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Der Italiener Claudio Corti wurde 1957 als erster Mensch aus der Eigernordwand gerettet. Er überlebte als einziger einer Viererseilschaft.

KEYSTONE/HANS-UELI BLOECHLIGER

(sda-ats)

Vor sechzig Jahren spielte sich in der Eigernordwand ein Bergdrama ab, das die Welt noch Jahre beschäftigen sollte. Vier Männer kämpften sich glücklos durch die berüchtigte Wand. Nur einer überlebte - dank einer beispiellosen Rettungsaktion.

Die beiden Italiener, Claudio Corti und Stefano Longhi, steigen am Morgen des 3. August 1957 in die Eigernordwand ein. Doch von Anfang an läuft es den beiden nicht gut: Sie kommen von der Route ab, müssen biwakieren und sich abseilen.

Wieder auf Kurs, treffen sie auf die beiden Deutschen Günther Nothdurft und Franz Mayer, die bereits einen Rucksack mit Proviant verloren haben. Die vier machen schliesslich gemeinsam weiter.

Zwei Verletzte

Doch das Quartett bleibt vom Pech verfolgt. Am 9. August stürzt Longhi auf einer Traverse zur Spinne ab. Seine Seilkameraden können den Sturz zwar abfangen, den verletzten Longhi aber nicht mehr hochziehen. Sie lassen ihn auf einem Felsvorsprung zurück, um über den Gipfel Hilfe zu holen.

Wenig später wird Corti von einem Steinschlag getroffen und muss ebenfalls verletzt zurückgelassen werden. Die beiden Deutschen überlassen ihm ihren Biwaksack und steigen weiter. Sie werden später auf dem Abstieg ums Leben kommen.

Im Tal weiss man unterdessen, dass es um die vier am Berg nicht gut steht. Zahlreiche Schaulustige beobachten das Geschehen vom Tal aus durch Ferngläser.

Kritik an Rettungsstelle Grindelwald

Die offizielle Rettungsstelle in Grindelwald will wegen des schlechten Wetters keine Rettung wagen, was ihr harsche Kritik einträgt. "Des gibts net, dass ma da nichts machen kann", soll der deutsche Alpinist und Bergretter Ludwig Gramminger dazu gesagt haben, wie Autor Daniel Anker in seinem Buch "Eiger - die vertikale Arena" schreibt.

Flugs trommelt Gramminger Bergkameraden zusammen. Rund fünfzig Bergsteiger aus sechs Ländern schliessen sich der internationalen Rettungstruppe an. Sie wagen am 11. August 1957 einen spektakulären Rettungsversuch.

Mit einem auf dem Gipfel befestigten Stahlseil wird ein Mann in die Wand zu Corti heruntergelassen. Es gelingt ihm, den verletzten Italiener auf den Rücken zu schnallen und sich zum Gipfel hochhieven zu lassen. Mit einer Trage wird Corti ins Tal gebracht. Damit ist die erste Rettung eines Verletzten aus der Eigernordwand geglückt.

Späte Bergung der Leiche

Die Bergung des weiter unten ausharrenden Longhi gelingt an diesem Tag wegen Funkproblemen und einem neuerlichen Wetterumsturz nicht. Die Retter rufen ihm zu, sie würden ihn am nächsten Tag aus der Wand holen - und Longhi antwortet ihnen mit den beiden Worten: "fame, freddo" (Hunger, kalt). Die Nacht überlebt er nicht mehr.

Longhis Leiche bleibt wie ein makabres Mahnmal zwei Jahre lang in der Wand hängen - gut sichtbar für Fernrohrtouristen. Erst 1959 gelingt es, den Leichnam zu bergen.

Üble Verdächtigungen

Und die beiden Deutschen? Sie blieben spurlos verschwunden. Dass sie den Gipfel erreicht und auf dem Abstieg ums Leben gekommen waren, wusste man damals noch nicht.

Das Drama am Eiger wurde zu einem riesigen Medienereignis. Ungeübt und überfordert im Umgang mit der Öffentlichkeit, machte der gerettete Corti konfuse Aussagen.

Damit begann für ihn ein neuer Leidensweg, denn er sah sich Kritik und Anfeindungen von Medien und Alpinisten wie Heinrich Harrer ausgesetzt. Corti trage die Schuld am Tod seines Kletterpartners Longhi, lautete einer der Vorwürfe. Dem Italiener wurde gar unterstellt, die Deutschen die Wand hinab gestossen zu haben, um sich ihres Materials zu behändigen.

Cortis Unschuld bewiesen

Entlastung erfuhr der Italiener erst vier Jahre später, im September 1961. Durch Zufall wurden die Leichen der beiden Deutschen in der Westflanke des Eigers gefunden. Damit war klar, die beiden hatten den Gipfel erreicht und waren auf dem Abstieg ums Leben gekommen.

Doch das negative Bild, das man so rasch von Corti gezeichnet hatte, verblasste nur langsam. Der Alpinist mit durchaus reichem Palmares starb im Jahr 2010 in seiner italienischen Heimat im Alter von 81 Jahren.

Im Jahr 1971 gelang übrigens die erste Rettung per Helikopter aus der Eigernordwand.

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SDA-ATS