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Als den "verrückten Velofahrenden" bezeichnen die Franzosen Ferdy Kübler. Die Umschreibung "Le Fou pédalant" stammt aus der Feder eines französischen Journalisten.

Der Autor der französischen Fachblattes "L'Equipe" zielte mit seiner Umschreibung auf den Radprofi ab, der sich durch gewagte Vorstösse auszeichnete. In den Worten der Kommentatoren schwang aber auch Respekt mit.

Eine andere Anekdote geht auf das Jahr 1955 und die Tour de France zurück, als die Fahrer den gefürchteten Mont Ventoux zu erklimmen hatten. Am Fusse des "Riesen der Provence" wurde von Kübler ein Höllentempo angeschlagen. "Vorsicht, Ferdy, dieser Berg ist nicht wie die anderen", warnte Raphël Géminiani seinen Konkurrenten. "Ferdy ist auch nicht ein Fahrer wie die anderen", antwortete der Schweizer. Der Wortwechsel wurde auch Jahre später noch von Kübler heftig bestritten. Es sei die französische Presse gewesen, welche diesen Wortwechsel in die Welt gesetzt habe. Fakt ist, dass Kübler auf den letzten Kilometern hinauf zum Observatorium ein Waterloo erlitt. "Ferdy va faire cheval" hiess es, wenn er im Feld Freund und Feind mit seinem "Gewieher" überraschte.

1950 hatte sich Kübler loyal verhalten und Hugo Koblet beigestanden, als erster Ausländer den Giro d'Italia zu gewinnen. Koblet verzichtete danach auf die Tour de France. Trotz einem chargierten Programm konnte sich Kübler diesen Luxus nicht leisten. Im Alter von 31 Jahren blieb ihm nicht mehr viel Zeit. Als die Italiener mit Gino Bartali und Fiorenzo Magni in den Pyrenäen ausstiegen, weil sie sich von Zuschauern angegriffen fühlten, weigerte sich Kübler, das "Maillot jaune" anzuziehen. Er wolle sich diese Auszeichnung auf der Strasse verdienen. Als Krönung seines Triumphes deklassierte der Zürcher am zweitletzten Tag seine Gegner in einem Zeitfahren über 98 km von Saint-Etienne nach Lyon.

Der Verzicht auf lukrative Kriterien sowie eine sechswöchige rigorose Vorbereitung - jeden zweiten Tag ab seinem Wohnort Adliswil über den Klausen-Pass - sollten Ferdy Kübler Anfang September 1951 erlauben, in Varese das Trikot des Strassenweltmeisters zu gewinnen. Bei drückender Hitze und hereinbrechender Dunkelheit sah sich Kübler auf den letzten der 295 Kilometer den drei Italienern Fiorenzo Magni, Antonio Bevilacqua und Giuseppe Minardi gegenüber. Mit einer Temposteigerung zwang der Schweizer das Trio zur Ruhe. Im Spurt waren die Italiener chancenlos. Kübler hatte ein ausgezeichnetes Auge dafür, wann er einen Sprint lancieren musste. Sein Triumph versetzte die Schweiz in einen Freudentaumel.

Einen der aus seiner Sicht schönsten Erfolge feierte Ferdy Kübler 1945, als eben das Ende des Zweiten Weltkrieges verkündet wurde. In Morges wurde er nationaler Radquer-Champion. Es war General Henri Guisan, der ihm die Goldmedaille und das Meistertrikot überreichte.

Das Jahr 1946 wurde für Kübler zur "schwarzen Saison". Nach einem Sturz musste er sich wegen einer Rückenverletzung in Spitalpflege begeben. Zwei Wochen später beim Rennen Zürich - Lausanne sprintete Kübler um den Sieg und stürzte erneut: zweifacher Schädelbruch, ein Schlüsselbein gebrochen, Hand und Arm gebrochen, Prellungen am ganzen Körper, sieben Wochen Spital, drei Monate Rekonvaleszenz. Der behandelnde Arzt riet ihm, den Radsport aufzugeben: "Sonst werden sie spätestens ab dem Alter von 50 Jahren die Folgen dieser Verletzungen zu spüren bekommen!" Selbstverständlich hielt sich Kübler nicht an diesen Ratschlag.

Kübler bestritt stets kategorisch, während seiner Karriere gedopt zu haben. Dabei gehörten während seiner Aktivzeit Aufputschmittel und Cocktails ("Dynamit") bei den Radprofis zur Tagesordnung. Nicht ungewöhnlich waren damals auch Absprachen um den Sieg. Da dürfte Kübler wohl nicht heiliger als seine Berufskollegen gewesen sein.

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SDA-ATS