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Russland als Nation ausgeschlossen, saubere Sportler unter neutraler Flagge zugelassen. Corinne Schmidhauser, die Präsidentin der Stiftung Antidoping Schweiz, wertet den IOC-Entscheid.

"Wow", dachte Corinne Schmidhauser, als sie am Dienstagabend in einer Sitzung per SMS die Nachricht des IOC-Entscheids erfuhr. "Ich war überrascht", gestand sie. "Wenn ich jetzt das Urteil als Ganzes lesen, sage ich: 'Ein überlegtes Urteil.'"

Die Juristin würdigt zwei Sachen. "Ja, es war legitim, dass sich das IOC Zeit genommen hat für dieses Urteil. Sie haben wirklich viel abgeklärt und geprüft." Die Funktionäre um IOC-Boss Thomas Bach waren in der Vergangenheit hart kritisiert worden, weil der Entscheid in der Russland-Affäre auf sich warten liess. Und aus Sicht einer ehemaligen Spitzensportlerin - die Skifahrerin Schmidhauser gewann im Winter 1986/87 die kleine Kristallkugel im Slalom - freut sie sich über die verschiedenen Ebenen des Urteils: "Das System Russland wird hart bestraft, aber einzelne Athleten erhalten gleichwohl die Chance, um an den olympischen Spielen teilzunehmen. Der Sport lebt von den Athletinnen und Athleten. Thomas Bach hat das Gespür dafür, wie bitter für Sportler ein Ausschluss schmeckt."

Wie viele dürfen starten?

Wie viele Russen werden nun in Pyeongchang starten? Niemand weiss es, auch Schmidhauser kann nur Vermutungen anstellen: "Eher viele als nur fünf." Fakt ist: Vor den Olympischen Winterspielen im Februar sind vor allem Russlands Sportler im Visier der internationalen Dopingfahnder. Unter anderen das IOC, die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und die internationalen Wintersportverbände haben deshalb eine Sondereinheit gebildet, die diese besondere Überwachung vor den Olympischen Spielen steuert. Russische Sportler, die unabhängig getestet wurden und werden, dürften deshalb eine Startmöglichkeit erhalten. "Aber die, die nach der heutigen Beweislage das Doping-System aufgezogen haben, sind gesperrt", betonte Schmidhauser.

Zum staatlich gesteuerten Doping-System in Russland hatte am Dienstagabend in Lausanne vor allem der alt Bundesrat Samuel Schmid an der Pressekonferenz viel zu sagen. Die IOC-Kommission unter seinem Vorsitz ging dem Vorwurf nach, welche Rolle die staatlichen Stellen Russlands beim Doping-Betrug spielten. "Es gibt zuviel Irreguläres im Sport. ... Aber die Welt ist wie sie ist, und nicht so, wie wir sie uns wünschen", sagte der ehemalige Magistrat und erzählte von seiner Arbeit. "Es war nicht einfach, die Beweise zu erbringen, wir wurden nicht mit offenen Armen empfangen." Seine Kommission hätte nicht die Kompetenzen eines Untersuchungsrichters gehabt. "Aber wir zeichneten zum Schluss trotzdem ein Bild mit genügend Tiefenschärfe."

Schmid sprach Klartext, was die globale Verbreitung von Doping betrifft: "Das Problem existiert nicht nur in Russland, auch anderswo ist es da. Auch dort wären Untersuchungen nötig. Aber diese Tatsache kann Russland nicht entschuldigen. Es ist nun zu entscheiden, was mit den anderen Missständen passiert."

Urteil als Auftrag

Schmidhauser sieht das IOC-Urteil nicht bloss als Bestrafung, sondern auch als Auftrag an die nationalen Antidoping-Behörden: "Es ist auch die Aufforderung 'Ja, wir wollen, dass ihr weitermacht.'" So sei das Verdikt des IOC zu werten. "Dabei wird die Unabhängigkeit ins Zentrum gerückt. Es gilt, unabhängig von Staat und Sportverbänden zu arbeiten."

Noch bleibt Russland der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne. Schmidhauser dazu: "Die Russen müssten eine Lücke in der Beweiskette des Berichtes finden. Das IOC wusste um die Wichtigkeit des Entscheides, das ist sicher kein einfacher Weg für Russland."

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SDA-ATS