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Beim Sturm auf das Parlament in Caracas durch Anhänger von Präsident Maduro wurden mehrere venezolanische Abgeordnete verletzt.

KEYSTONE/EPA EFE/CRISTIAN HERNANDEZ

(sda-ats)

Die Belagerung des Parlaments in Venezuela ist beendet. Die über 350 Oppositionsabgeordneten, Journalisten und Angestellten, die neun Stunden in dem Gebäude festsassen, konnten den Sitz der Nationalversammlung am Mittwochabend verlassen.

Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, wurde die von Anhängern der regierenden Sozialisten organisierte Blockade beendet.

Unterstützer des Präsidenten hatten am Morgen das Parlamentsgebäude in Caracas gestürmt und sich Schlägereien mit Oppositionsabgeordneten geliefert. Die in der Farbe der regierenden Sozialisten rot gekleideten Maduro-Anhänger drangen zunächst in die Gärten des Parlaments ein und zündeten Feuerwerkskörper.

Einigen Angreifern gelang es, bis auf die Flure des Parlaments vorzudringen, wo sie auf Oppositionsabgeordnete einschlugen. Am frühen Mittwochabend versperrten die Präsidenten-Anhänger zudem den Eingang zum Sitz der Nationalversammlung.

Die Demonstranten zündeten Feuerwerkskörper, riefen Parolen wie "Sie werden nicht herauskommen" und beschimpften die oppositionellen Politiker als "Mörder" und "Terroristen".

EU: "Angriff auf Symbol der Demokratie"

Augenzeugen zufolge wurden mindestens fünf Parlamentarier verletzt, mehrere Journalisten wurden ausgeraubt. Politiker, Medienvertreter und Gäste wurden stundenlang in dem Gebäude festgehalten. "Es gibt Kugeln, es gibt Blut, Autos wurden zerstört, auch meines", sagte Parlamentspräsident Julio Borges.

Die USA, die Europäische Union, die Organisation Amerikanischer Staaten und das Nachbarland Kolumbien verurteilten die Attacke auf die Nationalversammlung am venezolanischen Nationalfeiertag. "Diese Gewalt ist ein Angriff auf die demokratischen Prinzipien", sagte eine Sprecherin des US-Aussenministeriums.

Der Präsident des EU-Parlaments, Antonio Tajani, schrieb auf Twitter: "Ich verurteile den Angriff auf die Nationalversammlung in Venezuela - ein Symbol der Demokratie - auf das Schärfste. Das Europäische Parlament fordert sofortige Neuwahlen."

Maduro kündigte Ermittlung an

Präsident Nicolas Maduro verurteilte die Gewalt, sprach von "seltsamen Vorfällen" und kündigte Ermittlungen an. Zugleich rief er die Opposition dazu auf, auch über Gewalt aus ihren Reihen zu sprechen. Die Opposition dagegen warf dem Staatschef Scheinheiligkeit vor.

Parlamentspräsident Julio Borges machte die sogenannten Colectivos - bewaffnete Schlägertrupps der Regierung - für den Angriff verantwortlich. "Die Gewalt in Venezuela heisst Nicolás Maduro", sagte Borges. "Wenn sie die Demonstrationen von Tausenden Venezolanern unterdrücken wollen, gelingt ihnen das innerhalb von Sekunden. Wenn es ihre eigen Leute sind, passiert nichts."

Die konservative und rechtsgerichtete Opposition Venezuelas kämpft für eine Amtsenthebung des Staatschefs, den sie für die schwere Wirtschaftskrise und die dramatischen Versorgungsengpässe im Land verantwortlich macht. Die Innenstadt von Caracas ist traditionell eine Hochburg der Regierung.

Maduro beschuldigt die Regierungsgegner, mit Unterstützung der USA einen Staatsstreich gegen ihn zu planen. Bei den nahezu täglichen Protesten gegen Maduro wurden seit Anfang April bereits 91 Menschen getötet und mehr als tausend weitere verletzt.

SDA-ATS