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Peter Brabeck tritt als Verwaltungsratspräsident am Donnerstag offiziell von der Bühne bei Nestlé ab - nachdem er dem Konzern die Richtung für die Zukunft vorgegeben hat. (Archiv)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

(sda-ats)

Beinahe 50 Jahre lang hat Peter Brabeck bei Nestlé gearbeitet: Angefangen hat er als Verkäufer, aufgestiegen ist er über die Position des Länderchefs in verschiedenen südamerikanischen Ländern bis zum Konzernchef und Verwaltungsratspräsidenten.

An der Generalversammlung am Donnerstag wird der 72-Jährige zum letzten Mal als Präsident des Nahrungsmittelgiganten auftreten. Doch eine Ära geht mit seinem Abgang nicht zu Ende.

Längst hat er dem Konzern seinen Stempel aufgedrückt und seinen Nachfolgern an der Konzernspitze wie im Aufsichtsgremium vorgespurt, wohin es mit Nestlé künftig gehen soll. "Nutrition, Health and Wellness" (Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden) heisst das Credo des Nahrungsmittelmultis mit seiner 150-jährigen Geschichte.

Im Klartext heisst das, dass nicht zuletzt Brabeck dem Konzern einen ambitionierten Umbau verordnet hat. Allein mit dem Bereich Health Science (medizinische Ernährung) soll künftig ein Umsatz von 10 Milliarden Franken erwirtschaftet werden.

Wachstum mit "besseren Kalorien"

Zuletzt lag der Umsatz in diesem Bereich jedoch bei gerade einmal 2,2 Milliarden Franken und bei 4,4 Milliarden, wenn man Skin Health (Hautpflege) hinzurechnet. 95 Prozent seines Umsatzes macht Nestlé derzeit immer noch mit seinem Nahrungsmittel-Sektor, mit Fertigprodukten wie Thomy-Saucen, Maggi-Fertiggerichten, Nespresso-Kaffeekapseln oder Cailler-Schokolade.

"Wir müssen uns fragen, ob Nestlé für Allerweltsprodukte die richtige Firma ist", sagte Brabeck im November 2015 in einem Interview. Die Antwort gab er gleich selbst: "Ich glaube es nicht."

Dem wohlhabenden Teil der Welt müsse man heute nicht mehr Kalorien, sondern bessere Kalorien anbieten, sagte er. Nestlé solle künftig Ernährung und Gesundheit kombinieren, nicht zuletzt weil in diesem Bereich höhere Preise durchzusetzen sind. Wenn Nestlé weiter wachsen wolle, müsse man nun Lebensmittel produzieren, die die Lebensqualität steigerten, gab Brabeck die Zukunft von Nestlé vor.

Solche Aussagen stehen vor dem Hintergrund, dass der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern mit einem Umsatz von fast 90 Milliarden Franken seit längerem hinter dem eigenen langfristigen Wachstumsziel von fünf bis sechs Prozent zurückbleibt. 2016 legte Nestlé beim Umsatz gerade mal um 0,8 Prozent zu, organisch immerhin um 3,2 Prozent.

Umbau mit Gesundheitsprofis

Um mit medizinischer Ernährung und Hautpflege zu wachsen, hat sich der Konzern zum ersten Mal seit fast hundert Jahren einen Externen an die Konzernspitze geholt: Ulf Mark Schneider kam vom Gesundheitskonzern Fresenius und ist seit Anfang 2017 Konzernchef von Nestlé. Auch der Finanzchef Francois-Xavier Roger, der 2015 zu Nestlé gestossen ist, kam aus der Pharmabranche.

Unter dem Verwaltungsratspräsidenten Paul Bulcke sollen sie mit ihrem Wissen aus dem Gesundheitsbereich den Riesen Nestlé auf dem neuen Weg die nötigen Impulse geben. An der Generalversammlung am Donnerstag wird Bulcke die Funktion des Präsidenten von Brabeck übernehmen.

Damit folgt der Belgier dem Österreicher bereits zum zweiten Mal: 2008 hatte er die Position des Konzernchefs von Brabeck übernommen. Zuvor hatte Brabeck während drei Jahren den Konzern in der umstrittenen Doppelfunktion als Konzernchef und Präsident geleitet.

Wenn Brabeck nun am Donnerstag von der offiziellen Bühne bei Nestlé abtritt, dann heisst es für den Konzern strategisch wie personell "weiter so", wie er es vorgegeben hat.

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SDA-ATS