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52 Tage nach dem Bergsturz in Bondo kehren die ersten Bewohner wieder in ihre Häuser zurück.

Keystone/GIAN EHRENZELLER

(sda-ats)

52 Tage nach dem grossen Bergsturz erwacht das evakuierte Bondo wieder zum Leben. Die ersten der knapp 160 im Bergell evakuierten Einwohner erhielten am Samstag die Gelegenheit, wieder in ihr Bergdorf zurückkehren.

Die Wiederbesiedlung Bondos verlief ganz unspektakulär: Um acht Uhr morgens wurde die neue provisorische Zufahrtsstrasse geöffnet und die Evakuierung der sicheren "grünen Zone" aufgehoben. Danach begannen die Einwohner individuell zurückzukehren.

Einen Ansturm fand am Morgen nicht statt, wie Christian Gartmann, Mediensprecher des Führungsstabes der Gemeinde, auf Anfrage sagte. Denn die Leute könnten frei entscheiden, ob sie zurückkehren und da schlafen wollten oder nicht. Doch es gebe nun wieder Wasser und Strom und die 65 Bewohner könnten ihre Häuser nutzen, sagte Gartmann.

Die Rückkehr war für die Betroffenen dennoch ein freudiger Moment. Seit dem ersten Bergsturz vom 23. August hatten sie nicht mehr in ihren Häusern übernachtet. Nur in Begleitung von Zivilschützern hatten die Evakuierten für kurze Zeit in ihre Häuser zurückkehren können, um nach den Habseligkeiten zu schauen.

Treffen auf dem Dorfplatz

Nach der Wiederinbesitznahme der Häuser werden sich die Zurückgekehrten am frühen Nachmittag auf dem Dorfplatz treffen. Eine Feier werde das allerdings nicht, sagte Gartmann.

Dafür gebe es noch zu viel zu tun, um nach den Bergstürzen und den furchteinflössenden Murgängen wieder Normalität herzustellen im abgelegenen Tal im Grenzgebiet zu Italien. Und man dürfe auch nicht vergessen, dass bei dem Unglück Menschen ihr Leben verloren hätten.

Herkulesarbeit nötig

Um nur schon die Rückkehr in die "grüne Zone" zu ermöglichen, waren grosse Anstrengungen notwendig. Eine sichere, provisorische Zufahrt samt Brücke musste erstellt werden, Wasser- und Stromversorgung mussten wiederhergestellt und die Kanalisation gereinigt werden.

Eine Herkulesarbeit ist nötig, um auch die Rückkehr zu ermöglichen in die von weiteren Murgänge bedrohte "rote Zone". Das gefüllte Rückhaltebecken, welches Bondo vor den Gerölllawinen schützt, muss weitgehend leergeräumt werden. Und auch im Flussbett der Maira braucht es Platz für etwaige weitere Grossereignisse.

Die Arbeiten laufen unter Hochdruck und Zeitdruck. Ein Dutzend Bagger und 15 Grossbaustellen-Dumper sind 20 Stunden am Tag im Einsatz, um die gewaltigen Geröllmassen wegzuräumen. Mitte November soll es dann soweit sein und auch Bondos gefährdete Zone für Einwohner wie Besucher freigegeben werden.

Nicht ganz so lange warten müssen die Menschen aus den beiden Weilern Spino und Sottoponte auf der anderen Talseite. Deren Evakuierung wird ab nächstem Wochenende Haus um Haus aufgehoben, je nach Stand der Wiederherstellung der Infrastruktur.

Wieder Vertrauen fassen

Die Zurückgekehrten werden Vertrauen fassen müssen in die wiederhergestellten Schutzbauten und Alarmsysteme und sie werden lernen müssen, mit einer latenten Bedrohung zu leben. Am Piz Cengalo, wo sich der Bergsturz ereignete, ist weiterhin Fels in Bewegung - wenn auch nur noch äusserst langsam.

1,5 Millionen Kubikmeter Gestein sind instabil - immerhin halb so viel, wie beim ersten grossen Bergsturz vom 23. August. Akut absturzgefährdet ist zwar kein grösseres Volumen, aber die Wahrscheinlichkeit ist laut Experten gross, dass sich irgendwann erneut ein grösserer Bergsturz ereignen wird. Wann das sein wird, kann zur Zeit niemand sagen.

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SDA-ATS