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Mit einem Tor und einer Vorlage führt Neymar Brasilien gegen Mexiko in den WM-Viertelfinal. Seine sportliche Leistung rückt wegen einer erneuten Schauspieleinlage aber in den Hintergrund.

Und wieder tat er es. Wie ein am Boden liegender Fisch zuckte Neymar, als ihm der Mexikaner Miguel Layun in der 70. Minute auf den Knöchel trat. Er schrie und krümmte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht, dass man um seine Karriere fürchtete, hätte man nicht anderes geahnt. Kurz darauf sprintete er wieder, als sei nichts gewesen.

Natürlich war es eine grobe Unsportlichkeit, wie ihm Layun während eines Unterbruchs wie zufällig, aber wohl vorsätzlich auf den vor kurzem operierten Fuss trat. Der Mexikaner hätte dafür die Rote Karte bekommen müssen. Im Bestreben das Spiel schnell zu machen, wollte er sich den Ball schnappen, den Neymar am Boden liegend umklammerte. Dass nun aber hauptsächlich über das Nachspiel dieser hinterhältigen Aktion debattiert wird, hat sich Neymar mit seinem Hang zur Theatralik selbst zuzuschreiben.

Neymar ist ein ungemein begnadeter Fussballer, einer der besten überhaupt, auch das zeigte er gegen Mexiko. Den teuersten Spieler der Welt mit dem Oscar-reifen Schauspieltalent nun zum schwarzen Schaf zu machen, wäre falsch. Neymar tut, was viele andere Fussballprofis auch tun und schon seine Idole gemacht haben, denen er als kleiner Junge nacheiferte: Er versucht, sich und seinem Team einen Vorteil zu schaffen. Was unbestraft bleibt und einen Nutzen bringt, wird praktiziert. So funktioniert das System, und Neymar ist Teil davon. Die Spieler Uruguays griffen in ihrem Achtelfinal gegen Portugal zu ähnlichen Mitteln.

Das Problem ist: Die moralischen Werte im Fussball sind andere, und das nervt. Die Schummeleien haben sich zu Zeiten etabliert, als die Kameras noch nicht jeden Winkel des Spielfelds aus diversen Positionen erfassten. Heute werden sie toleriert, obwohl die Fernsehbilder die Übeltäter entlarven, es den Videobeweis gibt und man die Schwalbenkönige auch nachträglich bestrafen könnte.

An der WM in Russland soll der Video-Assistent krasse Fehlentscheide verhindern und ansonsten das Spiel nicht zu sehr beeinflussen. Das bewährt sich grundsätzlich. Schwalben und theatralisches Benehmen müssten aber sanktioniert werden, damit sich die Gewohnheiten ändern. In Italien war dies mit der Einführung des anders ausgelegten VAR zuletzt teilweise der Fall, eine Studie ergab, dass Schwalben in der Serie A signifikant abnahmen.

Neymar kann durchaus einstecken. Er ist an der WM in Russland der am meisten gefoulte Spieler, und einiges, was ihm widerfährt, ist gewiss schmerzhaft. Die eine oder andere Flugeinlage ist auch ein Schutzmechanismus; bliebe er stehen, könnten Knochen brechen, wenn der Gegner das Standbein trifft. Das Image des Simulanten wird er aber so schnell nicht mehr los.

Mexikos Trainer Juan Carlos Osorio griff nach dem Spiel zu deutlichen Worten: "Es ist eine Schande für den Fussball. Das ist ein schlechtes Beispiel für die ganze Welt und all die Kinder vor dem Fernseher. Es sollte nicht so viel Schauspielerei geben." Andere kommentierten Neymars Gebaren mit Humor oder mit einem Kopfschütteln. "Ich hatte schon Sorge, dass er stirbt", sagte Dänemarks Ex-Nationalgoalie Peter Schmeichel als BBC-Experte. Englands ehemaliger Nationalstürmer Alan Shearer meinte: "Es nervt, dass er jedes Mal über den Rasen rollt, als sei er schwer misshandelt worden." Neymar selbst hatte wenig zu sagen: "Es hat schon sehr weh getan."

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SDA-ATS