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Der eine bestreitet in Wimbledon sein erstes Turnier überhaupt, der andere erlebt seine sportliche Wiederauferstehung: Ernests Gulbis (ATP 589) und Sebastian Ofner (ATP 217) sorgen für Schlagzeilen.

Ernests Gulbis gilt als Freigeist auf der Tour. Aus vermögenden Verhältnissen stammend, mit viel Talent gesegnet, aber mit einem Lebensstil in jungen Jahren, der mit dem Spitzensport kaum vereinbar war. Auch deshalb sagte der heute 28-Jährige aus Riga vor drei Jahren, als er in Paris auf dem Weg in die French-Open-Halbfinals Roger Federer schlug und in die Top 10 vorstiess, "dass er im Zug der letzten Chance" sitze.

Doch den endgültigen Durchbruch schaffte der Lette nicht - im Gegenteil. Die nächsten Rückschläge folgten, und als Gulbis 2016 aufgrund von Schulter- und Handgelenkproblemen in der zweiten Jahreshälfte nicht mehr spielen konnte, folgte im Ranking der Sturz aus den Top 500. In diesem Frühjahr schlug sich der 28-Jährige mit muskulären Problemen herum, seine letzte Partie auf der Tour vor Wimbledon hatte er in Halle 2016 gewonnen.

Er sei mit seiner Aussage vor drei Jahren falsch gelegen, sagte Gulbis nach seinem Sieg in der 2. Runde gegen Juan Martin Del Potro. Er sei erst jetzt auf diesem Zug der letzten Chance. Gulbis war ohne Erwartungen nach Wimbledon gereist, und glaubte nicht einmal daran, einen Satz zu gewinnen. Nun blüht ihm ein Auftritt auf dem Centre Court - gegen Novak Djokovic, den dreifachen Wimbledon-Sieger. "Ich hatte gegen Del Potro schon nichts zu verlieren - und jetzt noch weniger."

Ofners sensationeller Lauf

Ein kleines Tennis-Märchen schrieb in den ersten Tagen von Wimbledon der Österreicher Sebastian Ofner (ATP 217). Der 21-Jährige aus der Steiermark eliminierte am späten Donnerstagabend in der 2. Runde den Weltranglisten-18. Jack Sock aus den USA in fünf Sätzen.

Ofner, der von Dominic Thiems Vater Wolfgang trainiert wird, hatte vor Wimbledon weder eine Partie auf der ATP-Tour bestritten noch jemals an einem Rasen-Turnier teilgenommen. Vor der Qualifikation in Roehampton hatte er gerade einmal zwei Stunden auf Rasen trainiert.

Die drei Qualifikationspartien bestritt er alle im selben Dress, "zwischendurch habe ich es einmal gewaschen", sagte der 21-Jährige. Nach dem Einzug in das Haupttableau kaufte er sich mit einem Gutschein des Veranstalters von 250 Pfund im Fanshop eine zusätzliche Ausrüstung.

Erst seit zwei Jahren und dem Abschluss der Schule setzt Ofner voll auf die Karte Tennis. "Dann habe ich angefangen, zweimal am Tag zu trainieren." Ein paar Jahre wollte er sich Zeit geben, um in die Top 200 zu gelangen, mit den fünf Siegen im Südwesten Londons hat er dies bereits geschafft: Nach Wimbledon wird er mindestens in der Region von Rang 150 auftauchen.

Mit den 90'000 Pfund Preisgeld hat Ofner seine bisherigen Karriere-Einnahmen von gut 46'000 Dollar mehr als verdreifacht. In der 3. Runde spielt er gegen den elf Monate jüngeren Deutschen Alexander Zverev, die Nummer 12 der Welt, um weitere 57'000 Pfund.

SDA-ATS