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Constantin verlangt erkennbares System und Punkte

Paolo Tramezzani hat Chancen, Trainer des FC Sion zu bleiben. Aber Präsident Constantin verlangt von ihm in den nächsten drei Spielen Punkte und vor allem die Rückkehr zu einem griffigen Spielkonzept.

Aus den Erfahrungen der insgesamt 19 Jahre, in denen Christian Constantin den Verein geführt hat, weiss man, dass es kein Trainer einfach hat, den Ansprüchen und Vorstellungen des streitbaren Präsidenten zu genügen. In der ganzen Zeit betrug die durchschnittliche Verweildauer eines Trainers im Wallis sechs bis sieben Monate. Der Italiener Tramezzani steht im vierten Monat und hat das Messer am Hals.

Nachdem die Mannschaft gegen einen Nobody aus Litauen in der Europa-League-Qualifikation gescheitert war und aus den letzten fünf Meisterschaftsspielen nur zwei Punkte geholt hatte, platzte dem aus den Ferien zurückgekehrten Christian Constantin am Samstag der Kragen. Er wohnte dem Trauerspiel bei, in dem sich Sion von Stade Lausanne-Ouchy, Neuling in der Promotion League, aus dem Cup befördern liess.

Die Vorwürfe, mit denen er Tramezzani am Sonntagvormittag in einer zweistündigen Klausur konfrontierte, waren massiv. Der Italiener hatte ohne Not den ersten Goalgetter Marco Schneuwly nicht aufgeboten. Deshalb konnte er ihn nicht einwechseln, als Sion gegen die Unterklassigen endlich hätten treffen müssen. Für Constantin war es ein unverzeihlicher, aber immerhin einmaliger Fehler. Schwerer wiegt die Erkenntnis des Präsidenten, dass derzeit dem Spiel der Sittener jedes Konzept, jedes System, jede Strategie abgeht. Tatsächlich liess Tramezzani zuletzt von einer Viererabwehr zu einer Dreier- respektive Fünferabwehr und zurück wechseln, manchmal sogar innerhalb eines Spiels.

Tramezzani hat genau eine Woche Zeit, eine vernünftige Zahl von Punkten zu holen und dem Präsidenten einen wohlstrukturierten Fussball zu präsentieren. Für Tramezzani sind es also die drei Spiele der letzten Chance: am Donnerstag in Lugano, am Sonntag daheim gegen YB und nächsten Mittwoch ebenfalls daheim gegen Lausanne.

Dem Italiener Tramezzani weht nicht nur im eigenen Klub ein steifer Wind ins Gesicht. Wenn er sich am Donnerstag im Cornaredo zeigt, wird ihn Luganos allmächtiger Präsident Angelo Renzetti nicht umarmen. Renzetti lässt kein gutes Haar mehr an Tramezzani, seit dieser am Ende der letzten Saison nicht nur einen bis 2019 gültigen Vertrag ignoriert hat, sondern auch ein paar der besten Spieler von Lugano nach Sion lotsen wollte.

Im Fall des hochtalentierten jungen Schweizer Verteidigers Eray Cümart ist ihm dies gelungen. Und dem Vernehmen nach wechselte Marco Schneuwly unter Tramezzanis Einfluss ins Wallis und nicht ins Tessin, wo er den wegziehenden Ezgjan Alioski hätte ersetzen sollen. Renzetti ist so verbittert, dass er jetzt auch Tramezzanis fachliche Qualitäten in Frage stellt. Es ist schwer zu sagen, ob Renzetti Recht hat. Bei Lugano hatte Tramezzani riesigen Erfolg, indem er im Frühling in wenigen Monaten einen Abstiegskandidaten in einen Europa-League-Teilnehmer verwandelte. Demgegenüber ist Tramezzanis Zwischenbilanz nach zwei Monaten mit dem FC Sion verheerend schlecht.

Die beiden Super-League-Spiele vom Donnerstag im Überblick:

Thun - Grasshoppers (2:1, 1:1, 1:0, 3:1). - Donnerstag, 20.00 Uhr. - SR San. - Absenzen: Sorgic, Bigler und Rodrigues (alle verletzt); Pickel (verletzt). - Statistik: Die Thuner steigen mit guten Gefühlen in dieses Duell des Zweitletzten und des Drittletzten. Denn die Grasshoppers sind seit mehr als drei Jahren ihr zuverlässigster Punktelieferant. Acht Thuner Siege, vier Unentschieden und nur ein Zürcher Sieg resultierten aus den letzten 13 Duellen. Mit ihren Leistungen der letzten Wochen brauchen sich beide Mannschaften nicht zu verstecken. Nach einem miserablen Saisonstart - Thun verlor dreimal, GC holte aus vier Spielen nur einen Punkt - haben sie den Tritt gefunden. In den letzten vier respektive drei Runden gewannen sie je sieben Punkte.

Lugano - Sion (Direktbegegnungen der Saison 2016/17: 3:1, 1:5, 4:2, 0:2). - Donnerstag, 20.00 Uhr. - SR Erlachner. - Absenzen: Carlinhos (gesperrt), Jozinovic und Guidotti (beide verletzt); Carlitos, Constant, Cümart, Dimarco, Adão, Adryan und Mveng (alle verletzt). - Statistik: Kein Trainer der Super League hat so schlechte Karten in der Hand wie Paolo Tramezzani. Zwei Pünktchen aus den letzten fünf Meisterschaftsspielen, Out in der Europa-League-Qualifikation gegen eine im internationalen Vergleich drittklassige Mannschaft aus Litauen, Out im Cup gegen Stade Lausanne-Ouchy aus der Promotion League - ein solches Versagen lässt sich Sions Präsident Christian Constantin auf Dauer nicht gefallen. Man wird sehen, ob Tramezzani den Kopf vom Schafott zieht. Vier ihrer letzten fünf Auswärtsspiele gegen Tramezzanis Ex-Klub Lugano haben die Walliser verloren. Lugano wurde zuletzt durch das 0:3 in Bern gegen YB gestoppt. Davor hatten die Tessiner aus vier Spielen acht Punkte herausgeholt.

Rangliste: 1. Young Boys 8/17 (18:7). 2. Zürich 8/14 (9:4). 3. St. Gallen 8/12 (11:11). 4. Basel 8/11 (13:11). 5. Luzern 8/10 (11:13). 6. Lugano 7/8 (8:9). 7. Sion 7/8 (6:9). 8. Grasshoppers 7/8 (10:14). 9. Thun 7/7 (13:14). 10. Lausanne-Sport 8/6 (11:18).

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