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Das AKW Leibstadt AG muss die externen Mitarbeitenden bei Revisionsarbeiten besser betreuen und schulen. Das verlangt die Atomaufsichtsbehörde ENSI. Ende 2008 hatte eine externe Firma am Primärcontainment sechs Löcher zum Anbringen von zwei Handfeuerlöschern gebohrt.

Die je knapp sechs Millimeter grossen Bohrlöcher wurden erst im vergangenen Juni bei einer Kontrolle entdeckt. Sie wurden Mitte Juli repariert. Eine externe Firma hatte die Handfeuerlöscher im November 2008 montiert.

Das Vorkommnis zeige, dass im AKW Leibstadt im Jahr 2008 "bedeutende organisatorische Mängel" bestanden hätten, schreibt das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht.

"Die sicherheitstechnische Bedeutung des Vorkommnisses ist zwar als gering einzustufen, aber die Qualitätssicherung in der Betriebsorganisation hätte solche Beschädigungen verhindern müssen", wird Georg Schwarz, stellvertretender ENSI-Direktor, in einer Medienmitteilung zitiert.

Betreuung der externen Mitarbeiter war nicht geregelt

Man sei zum Schluss gekommen, "dass die Betreuung von externem Personal zum Zeitpunkt der Montage der Handfeuerlöscher im Jahr 2008 nicht geregelt war und die Prozesse ungenügend waren".

Als Konsequenz muss das AKW Leibstadt nun die Betreuung und Schulung von externen Mitarbeitenden verbessern, die vor allem bei den jährlichen Revisionsarbeiten im Einsatz stehen.

Die Arbeiten zur Instandhaltung müssten so gestaltet sein, dass eine mögliche Beeinträchtigung der nuklearen Sicherheit bereits bei der Planung der durchzuführenden Tätigkeiten erkannt werde.

Das AKW muss auch sicherstellen, dass eine Qualitätsprüfung durchgeführt und dokumentiert wird. Das AKW Leibstadt muss dem ENSI alle getroffenen Massnahmen ausführlich darlegen.

Greenpeace kritisiert ENSI

Die Umweltorganisation Greenpeace warf dem ENSI in einer Stellungnahme vor, "sich aus der Verantwortung zu stehlen". Seit der Montage der beiden Feuerlöscher vor sechs Jahren seien Dutzende von Inspektionen durchgeführt worden. Das Regelwerk sehe vor, dass die Inspektoren die Schutzhülle regelmässig von Auge prüfen müssten.

Der stellvertretende ENSI-Direktor Schwarz hält dazu fest, die Verantwortung für die Sicherheit und den sicheren Betrieb einer Kernanlage liege beim Betreiber.

"Die Bohrlöcher wurden so spät entdeckt, weil sie durch die Halterungen der Handfeuerlöscher abgedeckt waren und die Leckage durch die Bohrlöcher so klein war, dass sie die betriebliche Unterdruckhaltung nie beeinträchtigt hat", wird Schwarz in einem Interview auf der Website der Aufsichtsbehörde zitiert. Der letzte Leckratentest sei 2008 vor der Montage der Handfeuerlöscher gemacht worden. Der nächste Test sei für 2018 geplant.

Gemäss ENSI geringe sicherheitstechnische Auswirkungen

Die Bohrlöcher hatten gemäss ENSI geringe sicherheitstechnische Auswirkungen. Es seien keine unzulässigen radioaktiven Stoffe an die Umgebung abgegeben worden.

Durch die Bohrlöcher wäre bei einem Störfall zwar mehr kontaminierte Luft in das Sekundärcontainment gelangt. Das Notabluftsystem verfügt gemäss ENSI jedoch über ausreichende Kapazitäten, um solche Mengen kontaminierte Luft gefiltert abzuführen.

Das AKW Leibstadt habe zudem rechnerisch unter konservativen Bedingungen nachweisen können, dass die sechs Bohrlöcher die Struktur des Primärcontainments nur unwesentlich geschwächt hätten.

Das ENSI stufte das Vorkommnis auf der internationalen Ereignisskala mit INES 1 ein. Die Skala umfasst sieben Stufen. Ausschlaggebend seien die unzureichenden Prozessvorgaben bei der Instandhaltung und Mängel bei der Qualitätssicherung gewesen.

In den vier anderen Schweizer Atomkraftwerken gibt es keine ähnlichen Befunde wie im AKW Leibstadt. Das ENSI hatte die AKW aufgefordert, abzuklären, ob es ähnliche Beschädigungen am Primärcontainment gebe.

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SDA-ATS