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Experten warnen vor der Baby-Dauerüberwachung per Smartphone-App und Sensor. Ein Nutzen sei dafür nicht nachgewiesen, der Schaden aber sehr real: Die unvermeidbaren Fehlalarme verunsichern Eltern.

eperales/flickr CC BY 2.0

(sda-ats)

Ein Sensor im Babysöckchen, verbunden mit einer Smartphone-App, die im Zweifelsfall Alarm schlägt. Die Hersteller solcher Technik machen viel Geld. Ob die Geräte plötzlichen Kindstod verhindern helfen, wurde nie nachgewiesen, warnen US-Mediziner im Fachblatt "JAMA".

Plötzlicher Kindstod ist ein Schreckgespenst für viele Eltern. Nur zu verlockend scheinen da Sensor-bestückte Söckchen, Windelklipps und Babybodies, die Atmung, Puls und Sauerstoffsättigung des Blutes messen und an eine App auf dem elterlichen Smartphone senden. Mit Alarmfunktion, wenn die Werte von der Norm abweichen. Das Konzept zieht: Der Markt für solche Baby-Überwachungstechnik wächst stetig.

Es gebe jedoch keinen medizinischen Anlass für diese ständige Überwachung zuhause, schreiben US-Mediziner des "Children's Hospital of Philadelphia". Die an Eltern gerichtete Werbung der Hersteller könne unnötige Ängste und Zweifel schüren, nicht in der Lage zu sein, das eigene Kind zu beschützen.

Hersteller umgehen die Zulassung

Dass die Geräte irgendeinen Nutzen bringen, ist indes nicht nachgewiesen, schreiben die Experten. Die Hersteller entziehen sich geschickt der Überprüfung ihrer Angebote durch die zuständige US-Zulassungsbehörde für medizinische Geräte FDA: Sie behaupten gar nicht, dass ihre Produkte plötzlichen Kindstod verhindern könnten. Aber sie senden die Botschaft, es sei doch besser, die Lebenszeichen des Babys zu überwachen, falls etwas passiere.

Bei ausgewählten Fällen, in denen Ärzte zum Beispiel bei Frühgeborenen ein erhöhtes Risiko für Atemstillstand, Abfall der Herzfrequenz oder Sauerstoffmangel feststellen, könnte die physiologische Überwachung nützen, räumen die US-Mediziner in ihrem JAMA-Artikel ein. Allerdings müssen trotzdem die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Geräte erst geprüft werden.

Wie wichtig ein solcher Nachweis ist, illustrieren die Autoren mit dem Beispiel einer Blutdruck-App. Kürzlich habe sich bei einem Test herausgestellt, dass diese App fast 80 Prozent der Bluthochdruck-Patienten, die sie nutzten, fälschlicherweise in Sicherheit wiegte: Sie gab normalen Blutdruck an, obwohl er erhöht war. Auch hier redeten sich die Hersteller heraus, die App sei nicht für den medizinischen Gebrauch gedacht.

Apps besser prüfen

Das Problem sei verbreitet bei Gesundheits-Apps, so die Mediziner. Sie verlangen daher mehr Engagement der Behörden, ein Zulassungsverfahren für solche Apps durchzusetzen. Ausserdem könne die medizinische Forschungsgemeinschaft beitragen, indem sie die Angebote auf dem stetig wachsenden Markt der Baby-Überwachungs-Apps regelmässig teste und die Resultate Eltern und Ärzten zur Verfügung stelle.

Aber selbst wenn sich die Messung per Sensoren und Apps als höchst präzise herausstellen sollte, könne ihr Gebrauch mehr Schaden als Nutzen bringen. Die Systeme würden unweigerlich Alarm schlagen in Situationen, die nicht lebensbedrohlich sind. Ein temporärer Abfall der Sauerstoffsättigung im Blut auf unter 80 Prozent zum Beispiel sei bei gesunden Babys völlig normal und bleibe ohne medizinische Folgen. Auch durch Bewegung könnten Fehlalarme entstehen.

Eltern könnten durch solch eine Überdiagnose unnötig in Panik versetzt werden und in die Notaufnahme eilen. Diesem Risiko stehe bisher kein nachgewiesener Nutzen solcher Geräte gegenüber, worüber Ärzte Eltern transparent aufklären sollten, um ihnen eine informierte Entscheidung zu ermöglichen, schliessen die Experten im Fachartikel.

SDA-ATS

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