die Entschärfung war von der Stadt gezielt auf den Feiertag gelegt worden, weil eine Räumung eines so grossen Gebietes an einem Werktag nach Angaben der Verantwortlichen nicht zu bewerkstelligen gewesen wäre. Zahlreiche Fabriken und Büros hätten dann geschlossen werden müssen. Darüber hinaus sollte die gefährliche Bombe nicht eine weitere Woche in der Stadt herumliegen.

In Augsburg werden immer wieder Fliegerbomben entdeckt, darunter war allerdings noch nie eine derart grosse. Die Region Augsburg war als wichtiger Standort der Flugzeugindustrie ein Rüstungszentrum in Nazi-Deutschland, die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg mehrmals von den Alliierten bombardiert.

Die bislang landesweit grösste Evakuierung wegen einer Fliegerbombe gab es im Jahr 2011 in Koblenz. Dort waren 45'000 Einwohner betroffen.

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