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Die Deutsche Bank geht in die Offensive: Mit dickem Kapitalpolster will der deutsche Branchenprimus der weltweiten Konkurrenz Marktanteile abjagen. Die Überraschung ist dem Führungsduo mit Anshu Jain und Jürgen Fitschen gelungen.

Eines wird nun klar: Jain und Fitschen schalten auf Angriff. Elf Monate nach ihrem Amtsantritt als Spitzenduo bei der Deutschen Bank entledigen sie sich mit einem Husarenstück aller Kapitaldiskussionen. Binnen kürzester Zeit bringt der Konzern 90 Millionen neue Aktien an den Markt und sammelt so 2,96 Mrd. Euro ein.

Damit katapultieren die Manager das Institut in die Spitzengruppe der finanziell am besten gepolsterten Grossbanken weltweit. Als Jain und Fitschen im Juni 2012 die Konzernführung vom Schweizer Josef Ackermann übernahmen, hinkte Deutschlands grösstes Geldhaus der Konkurrenz noch weit hinterher.

Positive Reaktion an der deutschen Börse

Die Börse - sonst bei Kapitalerhöhungen eher kritisch - feierte den Schritt als Befreiungsschlag. Die Deutsche-Bank-Aktie legte am Dienstag kräftig zu. Reihenweise erhöhten Analysten ihr Anlageurteil. Der Tenor lautete: Die Überraschung ist gelungen.

Konsequent gehen Jain und Fitschen ihren Weg. Dabei scheuen sie auch vor schmerzhaften Schritten nicht zurück. So erhöhten sie im März die Rückstellungen für die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten und korrigierten die ohnehin schon mageren Ergebnisse für das vergangene Jahr noch einmal deutlich nach unten.

Und auch für klagefreudige Aktionäre aus dem Umfeld des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch haben sie eine klare Botschaft: Einen Kompromiss in dem seit mehr als zehn Jahren andauernden Dauerfehde um die Verantwortung der Deutschen Bank für die Pleite des Medienunternehmens wird es mit ihnen so schnell nicht geben.

Stattdessen nahmen Jain und Fitschen im April erstmals in der Geschichte der Bank eine ausserordentliche Hauptversammlung in Kauf, um von der Kirch-Seite angefochtene Beschlüsse des vorangegangenen Aktionärstreffens rechtssicher zu machen.

Bei der Kapitalausstattung aufgeholt

Grösstes Problem war allerdings bislang die Kapitalausstattung. Misstrauisch wurde die Bank von Analysten beäugt, an der Börse entwickelte sich die Aktie des Unternehmens deutlich schwächer als die von Konkurrenten.

Die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse - von ihrer Finanzaufsicht zu teuren Kapitalverbesserungen gedrängt - profitierten zuletzt deutlich von dicken Kapitaldecken. Beide Institute gaben an, dass dies ein grosser Wettbewerbsvorteil sei. So vertrauten ihnen gerade Kunden aus dem Ausland im ersten Quartal wieder sehr viel Vermögen an.

Das ging auch zulasten der Deutschen Bank. Sie war durch die schwache Finanzausstattung geradezu blockiert. Der beschleunigte Abbau von Risiken erwies sich zudem nicht immer als schmerzlos. Denn damit verabschiedet sich das Institut zugleich von wichtigen Ertragsbringern.

Doch der Erfolg gibt dem Führungsduo recht. Die Bank kam besser voran als erwartet. Insgesamt baute sie seit Juni 2012 Risikopositionen im Wert von 103 Mrd. Euro ab. Laut Jain entspricht allein das einer Kapitalerhöhung von 10 Mrd. Euro.

Von Defensive auf Angriff geschaltet

Mit der Defensive ist es nun vorbei. Im Kerngeschäft erklärt die Bank die Risikoreduzierung bereits für beendet. Lediglich in der neuen konzerneigenen Abwicklungsbank wird die Entwicklung weitergehen. Dort sind alle Anlagen gebündelt, von denen sich das Institut noch trennen will.

Das Institut hat nun Spielräume für neues Wachstum. "Das Kapitalthema ist vom Tisch", sagt Co-Chef Jain. Nun könne sich die Bank wieder stärker auf das operative Geschäft konzentrieren. So will der deutsche Branchenprimus etwa im Investmentbanking die Schwäche vieler Konkurrenten nutzen.

Dennoch bleiben Baustellen, etwa die im Vergleich zur Konkurrenz schwache Vermögensverwaltung. Zudem läuft ein Konzernumbau samt Stellenabbau, mit dem das Institut seine Profitabilität trotz schärferer Regeln wieder steigern will.

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SDA-ATS