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Immer mehr Familien lassen ihre betagten Angehörigen zuhause durch ausländische Hilfen betreuen. Weil solche Pflege- oder Care-Migrantinnen oft in einer rechtlichen Grauzone und unter prekären Bedingen arbeiten, fordern Experten nun eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Phänomen.

In der Schweiz hat sich laut dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) in den letzten Jahren ein eigentlicher Markt für private Betreuungsdienstleistungen entwickelt, wie die steigende Zahl von Vermittlungsagenturen im Internet zeige. Seit Inkrafttreten der Personenfreizügigkeit im Jahr 2011 würden vermehrt Frauen aus Mittel- und Osteuropa engagiert, um hilfe- und pflegebedürftigen Personen im eigenen Haushalt zu umsorgen.

"Statistisches Niemandland"

Aussagekräftige Zahlen zur so genannten Care-Migration gibt es nicht. In einer neuen Studie spricht das Obsan von einem "statistischen Niemandsland". Insgesamt gehen die Fachleute aber davon aus, dass das Ausmass im Vergleich zum benachbarten Ausland noch überschaubar sei.

Der Obsan-Bericht beleuchtet zum ersten Mal in der Schweiz die Sicht der Angehörigen, die eine Care-Migrantin beschäftigen. Ergänzt werden die Interviews mit Einschätzungen von in- und ausländischen Experten.

Der Wunsch der betreuten Person, daheim zu bleiben, die Sicherheit im Leben zuhause sowie eine personell konstante Betreuung und Zuwendung standen für die Angehörigen im Vordergrund beim Entscheid, eine ausländische Pflegehilfe einzustellen. Weitere Beweggründe waren das zeitlich beschränkte und "wenig verlässliche" Angebot der bestehenden Dienstleister und die Finanzierbarkeit.

Lieber zuhause betreut

Insgesamt bewerteten die befragten Angehörigen die Betreuung zuhause positiver als die institutionelle Pflege im Altersheim. Dass auch das Leben zu Hause unter Umständen von grosser Isolation geprägt sein könne, werde häufig ausgeblendet, heisst es dazu im Bericht.

Die Angehörigen vermissen flexible und erprobte Wohn- und Betreuungsmöglichkeiten, die zwischen den Polen "Privathaushalt" und "Pflegeheim" angesiedelt sind. Auch die Experten bemängeln "strukturelle Schwächen in der häuslichen Langzeitversorgung".

Zum einen hätten weder Angehörige noch Pflegepersonen genug Kapazität für die langfristige Betreuung daheim, so dass Care-Migrantinnen diese Lücke füllten. Zum anderen würden deren vergleichsweise günstigen Dienstleistungen auch genutzt, weil Kranken- oder Sozialversicherungen die langfristige Betreuung nur unzulänglich finanzierten.

"Ausbeutungsverhältnisse"

Der Bericht stuft die Arbeits- und Lebensbedingungen der beschäftigten Frauen in vielen Fällen als prekär ein. "Die meisten Verhältnisse mit Care-Migrantinnen sind Ausbeutungsverhältnisse", wird eine der befragten Expertinnen zitiert. Die wichtigsten Punkte betreffen den tiefen Lohn in Relation zur anspruchsvollen Tätigkeit, ausufernde Arbeitszeiten und den Anspruch auf ständige Verfügbarkeit.

Als Fazit fordern die Experten eine breite Diskussion unter den betroffenen Institutionen im Gesundheitsbereich, damit diese professionell mit dem neuen Phänomen umgehen könnten. Behörden und Politik müssten die Arbeitsbedingungen von Care-Migrantinnen nachhaltig kontrollieren. Die Wissenschaft wiederum sollte die Datenlage weiter verbessern, um Leistungserbringer, Behörden und Politik wie auch Angehörige zu unterstützen.

Weiter wird empfohlen, ein neues Nationales Forschungsprogramm (NFP) zum Thema zu lancieren. Darüber hinaus sollten nach Ansicht der Experten neue Wohn- und Pflegeformen entwickelt werden, um eine Alternative zur 1:1-Betreuung im Privathaushalt zu ermöglichen.

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SDA-ATS