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Die Eisheiligen gehören ins Reich der Fabel

Dieser Inhalt wurde am 10. Mai 2010 - 16:21 publiziert
(Keystone-SDA)

Bern - Am Dienstag beginnen mit dem Namenstag von Mammertus die Eisheiligen - im Volksmund als kalt geltende Tage, die mit der "Kalten Sophie" ihren Abschluss finden. Bodenfrost gibt es an den Eisheiligen aber selten, sie gehören damit ins Reich der Fabel.
Laut altem Volksglauben sollen in der Zeit der Eisheiligen Bodenfröste gehäuft auftreten. Wie aus einer Untersuchung von MeteoSchweiz hervorgeht, ist aber im Mai keine Phase mit ausgeprägt häufigem Bodenfrost zu finden.
Und ein Blick in die ältere Literatur zeigt gemäss den Meteorologen, dass das Fehlen der Bodenfröste an den Eisheiligen vom 11. bis 15. Mai schon seit über 100 Jahren bekannt ist. Mammertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Kalte Sophie widersprechen im Licht der Wissenschaft damit vermeintlich alter landwirtschaftlicher Erfahrung.
Die Überlieferung stammt vermutlich aus dem Mittelalter, aus der Zeit vor der Gregorianischen Kalenderreform 1582, wie MeteoSchweiz schreibt. Mit der Kalenderreform verschoben sich auch die Namenstage der Eisheiligen. Das blieb aber unberücksichtigt. Eigentlich müssten die Eisheiligen am 19. Mai beginnen.
Dass sogar die aktuellen Daten selten Bodenfrost bringen, weist MeteoSchweiz anhand von bodennahen Messungen seit 1965 in Payerne VD nach. Im langjährigen Schnitt tritt Bodenfrost bis Mitte April regelmässig auf. Dann sinkt die Häufigkeit. Vom 1. bis 25. Mai gibt es an 10 Prozent der Tage Bodenfrost. Zwischen dem 14. und 16. sowie dem 22. bis 24. Mai zeigt sich dabei eine leicht höhere Häufigkeit.
Dennoch gibt es im Mai regelmässig Bodenfrost. Im überwiegenden Teil der Jahre zeigte die Messreihe aus Payerne zumindest an einem bis zwei Tagen Bodenfrost. In knapp der Hälfte der Jahre gab es sogar an mehr als zwei Tagen Bodenfrost.
Nächster "Zittertermin" für Landwirte und Volksmund-Gläubige ist die Schafskälte Mitte Juni. Im Gegensatz zu den Eisheiligen handelt es sich bei ihr aber um ein reales Wetterphänomen, um einen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts regelmässig registrierten Kälteeinbruch.
Der Name hat nichts mit frierenden Schafen zu tun. Mitte Juni werden die Wolltiere gewöhnlich auf die Alpen getrieben; früher standen sie dann halt dort oben während des Kälteeinbruchs im Schnee herum.

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