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Mit der Vernehmung eines Polizeibeamten ist in Deutschland nach fast einem Monat Sommerpause der NSU-Prozess fortgesetzt worden. Das Gericht war wiederholt kritisiert worden, weil es in der Beweisaufnahme zwischen verschiedenen Tatkomplexen hin und her sprang.

Es hatte dafür organisatorische Gründe geltend gemacht. Am Donnerstag setzte sich das fort. Zunächst berichtete ein Ermittler des Bundeskriminalamts von einem Ortstermin mit dem Angeklagten Holger G. in Zwickau (Sachsen). Dorthin hatte G. den drei untergetauchten Neonazis um die Hauptangeklagte Beate Zschäpe eine Waffe gebracht.

Holger G. gilt als wichtiger Zeuge der Anklage, weil er das Trio des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) über längere Zeit kannte und im Ermittlungsverfahren Angaben zur Rolle Zschäpes innerhalb der Gruppe gemacht hatte.

Im Prozess hat der 39-Jährige bislang aber zu den Tatvorwürfen nur eine vorgefertigte Erklärung verlesen. Sein Verteidiger bekräftigte am Donnerstag nochmals, dass G. derzeit keine weiteren Angaben machen wolle.

Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl hatte vor der Sommerpause angedeutet, dass die bisherige Erklärung aus seiner Sicht nicht zufriedenstellend sei. Das könnte eine Rolle spielen, falls G. auf Anwendung der Kronzeugenregelung hofft.

Kurz vor Bombenanschlag von Viva gefilmt

Dann wurden am Donnerstag Videoaufnahmen einer Überwachungskamera des Musiksenders Viva gezeigt. Sie zeigen nach Überzeugung der Ermittler die mutmasslichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt kurz vor einem Bombenanschlag am 9. Juni 2004 in der Kölner Keupstrasse.

Zu sehen ist, wie einer der Männer - laut Anklage Böhnhardt - zunächst zwei Velos die Strasse entlang schiebt, dann wieder ohne die Fahrräder zurückkommt. Es folgt ein weiterer Mann - laut Anklage Mundlos. Er schiebt ein Velo, auf dessen Gepäckträger ein dunkler Hartschalenkoffer montiert ist. Darin befand sich die Nagelbombe, mit der die Terroristen 22 Menschen zum Teil schwer verletzten.

Vor Mord bei Dönerstand gesehen

Am Donnerstagnachmittag wurde eine Zeugin vernommen, die wahrscheinlich Mundlos und Böhnhardt vor dem Mord an Ismail Yasar am 9. Juni 2005 in Nürnberg gesehen hat. Beide hätten schwarze Velokleidung angehabt. Einer habe in Yasars Dönerstand hineingeschaut, der andere habe an der Strasse gestanden.

Der NSU wird für insgesamt zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und rund 15 Banküberfälle verantwortlich gemacht. Mordopfer waren acht Einwanderer aus der Türkei, ein griechischstämmiger Migrant und eine deutsche Polizistin.

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SDA-ATS