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Für Belgien stellt sich vor dem Viertelfinal gegen Brasilien die gleiche Frage wie der Schweiz vor dem Achtelfinal. Wann gelingt es endlich, an einem grossen Turnier einen Schritt weiterzukommen?

Kaum ein anderes Team lässt die Herzen neutraler Fussball-Fans höher schlagen, kaum eine andere Mannschaft spielte in Russland bislang einen spektakuläreren Fussball. Das belgische Who-is-Who der Premier League um Captain Eden Hazard sorgte in Russland für Spektakel. Die "Roten Teufel" sind längst kein Geheimfavorit mehr, sondern ein ernsthafter Anwärter auf den Titel.

Als einziges Team neben Uruguay hat die seit 23 Spielen unbesiegte Mannschaft alle ihre vier Partien gewonnen. Auch den mentalen Härtetest bestanden die Belgier, als sie im Achtelfinal gegen Japan in der Schlussphase einen 0:2-Rückstand noch drehten. "Sie verfügen über unglaublich viel Kreativität", schwärmte Brasiliens Coach Tite. Seit Jahren spielt die belgische Stammelf in der High Society des europäischen Klub-Fussballs, allein der Marktwert der Offensive um Kevin de Bruyne (Manchester City), Eden Hazard (Chelsea), Dries Mertens (Napoli) und Romelu Lukaku (Manchester United) beträgt zusammen mehr als 400 Millionen Franken.

Am Freitag folgt für die Belgier der dritte Viertelfinal an einer Endrunde in Folge, diese Hürde zu überspringen, haben sie bislang aber nicht geschafft. 2014 scheiterten sie an der WM in Brasilien am späteren Finalisten Argentinien, 2016 unterlag man an der EM in Frankreich dem Underdog aus Wales, was die Trennung von Coach Marc Wilmots zur Folge hatte. Klappt es nun im dritten Anlauf? Die Aufgabe könnte nicht schwieriger sein: Mit Brasilien wartet der Rekordweltmeister und Topfavorit des Turniers.

Gezielte Jugendförderung und Multikulti

Die Situation der "goldenen Generation" Belgiens lässt sich mit derjenigen der Schweizer Nationalmannschaft vergleichen - auch wenn die "Roten Teufel" erfolgreicher spielen und noch prominenter und talentierter besetzt sind. In der Entwicklung der beiden Verbände, die sich ab September in der erstmals durchgeführten Nations League gegenüberstehen werden, gibt es Parallelen.

Das sang- und klanglose Ausscheiden an der WM 1998 und der Heim-EM 2000 war der Ausgangspunkt für einen Paradigmenwechsel innerhalb des belgischen Verbandes. Mit der Installierung von Michel Sablon als Technischer Direktor 2001 wurde die Jugendförderung umgekrempelt, die Ausbildung systematisiert. Alle Nachwuchsteams stellten auf ein 4-3-3-System um, Universitäre Studien wurden in Auftrag gegeben, die laut Sablon zum "Wendepunkt" wurden, wie er einst dem englischen "Guardian" erzählte.

Rund 1500 Spiele verschiedener Altersklassen wurden untersucht, dabei stellte man fest, woran es hakt. Zu wenige Ballberührungen, zu wenige Dribblings, ein zu grosser Fokus auf Resultate anstatt auf die Ausbildung der Kinder im goldenen Lernalter zwischen 7 und 13 Jahren. Auch der Blick über die Grenzen nach Frankreich und die Niederlande wurden gewagt. Spieler mit Jahrgang 1990 und jünger sind die ersten, die zumindest teilweise von diesen Umwälzungen profitierten.

Auch in der belgischen Gesellschaft spielte der Fussball eine wichtige Rolle. Für Kinder von Migranten oder von Eltern aus den ehemaligen Kolonien bot der Sport die Chance zum sozialen Aufstieg. Die Hälfte des aktuellen belgischen Kaders hat Wurzeln ausserhalb Landes, wobei der afrikanische Einfluss prägend ist. "Wir sind stolz auf die Diversität, die wir innerhalb des Teams haben", sagte Trainer Roberto Martinez, der selbst Spanier ist und lange in England gelebt hat. "Wir sind weltweite Botschafter des Fussballs."

Mit dem Einfluss fremder Kulturen wurde zumindest im Nationalteam auch der Graben zwischen Flamen und Wallonen kleiner. Auch am Freitag wird das Nationalteam die beiden politisch oft zerstrittenen Sprachregionen für einige Stunde wieder vereinen, wenn die Fans im ganzen Land vor den Grossleinwänden in Schwarz-Rot-Gold mitfiebern. Und auch sie werden sich die Frage stellen: Wenn nicht jetzt, wann dann?

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SDA-ATS