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Rotes Eichhörnchen mit von Lepra verursachten Schäden an Ohr und Schnauze.

Catherine Clark

(sda-ats)

Die meisten roten Eichhörnchen auf den britischen Inseln sind mit Lepra-Erregern infiziert, wie EPFL-Forscher mit Kollegen berichten. Für Menschen ist das Ansteckungsrisiko zwar gering, aber für den Erhalt dieser Eichhörnchenart könnte es zum Problem werden.

Der "Aussatz" war einer der Schrecken des Mittelalters. Seit rund hundert Jahren ist die Lepra aus Europa so gut wie verschwunden, dank besserer Hygiene und wirksamer Antibiotika. Zumindest beim Menschen. Nicht so in der Natur, wie Mikrobiologen der ETH Lausanne (EPFL) und der University of Edinburgh nun im Fachblatt "Science" berichten.

Demnach sind die gleichen Erreger, die beim Menschen Lepra verursachen, bei roten Eichhörnchen in England, Irland und Schottland im Umlauf, wie die EPFL am Donnerstag mitteilte. Ein Lausanner Forscherteam um Stewart Cole und schottische Wissenschaftler um Anna Meredith untersuchten 110 Eichhörnchen aus diesen Regionen per DNA-Test auf die Erreger Mycobacterium leprae und Mycobacterium lepromatosis.

Unbemerkt im Umlauf

Nur einige der Tiere hatten Symptome, andere keine. Dennoch fanden die Forschenden bei fast allen untersuchten Tieren einen der beiden Erreger. "Es war völlig unerwartet, dass M. leprae die Krankheit bei Eichhörnchen auslöst - Jahrhunderte nach seinem Verschwinden beim Menschen in Grossbritannien", sagte Cole gemäss der Mitteilung. "Das wurde vorher noch nie beobachtet."

Die Studie zeige, dass ein Erreger jahrhundertelang unbemerkt in der Natur überdauern kann. "Der nächste logische Schritt nach dieser Studie wäre, auch den Bestand roter Eichhörnchen ausserhalb der britischen Inseln zu untersuchen, einschliesslich der Schweiz", sagte Studienautor Andrej Benjak von der EPFL.

Für Menschen kaum Risiko

Für die Bevölkerung sehen die Forschenden allerdings keine spezielle Gefahr: "Selbst wenn es den Lepra-Erreger in den roten Eichhörnchen Kontinentaleuropas gibt, ist das Risiko der Übertragung auf den Menschen generell gering", so Benjak. Grund sei der geringe Kontakt zwischen Mensch und Eichhörnchen und dass die Jagd auf diese Tiere in den meisten europäischen Ländern verboten sei.

Auch in Grossbritannien habe es seit Jahrzehnten keine Lepra-Infektion mehr gegeben, betonte Benjak. Gänzlich ausschliessen könne man aber nicht, dass es seltene, nicht gemeldete oder fehldiagnostizierte Fälle gab, die in Grossbritannien ihren Ursprung nahmen. Die Erfassung von Lepra-Fällen durch das offizielle Programm der Weltgesundheitsorganisation sollte intensiviert werden, schlägt der Forscher vor.

Problem für Artenschutz

Die Entdeckung von Lepra in den britischen roten Eichhörnchen sei allerdings besorgniserregend aus Sicht des Artenschutzes, liess sich Anna Meredith in der EPFL-Mitteilung zitieren. Das rote Eichhörnchen ist in Grossbritannien besonders durch die zunehmende Verbreitung des amerikanischen Grauhörnchens in Bedrängnis.

"Wir müssen verstehen, wie und warum die Krankheit die roten Eichhörnchen befällt und sich unter ihnen verbreitet", sagte Meredith. So liesse sich die Krankheit hoffentlich besser im Zaum halten.

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SDA-ATS