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Die Tricks der Hersteller von Dieselautos führten zu Stickoxid-Emissionen deutlich über den erlaubten Grenzwerten. Und damit in Europa zu 5000 zusätzlichen vorzeitigen Todesfällen. (Themenbild)

KEYSTONE/APA/GEORG HOCHMUTH

(sda-ats)

Die Hersteller tricksten, um die Abgaswerte ihrer Dieselautos zu schönen. Tausende Menschen zahlen dafür mit dem Leben: In Europa verursacht die erhöhte Stickoxid-Belastung laut einer Studie 5000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr. Auch die Schweiz ist stark betroffen.

Die Forscher um Jan Eiof Jonson vom Norwegian Meteorological Institute fanden in Modellberechnungen heraus, dass die Stickoxid-Emissionen von Dieselfahrzeugen jährlich Grund für 10'000 vorzeitige Todesfälle in Europa sind. Das berichteten die Forscher aus Österreich, den Niederlanden, Schweden und Norwegen am Montag im britischen Fachblatt "Environmental Research Letters".

Würden die Autos die Abgaslimits nicht nur in den Testlabors, sondern auch im realen Betrieb auf der Strasse einhalten, wären es 5000 - also um die Hälfte weniger. Wäre der Stickoxid(NOx)-Ausstoss der Diesel-Autos so niedrig wie bei Benzin-Modellen, könnten den Forschern zufolge sogar drei Viertel der 10'000 vorzeitigen Todesfälle verhindert werden.

Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck der US-Behörden zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Diesel-Fahrzeuge unterschiedlicher Marken eine illegale Software eingebaut zu haben. Das Programm verringert den Ausstoss von schädlichen Stickoxiden bei standardisierten Tests, aber nicht im Normalbetrieb auf der Strasse. Seitdem gerieten auch einige andere Hersteller in den Verdacht, bei den Abgastests zu betrügen.

Schweiz stark betroffen

Die höchste Anzahl vorzeitiger Todesfälle durch Diesel-Emissionen pro Einwohner verzeichnen die Schweiz, Italien und Belgien, wie die Forschenden im Fachartikel schreiben. Mit 2,85 bis 4,4 Fälle pro 100'000 Einwohner liege das Risiko, an den Folgen von "Dieselgate" zu sterben, in diesen Ländern um 40 bis 140 Prozent höher als der europaweite Durchschnitt.

Die zahlenmässig meisten Todesopfer verursachte der erhöhte Stickoxid-Ausstoss von Diesel-Modellen in Italien, Deutschland und Frankreich. Dies liege zum einen an der hohen Bevölkerungszahl dieser drei Länder, zum anderen an dem hohen Anteil von Diesel-Modellen auf ihren Strassen, hiess es in der Studie.

Den Wissenschaftlern zufolge hat die Zahl der Diesel-Autos auf europäischen Strassen seit den 90er Jahren generell deutlich zugenommen. Mittlerweile machten sie fast die Hälfte der Fahrzeugflotte in Europa aus. Mit mehr als hundert Millionen Wagen fahren in Europa zwei Mal so viele Diesel-Autos wie im Rest der Welt.

Stickoxide und Feinstaub

Dieselmotoren stossen weniger klimaschädliches Kohlendioxid aus als Ottomotoren, dafür aber deutlich mehr Stickoxide als die Benziner. Stickstoffoxide tragen unter anderem zur Bildung von Feinstaub bei, der in die Lungen und in den menschlichen Blutkreislauf eindringt und Atemwegsbeschwerden verursachen kann.

Auch Sehprobleme, Appetitlosigkeit, angegriffene Zähne und Kopfschmerzen werden auf Stickoxide zurückgeführt, die zudem zur Bildung von saurem Regen beitragen.

Im Mai war im Fachblatt "Nature" eine Schätzung veröffentlicht worden, wonach es 2015 weltweit 38'000 vorzeitige Todesfälle durch Stickoxide gab.

Auch Benziner problematisch

Benziner sind jedoch nicht nur klimaschädlicher als Dieselautos, sondern auch nicht unbedingt besser, was gesundheitsschädliche Emissionen angeht: So zeigten Untersuchungen des Paul Scherrer Institus und mehrerer anderer Schweizer Forschungsinstitutionen unlängst, dass Benzinautos über zehnmal mehr kohlenstoffhaltigen Feinstaub ausstossen als Dieselfahrzeuge mit Partikelfilter. Bei Aussentemperaturen von minus 7 Grad Celsius waren es sogar 62-mal mehr.

Zu dieser Art Feinstaub gehört unter anderem krebserregender Russ. Zwar bleiben die Dieselfahrzeuge ohne Partikelfilter die grössten Feinstaubproduzenten, allerdings forderten die Schweizer Forschenden angesichts ihrer Testergebnisse auch Partikelfilter für Benzinautos.

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SDA-ATS