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Blick auf den Muttsee des Pumpspeicherwerks Limmern der Axpo in Linthal. Das Wasser gelangt in den tiefer gelegenen Limmernsee und wird auf dem Weg dorthin verstromt.

KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

(sda-ats)

Die neuen Schweizer Mega-Pumpspeicherkraftwerke in den Alpen gehen später in Betrieb als geplant. Technische Probleme an den hochkomplexen und Milliarden von Franken teuren Anlagen sind der Grund dafür, aber auch die tiefen Preise am Markt.

Im Herbst letzten Jahres gab die Gesellschaft Nant de Drance, an welcher der Energiekonzern Alpiq und die SBB beteiligt sind, bekannt, das sich die für 2018 geplante Inbetriebnahme des gleichnamigen Mega-Pumpspeicherwerks in der Walliser Gemeinde Finhaut um sechs bis zwölf Monate verzögere. Bei den Schweissnähten an Stahlbauteilen in der Maschinenkaverne waren Qualitätsprobleme aufgetaucht.

Das knapp zwei Milliarden Franken teure Kraftwerk soll nun ab Ende 2019 schrittweise in Betrieb gehen, wie der Energiekonzern Alpiq am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda mitteilte. Das Kraftwerk soll in Zukunft unter anderem dazu beitragen, die Stromspitzen bei den SBB zu bewältigen.

Batterien in den Alpen

Pumpspeicherwerke sind gleichsam riesig dimensionierte Batterien in den Alpen. Sie können dann Strom produzieren und liefern, wenn Elektrizität auf dem Markt kurzfristig benötigt wird. Das Problem dieser Kraftwerke sind die derzeit tiefen Energiepreise in Europa. Sie verhindern, dass Pumpspeicherwerke die Rentabilität früherer Jahre erreichen.

Das Prinzip solcher Kraftwerke ist einfach. Sie verbrauchen Strom, indem sie Wasser in die Höhe pumpen. Dieses Wasser wird dann turbiniert, wenn der Strom zu guten Preisen verkauft werden kann. Das Geschäft machen die Energiekonzerne mit der Preisdifferenz. Das bedeutet im Wesentlichen: Verkaufspreis am Markt minus Energiekosten zum Hochpumpen des Wasser.

Verzögerungen auch in Linthal

Mit den aktuell schwierigen Marktbedingungen zu kämpfen hat auch die Axpo. Ob die Mega-Pumpspeicherwerke, deren Leistung mit jener eines Kernkraftwerks vergleichbar sind, für die Stromkonzerne zum Verlustgeschäft werden, steht noch auf keinen Blatt. Ueli Walter, Sprecher des Stromkonzerns Axpo, gab der Nachrichtenagentur sda gegenüber zu bedenken, dass erst in 80 Jahren abrechnet werde. So lange dauern üblicherweise Konzessionen von solchen Wasserkraftwerken.

Die Axpo baute zuhinterst im Glarnerland, in Linthal, für ebenfalls rund zwei Milliarden Franken das Pumpspeicherkraftwerk Linth-Limmern. Auch dieses Werk geht ein halbes Jahr später als vorgesehen ans Netz.

Axpo-Sprecher Ueli Walther bestätigte am Montag einen in der "Berner Zeitung" und am Samstag in der Glarner "Südostschweiz" erschienenen Bericht, wonach die Anlage den kommerziellen Betrieb Ende 2017 aufnimmt statt Mitte 2016. Walther sagte, bei derart hochkomplexen Projekten sei es üblich, dass sich Anpassungen im Projektplan ergäben.

Bündner Projekt auf Eis

Neben Nant de Drance im Wallis und Linth-Limmern im Glarnerland war das dritte Milliardenprojekt vor noch ein paar Jahren jenes eines neuen Pumpspeicherwerks im bündnerischen Puschlav. Der Bündner Stromkonzern Repower plante, Wasser vom Lago di Poschiavo zum Lago Bianco am Berninapass zu pumpen. Um es bei Bedarf rückwärts fliessen zu lassen und zu verstromen.

2019 hätte das Werk in Betrieb genommen werden sollen. Das war der Plan vor nicht ganz zehn Jahren. Aber dann kam die Stromschwemme in Europa, und Repower liess die Pläne für das Pumpspeicherwerk in der Schublade verschwinden.

Vor zehn Monaten noch genehmigte die Bündner Regierung das Kraftwerk. Gebaut wird es vorläufig jedoch sicher nicht. Bauherrin Repower legte das Projekt auf Eis, ohne verbindlich anzugeben, wann es wieder voran getrieben werden könnte.

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SDA-ATS