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Der neue Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) heisst wohl Mario Draghi. Der Italiener hat sich internationale Sporen verdient, ist ehrgeizig und anerkannt. Der passionierte Bergsteiger ist auf dem Gipfel seiner Karriere angelangt.

Die Nachfolge des im Herbst nach acht Jahren an der Spitze der EZB scheidenden Jean-Claude Trichet soll endgültig auf dem EU-Gipfel am 24. Juni beschlossen werden. Für den 63-jährigen zweifachen Vater wäre dies der Höhepunkt in der beachtlichen Karriere des Bank- und Finanzexperten.

Die Finanzminister des Eurogebiets sprachen sich am Montag einstimmig für den Italiener aus. Einen weiteren Kandidaten gab es nicht. Er hat durchgehalten, bis nur noch er selbst im Rennen war - sein deutscher Widersacher Axel Weber kommt seit seinem Rücktritt nicht mehr in Frage.

Der Name Draghi fiel in Italien vor Monaten auch in der Politik: Weil Berlusconi stark angeschlagen ist, von Sexaffären eingeholt und ohne Mehrheit im Parlament, kam neben anderen auch Draghi als möglicher Nachfolger ins Gespräch. Immerhin könnte das höchstverschuldete Land einen finanzpolitisch versierten Mann im Regierungspalast Chigi recht gut gebrauchen.

Seit Februar 2006 steht der 1947 geborene Draghi vor allem für die Image-Rettung der zuvor von einem Skandal erschütterten Notenbank. Vorgänger Antonio Fazio hatte wegen einer Affäre um Insidergeschäfte und Marktmanipulation den Hut nehmen müssen. Der weltoffene Draghi galt als bestens geeignet, den beschädigten Ruf des "Geldstandorts Italien" mit Sitz in der Via Nazionale aufzupolieren.

Italien steht hinter ihm, auch wenn Draghi einige Spannungen mit Wirtschaftsminister Giulio Tremonti nachgesagt wurden. Mehr als 100 Parlamentarier von Regierung und Opposition wollen Draghi gerne als EZB-Chef sehen, wie sie öffentlich erklärten. Schliesslich fehlt es dem Stiefelstaat in Zeiten der grotesken Krisen um den Regierungschef an Reputation auf der europäischen Ebene.

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SDA-ATS