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Bundesrat Alain Berset hat am Swiss Economic Forum (SEF) vor über 1000 Unternehmerinnen und Unternehmern den sozialen Ausgleich und das politische System der Schweiz gelobt. Die Mühlen mahlten zwar langsam, die Ergebnisse seien aber reflektiert und nachhaltig.

Zackige Entscheidungswege in autoritären oder kapitalistischen Systemen seien oft zu kurzsichtig, sagte Berset in seiner Rede zu Beginn des zweitägigen Forums in Interlaken. Das "Uhrwerk Schweiz" funktioniere bestens, gerade weil es kompliziert sei.

Es gebe zwar auf jede schwierige Frage eine einfache, aber falsche Antwort. Die Schweiz sei das Land, das auf komplexe Fragen komplexe Antworten finde, erklärte der Innenminister mit Blick auf das diesjährige SEF-Motto "Antworten auf brennende Fragen".

Nach Ansicht von Berset haben nur jene Länder Erfolg, die wirtschaftliche Dynamik und sozialen Ausgleich kombinieren können. Der Ausgleich habe die Schweiz stark gemacht, sei aber gefährdet und müsse an die Bedingungen des 21. Jahrhunderts angepasst werden, sagte der SP-Politiker.

Überschwang nicht mit Dynamik verwechseln

Die Wirtschaft dürfe Überschwang nicht mit Dynamik verwechseln und solle sich auf bewährte Werte wie Solidität, Berechenbarkeit und Langfristigkeit besinnen. Die Schweizer Politik sei nicht von Nervosität geprägt - "normalerweise", schob Berset nach und erntete für seine Anspielung auf das US-Spezialgesetz Lacher und Applaus.

Nicht die Schweiz ist in der Krise

Patrick De Maeseneire, Chef des weltgrössten Stellenvermittlers Adecco, hielt in seiner Rede fest, nicht die Schweiz sei "kaputt", sie müsse nicht repariert werden. Andere Länder, die Druck auf die Schweiz ausüben, seien in der Krise, nicht die Schweiz.

Nach Ansicht von Berset haben nur jene Länder Erfolg, die wirtschaftliche Dynamik und sozialen Ausgleich kombinieren können. Dieser Ausgleich habe die Schweiz stark gemacht, sei aber gefährdet, sagte der SP-Politiker.

Die Sozialsysteme müssten so reformiert werden, damit sie nachhaltig finanzierbar bleiben, hielt Berset unter Verweis auf die bundesrätliche Strategie zur Reform der Altersvorsorge fest.

In einer Abstimmung votierten die SEF-Teilnehmer für die Erhöhung des AHV-Alters der Frauen auf 65 Jahre und für Anreize zur Arbeitstätigkeit über 65 Jahren. Die Erhöhung des minimalen Frühpensionsierungsalters 58 verfehlte dagegen knapp eine Mehrheit, ebenso die Senkung des Umwandlungssatzes.

Feste Grösse

Das SEF findet zum 15. Mal statt, es gilt als wichtigstes Treffen der Schweizer Wirtschaftselite mit Politikern und Wissenschaftlern. Zu den illustren Referenten gehören neben US-Starökonom Nouriel Roubini dann am Freitag Larry Fink, Chef des weltgrössten Vermögensverwalters Blackrock, und der frühere griechische Premier Giorgos Papandreou.

Aber auch Entscheidungsträger von mittelgrossen Schweizer Unternehmen erhalten die grosse Plattform: unter anderen Daniela Spavetti vom Seeländer Gemüsehändler Spavetti und Carole Hübscher vom Genfer Schreibgeräte-Hersteller Caran d'Ache.

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SDA-ATS