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Der von der italienischen Polizei verhaftete ehemalige UBS-Topmanager Raoul Weil musste am Dienstag erstmals vor Gericht erscheinen. Weil ist Ende letzter Woche in Bologna aufgrund eines internationalen Haftbefehls der USA festgesetzt worden.

Die US-amerikanischen Behörden werfen Weil vor, Tausenden von amerikanischen Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Die gerichtliche Anhörung war der erste Schritt hinsichtlich einer möglichen Auslieferung des 53-jährigen Schweizers an die USA.

Gemäss Angaben der Nachrichtenagentur Reuters erschien der ehemalige Chef der UBS-Vermögensverwaltungsabteilung unrasiert, mit einer Freizeithose und einer blauen Jacke gekleidet vor Gericht. Polizeibeamte führten ihn in Handschellen ins Gerichtsgebäude. Die Anhörung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Begleitet wurde er von seiner Frau und seinen italienischen Anwälten. Er wird in Haft bleiben, bis das italienische Justizministerium entschieden hat, ob er in die USA ausgeliefert wird, wie aus lokalen Justizkreisen am Montag zu erfahren war. Eine Entlassung gegen Kaution ist demnach nicht möglich.

Der internationale Haftbefehl gegen Weil wurde ausgestellt, nachdem er 2008 in den USA wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung angeklagt und im Januar 2009 formell als flüchtig erklärt und deshalb zur Verhaftung ausgeschrieben worden war.

Finma

entlastete Weil

In der Anklage ist davon die Rede, dass Weil 17'000 Personen dabei unterstützt haben soll, auf Schweizer Bankkonten insgesamt 20 Mrd. Dollar vor dem Fiskus zu verstecken. Weil war von 2002 bis 2007 Leiter des internationalen Vermögensverwaltungsgeschäfts der UBS und damit auch für die grenzüberschreitende Betreuung von Kunden in den USA verantwortlich.

2007, als Marcel Rohner Peter Wuffli an der Konzernspitze der UBS ablöste, rutschte Weil auf Rohners Position nach und stieg als Chef der ganzen Vermögensverwaltungssparte in die oberste Konzernleitung ein. Weil schied aber sehr schnell nach der Anklage in den USA aus der UBS aus. Bei seinem Abgang erklärte die UBS, Weil verlasse die Bank, um sich ganz auf seinen Gerichtsfall in Florida zu konzentrieren.

Schon damals erklärten seine Anwälte, er sei unschuldig und die Vorwürfe gegen ihn seien vollkommen ungerechtfertigt. Auch die Eidg. Finanzmarktaufsicht (Finma) kam 2009 zum Schluss, dass es bei der UBS zwar Verstösse gegen amerikanisches Recht gegeben habe, dass die oberste Geschäftsleitung der Bank aber keine Kenntnis von gesetzwidrigen Aktivitäten einzelner Mitarbeiter gehabt habe.

Werden weitere Anklagen folgen?

In diversen Medien wurde am Dienstag gemutmasst, welche Bedeutung die Verhaftung Weils für andere einstige Top-Leute der UBS haben könnte. Es war davon die Rede, dass Weil nun entweder eine Gefängnisstrafe in Kauf nehmen oder weitere Verantwortliche den US-amerikanischen Behörden verraten müsse. So war es auch bei anderen einst für das Amerika-Geschäft tätigen Personen der Fall.

Insbesondere Peter Kurer, der einstige Chefjurist, Konzernchef und Verwaltungsratspräsident der UBS, müsste sich gemäss Medienberichten vor einer Anklage fürchten. Die UBS als Institution, der die gleichen Sachverhalte vorgeworfen wurden wie Weil, konnte sich 2009 mit der Zahlung von 780 Millionen Dollar und der Lieferung von rund 4500 Kundennamen von einer weiteren Strafverfolgung freikaufen.

Warum sich Weil sicher genug fühlte, um nach Norditalien zu reisen, ist nicht bekannt. Die auf Vermögensverwaltung spezialisierte Beraterfirma Reuss Private Group, deren Chef Weil seit Anfang Jahr ist, erklärte, er habe sich in einer privaten Angelegenheit in Bologna aufgehalten. Er weise die Vorwürfe weiterhin zurück, betonte die Firma.

SDA-ATS