Im Alter von 81 Jahren verstarb die englische Goalie-Legende Gordon Banks. Vor allem seine Parade gegen Pelé 1970 ist in die Geschichte eingegangen.

Gordon Banks war einer der letzten Vertreter einer aussterbenden Gattung. Er war ein Star, Weltmeister und gemäss der Internationalen Vereinigung der Fussball-Historiker und -Statistiker hinter dem Russen Lew Jaschin und vor dem Italiener Dino Zoff der zweitbeste Goalie des 20. Jahrhunderts. Millionär wurde er in dieser längst vergangenen Ära nie, doch Banks hatte die Gabe, Menschen zu inspirieren. Und als "Banksie" noch spielte, hatte England noch kein Goalie-Problem.

"Ein Held, der fliegen konnte", betitelte der nordirische Autor Don Mullan seine Kindheitserinnerungen. Er beschreibt darin, wie er inmitten der blutigen Unruhen in der gespaltenen Stadt Londonderry aufwuchs und den englischen Goalie bewunderte. Mullan war zehnjährig, als Banks 1966 Weltmeister wurde, und litt an einer ausgeprägten Leseschwäche. Er sog aber alles auf, was über den Goalie geschrieben wurde. Die Bewunderung habe ihn davon abgehalten, gewalttätig zu werden.

Zum fliegenden Goalie war Banks 1970 geworden, als er an der WM in Mexiko die vielleicht berühmteste Torhüter-Parade der Fussballgeschichte zeigte. Pelé köpfte im Vorrundenspiel Brasiliens gegen England den Ball aufs Tor und schrie bereits "Goal!", wie sich die brasilianische Legende später erinnerte. "Und dann, so wie ein Lachs einen Wasserfall hochspringt, warf er sich nach dem Ball und lenkte ihn über die Latte." England verlor zwar das Spiel, doch Gordon Banks ging endgültig in die Geschichte ein. Er kommentierte seine Parade recht nüchtern und in typisch britischem Understatement. "Als ich nach dem Ball tauchte, musste ich antizipieren, wie hoch der Ball abspringen würde." Dieser sei dann an die Spitze seiner Hand gelandet, aber er habe gedacht, er würde im Netz landen. Sein erster Gedanke danach: "Du Glückspilz. Doch dann realisierte ich, dass es wohl ziemlich speziell war."

Als England dann im Viertelfinal gegen Deutschland 2:3 nach Verlängerung verlor, fehlte Banks wegen Magenbeschwerden. Vier Jahre zuvor hatte er aber im legendären Final im Wembley gegen Deutschland 4:2 nach Verlängerung gewonnen. Englischer Meister wurde er in seiner langen Karriere jedoch nie. Zu seiner Zeit waren Millionentransfers unbekannt, und für einen Goalie wollte sowieso niemand viel Geld ausgeben. Auch nicht für einen, der von der FIFA sechsmal als bester Goalie des Jahres ausgezeichnet wurde.

Der Kampf gegen den Krebs

Trotz 73 Länderspielen wechselte Banks nie zu einem Grossklub. Mit 21 Jahren debütierte der Sohn eines Anbieters von illegalen Sportwetten aus der Stahlarbeiter-Stadt Sheffield bei Leicester in der First Division. Ein Jahr nach dem WM-Titel wurde Banks bei Leicester ausgemustert, um Platz für den aufstrebenden Peter Shilton zu machen. Für 50'000 Pfund wechselte er zu Stoke City. Je ein Sieg im Ligacup mit Leicester und Stoke blieben die einzigen Klub-Trophäen in seinem Palmarès.

Seine Karriere beenden musste Banks 1972 nach einem Autounfall, bei dem er auf dem rechten Auge erblindete. Sein behinderter Bruder war schon früh bei einem Raubüberfall gestorben. Der Engländer verlor aber nie seine Lebenslust. 2005 verlor er wegen Krebs eine seiner Nieren, 2015 brach der Krebs erneut aus. Banks kommentierte dies augenzwinkernd: "Wenn ich gegen Pelé, den Grössten der Welt, eine solche Parade zeigen konnte, dann werde ich auch dieses gesundheitliche Problem erfolgreich bekämpfen können." Damit hatte er nicht ganz recht. Vor eineinhalb Jahren war er noch bei der Gruppenauslosung für die WM 2018 in Moskau dabei, doch am Dienstag verlor er den Kampf um sein Leben, wie sein ehemaliger Klub Stoke auf Twitter bekannt gab.

"Einer der absolut Grössten", meldete sich Geoff Hurst, der im WM-Final 1966 drei Tore, darunter das berühmte "Wembley-Tor", erzielt hatte, auf Twitter zu Wort. "Gordon war ein fantastischer Goalie und ich war stolz, ihn als Teamkollegen zu haben", fügte der legendäre Bobby Charlton auf dem Twitter-Account von Manchester United hinzu.

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