Externer Inhalt

Den folgenden Inhalt übernehmen wir von externen Partnern. Wir können nicht garantieren, dass dieser Inhalt barrierefrei dargestellt wird.

Die verschlungene Finanzaffäre um die L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt erschüttert seit Jahren Frankreich, nun ist auch der Prozessauftakt von einem Drama überschattet worden: Einer der zehn Angeklagten schwebte nach einem Suizidversuch kurz vor Prozessbeginn in Lebensgefahr.

Die Gerichtsverhandlung im südwestfranzösischen Bordeaux wurde wegen anderer Verfahrensfragen kurz nach dem Auftakt auf Dienstag vertagt.

In der weit verzweigten Finanzaffäre um die reichste Frau Frankreichs geht es insbesondere um den Vorwurf der "Ausnutzung der Schwäche" der heute 92-Jährigen. Die zehn Angeklagten sollen der seit 2006 an Demenz leidenden Multi-Milliardärin über Jahre hinweg insgesamt mehrere hundert Millionen Euro aus der Tasche gezogen haben.

Vor Gericht stehen frühere Vermögensverwalter, Anwälte, Bedienstete und Bekannte der alten Dame, aber auch der langjährige Vertraute von Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy und einstige Schatzmeister der konservativen Partei UMP, Eric Woerth.

Aufsehen über Landesgrenzen hinaus

Die Affäre hatte über die Landesgrenzen hinweg für Aufsehen gesorgt, weil zeitweise auch gegen Ex-Staatschef Sarkozy im Zusammenhang mit dem Verdacht der illegalen Wahlkampffinanzierung ermittelt wurde.

Das Verfahren gegen Sarkozy wurde 2013 aus Mangel an Beweisen eingestellt. Sein Parteifreund Woerth aber steht vor Gericht, weil er Bargeld erhalten haben soll - laut Zeugenaussagen rund 150'000 Euro für den Wahlkampf Sarkozys im Jahr 2007.

Angeklagt sind als Schlüsselfiguren auch der einstige Vermögensverwalter Bettencourts, Patrice de Maistre, sowie der Anwalt Pascal Wilhelm. Den grössten Anteil an Bettencourts Vermögen soll sich aber deren langjähriger Bekannter, der Künstler François-Marie Banier, unter den Nagel gerissen haben. Allein er soll Geldgeschenke und Kunstwerke für mehrere hundert Millionen Euro abgezweigt haben.

Barnier war auch Auslöser der Affäre, denn Bettencourts Tochter hatte wegen seiner Umtriebe Ende 2007 wegen "Ausnutzung der Schwäche" ihrer Mutter geklagt. Die Ermittlungen der Justiz brachten dann eine ganze Reihe weiterer, auch politisch brisanter Affären zum Vorschein. Im Wahlkampf 2012 geriet Sarkozy, der die Präsidentschaft dann letztlich gegen den Sozialisten François Hollande verlor, durch Enthüllungen zu dem Fall immer wieder unter Druck.

Suizidversuch von einstigem Krankenpfleger

Nicht vor Gericht erschien der einstige Krankenpfleger Bettencourts, Alain Thurin. Er habe am Sonntagnachmittag versucht, sich in einem Wald in der Nähe seines Hauses im Grossraum Paris zu erhängen, teilte der stellvertretende Staatsanwalt Gérard Aldigé in Bordeaux mit. Aus Polizeikreisen hiess es, der 64-Jährige schwebe "zwischen Leben und Tod".

Auf den Fortgang des Prozesses hat der Suizidversuch zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen. Sollte Thurin überleben, aber nicht dem Prozess beiwohnen können, so würde sein Fall abgetrennt und später gesondert verhandelt.

Die Verteidigung führte aber zum Prozessauftakt zunächst eine vorrangige Verfassungsfrage ins Felde. Dabei geht es um den zusätzlichen Vorwurf der Geldwäscherei, der unter anderem gegen Banier und de Maistre erhoben wird. Sollte das Gericht entscheiden, dass die Frage dem Kassationsgerichtshof vorgelegt werden muss, wäre das Verfahren erst einmal ausgesetzt.

Das Vermögen von Liliane Bettencourt, der Erbin des Kosmetikkonzerns L'Oréal, die seit Oktober 2011 entmündigt ist, wird auf mehr als 30 Milliarden Euro geschätzt. Ein Teil der Angeklagten hatte sich bereit erklärt, Millionenbeträge an die Familie zurückzuzahlen. Der Prozess wird ihnen dennoch gemacht.

Neuer Inhalt

Horizontal Line


swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.










SDA-ATS