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Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière am Dienstag vor den Medien. Nach seinen Worten wurde ein "schwerer Terroranschlag in Deutschland" verhindert.

Keystone/AP dpa/HENDRIK SCHMIDT

(sda-ats)

Die deutsche Bundesanwaltschaft ist sich sicher: Ein junger Syrer wollte einen schweren Terroranschlag mit möglichst vielen Toten verüben. Doch Spezialkräfte der Polizei kamen dem 19-jährigen mutmasslichen Islamisten zuvor und nahmen ihn am Dienstag in Schwerin fest.

Nach den Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière wurde damit ein "schwerer Terroranschlag in Deutschland" verhindert. Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte, soll der 19-Jährige seit Juli einen Bombenanschlag mit hochexplosivem Sprengstoff inmitten einer grösseren Menschenansammlung geplant und bereits konkret vorbereitet haben. Sein Ziel sei es gewesen, möglichst viele Menschen zu töten und zu verletzen.

Wie die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler, weiter sagte, hatte der junge Mann über das Internet auch Kontakt zu einem Mann, der sich selbst als "Soldat des Kalifats", also als Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), bezeichnete. Ein mobiles Einsatzkommando des Bundeskriminalamts habe den Beschuldigten "rund um die Uhr im Blick gehabt".

Im Zusammenhang mit der Festnahme am frühen Dienstagmorgen gab es in insgesamt drei Wohnungen in Schwerin und auch in Räumen in Hamburg Durchsuchungen. Nach Angaben eines Polizeisprechers deuten die sichergestellten Utensilien auf den geplanten Bau eines Sprengsatzes mit grosser Wirkung hin. Hinweise auf einen konkreten Anschlagsort gab es dem Vernehmen nach nicht.

Festnahme im Morgengrauen

Spezialkräfte der Bundespolizei, des Bundeskriminalamtes und der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommerns hatten den Verdächtigen gegen 6.00 Uhr in einem Plattenbau im Schweriner Stadtteil Neu Zippendorf festgenommen, in dem zahlreiche Flüchtlinge untergebracht sind.

"Nach allem was wir wissen, erfolgte der Zugriff zum richtigen Zeitpunkt: spät genug, um Beweise zu sichern und gleichzeitig früh genug, um die Gefahr zuverlässig zu bannen", erklärte de Maizière. Alle Beteiligten hätten "hervorragende Arbeit" geleistet, lobte der Minister die Ermittlungen und das Vorgehen von Verfassungsschutz, Kriminalpolizei, der Sonderpolizeieinheiten von Bund und Ländern sowie der Justiz.

An der Festnahme und an den Wohnungsdurchsuchungen in Schwerin und Hamburg waren dem Vernehmen nach etwa 150 Beamte beteiligt.

Die Gefährdungslage in Deutschland sei unverändert hoch, betonte der Minister. Angesichts der anhaltenden Bedrohung durch islamistischen Terrorismus arbeiteten die Sicherheitsbehörden in Bund und Ländern, national und international eng und gut zusammen und handelten "wenn nötig entschlossen und konsequent".

Seinen Angaben zufolge hatte die Überwachung der Internetkontakte im Sommer auf die Spur des jungen Syrers geführt. Er habe dort alles bestellt, was man zum Bau einer Bombe benötigt, sagte de Maizière.

TATP als Initialsprengstoff

Laut Bundesanwaltschaft hatte der Syrer spätestens im Juli mit der Beschaffung elektronischer Bauteile und Chemikalien begonnen - darunter Schwefelsäure und Wasserstoffperoxid enthaltende Oxidatorlösungen. Beide Chemikalien sind neben Aceton Bestandteile des hochexplosiven Sprengstoffs TATP, der häufig von Dschihadisten eingesetzt wird. Dieser sollte offenbar als Initialsprengstoff für eine grössere Sprengladung dienen.

Zudem besorgte er elektronische Bauteile wie Funkgeräte, Batterien und einen Handy-Akku für eine mögliche Fernzündung. Dass die Chemikalien-Gebinde teilweise angebrochen und eines der Funkgeräte bereits manipuliert war, werteten die Ermittler als Hinweis darauf, dass der junge Mann bereits "erste Versuche unternommen hat, einen Zündmechanismus zu bauen". Nach Einschätzung von Experten erlauben die bisherigen Erkenntnisse Rückschlüsse auf einen "Sprengsatz mit hoher Wirkladung".

Wie die Bundesanwaltschaftssprecherin Köhler sagte, ist der Einfluss der möglichen IS-Kontaktperson noch nicht geklärt. "Wir wissen nicht, wer diese Person ist, und wir wissen nicht, ob er ihn (den Festgenommenen) in seinen Plänen bestärkt hat", sagte sie.

Es gebe keine belastbaren Anhaltspunkte dafür, dass weitere Personen an der Anschlagsvorbereitung beteiligt waren. Deshalb werde gegen den Syrer zunächst nicht wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ermittelt, sondern wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat.

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SDA-ATS