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Der frisch gewählte Kandidat Benoît Hamon (r) und der Verlierer Manuel Valls (l) mit Sozialisten-Parteichef Jean-Christophe Cambadelis

KEYSTONE/AP/CHRISTOPHE ENA

(sda-ats)

Linksruck bei Frankreichs Sozialisten: Benoît Hamon sichert sich die Präsidentschaftskandidatur. Ex-Premier Valls hat das Nachsehen - und die Partei steht vor einer Zerreissprobe.

Frankreichs Sozialisten kürten den Parteilinken Hamon mit über 58 Prozent der Stimmen klar zum Kandidaten für die Präsidentschaftswahl. Die Regierungspartei vollzieht damit einen radikalen Bruch mit der Reformpolitik von Staatschef François Hollande, der nicht wieder antritt.

"Heute Abend erhebt die Linke wieder das Haupt", sagte Vorwahlsieger Hamon. Er kündigte an, Kontakt mit dem Präsidentschaftskandidaten der Grünen und dem Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon zu suchen, um ein Bündnis zu formen.

Bislang liegt der sozialistische Bewerber in Umfragen für den ersten Wahlgang im April auf dem fünften Platz. Er hat demnach also keine Chancen, dem konservativen Favoriten François Fillon oder der Rechtspopulistin Marine Le Pen die Stirn zu bieten.

Sein Sieg in der von den Sozialisten organisierten Vorwahl bedeutet eine Zerreissprobe für die Partei, die nach den Hollande-Jahren schwer angeschlagen ist. Auch auf europäischer Ebene dürfte Hamon anecken, er fordert etwa ein Moratorium für den Euro-Stabilitätspakt, der das Haushaltsdefizit der Euro-Staaten auf drei Prozent der Wirtschaftsleistung begrenzt.

Macron und Mélenchon

Der 49-Jährige ist seit Jahren ein Gegner der Regierungspolitik unter Hollande und Valls, er will etwa eine umstrittene Arbeitsmarktreform zurückdrehen und ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen.

Es war unklar, ob der rechte Flügel sich klar hinter den Gewinner stellen würde. Valls räumte seine Niederlage ein und gratulierte Hamon. Dieser sei nun "der Kandidat unserer politischen Familie", sagte er.

Das linke Lager Frankreichs steht drei Monate vor der Wahl zersplittert da. Der unabhängige Polit-Jungstar Emmanuel Macron profiliert sich ausserhalb der von den Sozialisten organisierten Vorwahl, ebenso wie der Linkspolitiker Mélenchon.

Die Sozialisten wählten ihren Präsidentschaftskandidaten schon zum zweiten Mal mit einer offenen Vorwahl: Teilnehmen konnten alle Franzosen, die im Wählerregister stehen und sich per Unterschrift zu den Werten der Linken bekannten.

SDA-ATS

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