Zum ersten Mal seit elf Jahren bestreitet der FCZ in der zweiten Saisonhälfte ein Europacup-Spiel. Vor dem 1/16-Final der Europa League gegen Napoli ist alles angerichtet für einen grossen Anlass.

In den letzten Jahren war der Blick der Fussball-Schweiz im Europacup immer wieder mal auf ein einziges Stadion gerichtet, jenes in Bern oder in Basel. Nun steht in dieser Woche der Letzigrund im Fokus. Der FC Zürich hat als einziges Super-League-Team den Sprung in den Europacup-Frühling geschafft und gleich noch im letzten Dezember ein schönes, Spektakel versprechendes Los gezogen. Mit Napoli gastiert eine Mannschaft in Zürich, die bezüglich Umsatz nur knapp ausserhalb der europäischen Top 20 klassiert ist. Über eine halbe Milliarde beträgt der Marktwert der Spieler.

Es ist ein ausserordentlicher Gegner für einen speziellen Anlass: Einen Sechzehntelfinal im Europacup bestritt der FCZ zuletzt im Februar 2008 gegen Hamburg und vor vollen Rängen spielte er daheim letztmals in der Champions-League-Qualifikation im Herbst 2011 gegen Bayern München. Es ist aber vor allem ein anderer Bundesligist, der für Ludovic Magnin von Bedeutung ist, und den er in der Teambesprechung thematisiert: Bayer Leverkusen. Im Herbst schlugen die Zürcher die exzellent besetzten Deutschen nach einer starken Vorstellung mit 3:2.

"Napoli und Leverkusen spielen einen ganz anderen Fussball", relativiert der Trainer die Vergleichsmöglichkeiten. "Aber wir haben gegen Leverkusen bewiesen, dass wir in der Lage sind, ein europäisches Top-Team zu schlagen." Es brauche dafür aber das perfekte Spiel. "Die Mannschaft muss über ihre Grenzen gehen und daran glauben, das der Sieg möglich ist", gibt Magnin als Richtlinie vor. Der Qualitätsunterschied müsse durch die Einstellung, durch den Teamgeist kompensiert werden.

Magnin ist in seinem Element - auf der grossen Bühne in der Rolle des Aussenseiters, die ihm besonders behagt. Der Fokus liegt gegen Napoli nicht auf der Taktik, versichert der Romand, sondern auf der Mentalität der Mannschaft. Über sich hinauswachsen, das Unmögliche möglich zu machen, so wie damals im Cupfinal gegen den grossen Favoriten YB oder eben im Herbst gegen Leverkusen. "Als Aussenseiter ist der Druck kleiner, man kann befreiter aufspielen", erklärt Marco Schönbächler die Vorteile als Kleiner.

Napolis Auswärtskomplex

Napoli ist fraglos ein Grosser, eigentlich zu gross, um in der Europa League zu spielen. Die Neapolitaner haben sich in Italien als erster Verfolger von Juventus Turin etabliert. Der Klub unter der Leitung des streitbaren Filmproduzenten Aurelio De Laurentiis wirtschaftet seit dem Zwangsabstieg 2004 überzeugend, kauft intelligent ein und verkauft teuer. Edinson Cavani, Gonzalo Higuain und Jorginho verliessen den Süden Italiens in den letzten Jahren für jeweils mehr als 50 Millionen Euro. Und trotzdem kam immer wieder gleichwertiger Ersatz zum Klub mit einem Jahresumsatz von 200 Millionen Euro.

Momentan geben bei Napoli unter anderen Dries Mertens, Lorenzo Insigne, José Callejon, Allan oder der Innenverteidiger Kalidou Koulibaly den Ton an. Wie gut die aktuelle Mannschaft unter Trainer Carlo Ancelotti ist, zeigte sie nicht zuletzt in der Champions League. Erst am letzten Spieltag mussten sich die Italiener in der Gruppenphase Paris Saint-Germain und Liverpool geschlagen geben. "Das war natürlich eine grosse Enttäuschung. Aber wir wollen nun in der Europa League an die Leistungen anknüpfen, die wir in der Champions League gezeigt haben", sagt Lorenzo Insigne.

Wenn Magnin von Napoli spricht, schwingt viel Respekt für Insigne und dessen Teamkollegen mit. Über eine augenfällige Schwäche redet der Coach erst, als er darauf angesprochen wird. Napoli ist auswärts längst nicht so imposant wie daheim, nicht im Europacup und auch nicht in der Meisterschaft. Seit Mitte Dezember hat der Meister von 1987 und 1990 auswärts kein Tor mehr erzielt und in den vier Partien nur zwei Punkte geholt. Diese Statistik habe er seinen Spielern auch gezeigt, meint Magnin lachend.

Wie gross das Auswärts-Handicap für Napoli sein wird, bleibt jedoch abzuwarten. Sowohl Schönbächler als auch Magnin befürchten, dass viele der am Donnerstagabend erwarteten knapp 24'000 Zuschauer im Stadion den Gegner anfeuern werden. "Hoffentlich sind mehr für uns als für Napoli", sagt der erfahrene Mittelfeldspieler.

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