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Spitzenforschung: Gibt es keinen Brexit-Deal mit der EU, droht Grossbritannien aus dem EU-Forschungsprogramm "Horizon 2020" vorzeitig auszuscheiden. (Archiv)

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

(sda-ats)

Kommt es Ende März 2019 zu einem EU-Austritt Grossbritanniens ohne Abkommen mit der EU, verlöre es den direkten Zugang zum EU-Forschungsprogramm "Horizon 2020" und damit zu EU-Fördergeldern. Was das heisst, hat die Schweiz im Jahre 2014 selbst erfahren.

Bei der Forschung belegt Grossbritannien vor Deutschland und Frankreich seit Jahren den Spitzenplatz: In keinem anderen europäischen Land gehen so viele Fördergelder des Europäischen Forschungsrats (ERC), der "Champions League" für Forschende, an Forscher wie im Vereinigten Königreich. 2017 erhielten insgesamt 200 britische Forschungsprojekte "Grants", wie die Stipendien des ERC im Fachjargon heissen.

Doch nun schauen die Wissenschaftler auf der britischen Insel mit Sorge auf die Brexit-Verhandlungen. Denn käme es am 30. März 2019 zu einem Brexit ohne Abkommen, würden sie den direkten Zugang zu "Horizon 2020" mit dem EU-Austritt des Landes verlieren.

Zwar könnten die bereits laufenden Forschungsprojekte zu Ende geführt werden, doch Forschende im Vereinigten Königreich erhielten ab dem Zeitpunkt des Austritts keine neuen EU-Forschungsgelder mehr und könnten auch keine Forschungsprojekte mehr leiten.

Schweizer Ausschluss

Was das bedeutet, hat die Schweiz bereits erfahren müssen. Im Nachgang zur Annahme der SVP-Zuwanderungsinitiative im Februar 2014 wurde die Teilnahme der Schweiz an "Horizon 2020" von der EU suspendiert. Dies war möglich, weil die Verhandlungen zwischen Bern und Brüssel über die Schweizer Beteiligung am EU-Forschungsprogramm formell noch nicht abgeschlossen waren.

Nach der Suspendierung sprang zwar der Schweizerische Nationalfonds (SNF) finanziell in die Lücken, doch Universitäten und Hochschulen fürchteten bei einem längeren "Horizon 2020"-Ausschluss, an Attraktivität für ausländische Forschende und damit an Exzellenz einzubüssen.

Die Schweiz stünde "in Konkurrenz zu anderen Ländern", warnte Jean-Luc Barras vom SNF in den Zeitungen "Tages-Anzeiger" und "Bund". Es drohe "ein Auszug von Spitzenleuten aus der Schweiz".

Für die Briten dürfte sich das Problem des Prestige-Verlusts ebenfalls stellen, obwohl auch im Vereinigten Königreich die Regierung kürzlich bekannt gegeben hatte, finanziell in die Bresche zu springen.

Da jedoch die Briten wie auch die Schweizer mehr Fördergelder aus "Horizon 2020" erhalten als sie einbezahlen, ist sich London bewusst, dass es nach dem Brexit "signifikant mehr eigene Gelder für Forschung und Entwicklung aufwenden muss". Auch will es an der internationalen Zusammenarbeit festhalten, um nicht "den Anschluss an die internationale Forschung" zu verlieren, wie es auf einer Website heisst.

Entgangene Fördergelder

Zum Glück für die Schweiz dauerte ihr Ausschluss aus dem EU-Forschungsprogramm nicht allzu lange: Ab Herbst 2014 erhielt sie eine Teilassoziierung, so dass sich Forschende wieder an den ERC-Ausschreibungen beteiligen konnten. Ab 2017 war die Schweiz dann wieder vollständig dabei.

Während des Schweizer Ausschlusses liefen jedoch für zwei Arten von "Grants" die Bewerbungsfristen ab: Als Folge davon erhielten nur zwei Projekte von Nachwuchsforschern "Starting Grants", die bis zu 1,5 Mio. Euro dotiert sind. Im Jahr zuvor waren es noch 23 Projekte. Mit der Normalisierung der Verhältnisse stieg deren Zahl auf 29 (2015) und 26 (2016), wie die ERC-Statistik zeigt.

Noch düsterer sah es bei den mit bis zu zwei Mio. Euro dotierten "Consolidator Grants" aus: 2014 erhielt gar kein Schweizer Projekt dieser Gruppe EU-Fördergelder - ein Jahr zuvor waren es noch 23 Projekte. Ein Jahr nach dem Ausschluss, 2015, erhielten dann 24 und 2016 22 Projekte finanzielle Unterstützung.

Dank der Teilassoziierung ab September 2014 konnten sich Forschende in der Schweiz wenigstens noch rechtzeitig für die prestigeträchtigsten "Advanced Grants" bewerben, wo in der Regel bis zu 2,5 Mio. Euro Fördergelder gesprochen werden. 2014 profitierten 22 Projekte von diesen "Grants".

Mit bangem Blick auf "Horizon Europe"

Die Teilassoziierung an das EU-Forschungsprogramm war aber nur möglich, weil die Schweiz schliesslich doch noch bereit war, das Zusatzprotokoll zur Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien zu ratifizieren. Bern hatte ursprünglich wegen der Annahme der Zuwanderungsinitiative die Unterzeichnung dieses Zusatzprotokolls verweigert. Als direkte Folge davon sistierte die EU die Verhandlungen zu "Horizon 2020": Die Schweiz war nicht mehr dabei.

Die EU begründete ihren Entscheid damit, dass zwischen dem Forschungsabkommen und der Personenfreizügigkeit eine Verbindung bestehe: Ohne Freizügigkeit könnten sich Forschende nicht frei in Europa bewegen. Diese Argumentation Brüssels birgt Zündstoff für die Briten.

Kommt es zu einem "geordneten" Brexit, einem EU-Austritt mit einem Abkommen, ist Dank einer Übergangsphase die Teilnahme Grossbritanniens am laufenden EU-Forschungsprogramm "Horizon 2020" bis zu dessen Abschluss garantiert.

Doch für das Nachfolgeprogramm "Horizon Europe" ab 2021 muss London ein Assoziierungsabkommen mit der EU aushandeln - wie das auch die Schweiz tun muss. Kommt es nun aber zu einem "harten" Brexit, also ohne Personenfreizügigkeit, ist nicht klar, ob und unter welchen Bedingungen Brüssel eine Teilnahme Grossbritanniens am neuen EU-Forschungsprogramm akzeptieren wird. Die Briten jedenfalls hoffen in diesem Fall auf eine Speziallösung.

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SDA-ATS