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Die Europäische Union will angesichts des weltweiten Bienensterbens den Gebrauch bestimmter Insektenvernichtungsmittel stark einschränken. Die EU-Kommission beschloss am Montag in Brüssel dem Einsatz von Nervengiften der Neonicotinoid-Gruppe für zunächst zwei Jahre enge Grenzen zu setzen. Die Schweiz zieht nach.

Betroffen von den Verboten sind der Basler Agrochemie-Riese Syngenta und die deutsche Bayer. Während Syngenta die wissenschaftliche Grundlage des Verbotes bezweifelte, bezeichnete die Umweltschutzorganisation Greenpeace die Entscheidung als Schritt in die richtige Richtung.

Von den Massnahmen betroffen sind die Pestizide Clothianidin und Imidacloprid von Bayer sowie Thiamethoxam von Syngenta. Der Einsatz dieser Mittel bei der Behandlung von Saatgut, Ausbringung auf den Boden und Besprühen von Pflanzen soll nach Angaben der EU-Kommission stark eingeschränkt werden.

Ausnahmen sollen für Gewächshäuser gelten. Auf Feldern sollen die Mittel nur mit besonderen Genehmigungen und nach der Pflanzenblüte ausgebracht werden dürfen. Die Verbote sollen von Dezember an gelten und spätestens nach zwei Jahren auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden.

Scharfe Kritik von Syngenta

Syngenta kritisierte, die EU-Kommission ignoriere eine Fülle von Erkenntnissen, nach denen die Neonicotinoide nicht gefährlich für Bienen seien. Die EU-Kommission hätte besser gegen die eigentlichen Ursachen des Bienensterbens vorgehen sollen. Aus Sicht von Syngenta sind dies Krankheiten, Viren, schwindender Lebensraum und ein abnehmendes Nahrungsangebot.

Auch Bayer äusserte sich enttäuscht. Der Entschluss sei unverhältnismässig, Bayer gehe nicht davon aus, dass der Plan sich positiv auf die Bienengesundheit auswirken werde. Bayer sei von der Sicherheit der Wirkstoffe für Bienen nach wie vor überzeugt, wenn sie vorschriftsmässig eingesetzt werden.

Abstruser Versuch

Greenpeace sieht dagegen in den Pflanzenschutzmitteln eine Hauptursache für das Schwinden der Bienenvölker. "Der abstruse Versuch der Chemieindustrie, die Gefährlichkeit der Gifte wegzureden, ist zum Glück misslungen", hiess es.

Der Entscheidung der EU-Kommission war eine Abstimmung von Vertretern aller 27 EU-Länder vorausgegangen, bei der sich 15 Länder für das Verbot, acht dagegen und vier enthalten hatten. Da damit die für das Verbot erforderliche Mehrheit nicht erreicht wurde, hat jetzt die EU-Kommission die Entscheidung für den Bann der Pestizide übernommen. Vorausgegangen war eine Empfehlung der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, die eine Gefahr für die Bienen sieht.

Schweiz soll eigenständig entscheiden

Dass die Schweiz mit der EU-Kommission nun am gleichen Strick zieht, ist für Syngenta, aber auch den Wirtschaftsverband scienceindustries überraschend und empörend zugleich, zumal das Bundesamt für Landwirtschaft BWL ein allfälliges EU-Verbot schon im Herbst 2013 vollziehen wolle, obschon die EU dies erst auf den 1. Dezember 2013 plant.

"Für die Industrie ist unverständlich, dass die Schweizer Behörden einen allfälligen EU-Entscheid vorziehen, statt wie bisher angekündigt kritisch zu beurteilen", schreibt Beat Moser, Direktor von scienceindustries. "Die Schweiz soll eigenständig entscheiden, was zu tun ist", so Moser weiter. Für ein Verbot fehlten zum heutigen Zeitpunkt die wissenschaftlichen Grundlagen.

Seit Jahrzehnten nimmt weltweit die Bienenpopulation ab. Die Insekten spielen eine wichtige Rolle bei der Befruchtung von Pflanzen und damit auch für die Landwirtschaft. Eine UNO-Studie aus dem Jahr 2011 geht davon aus, dass Bienen zusammen mit anderen Blütenbestäubern wie Vögel, Käfer oder Schmetterlinge eine Arbeit im Wert von 153 Mrd. Euro verrichten.

Wirkung auf die Nerven

Die Neonicotinoide wirken auf das Nervensystem der Bienen. Sie verlieren dadurch unter anderem ihren Orientierungssinn und finden nicht mehr den Weg zurück in den Bienenstock. Allerdings ist umstritten, ob das Bienensterben auf den Einsatz der Pflanzenschutzmittel zurückzuführen ist. Manche Studien gehen davon aus, dass die Varroa-Milbe Ursache für den Rückgang der Bienenvölker ist.

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SDA-ATS