Bei Razzien in mehr als 30 Ländern ist den Ermittlern nach Angaben von Europol ein Schlag gegen die internationale Geldwäsche-Kriminalität gelungen. In der Schweiz wurden zwei Personen festgenommen

Über 200 Personen seien im Zusammenhang mit "Money Mule" in 31 Ländern festgenommen worden, teilte die Polizeibehörde Europol am Mittwoch mit.

Insgesamt seien in der Schweiz 175 Personen im Zusammenhang mit Geldwäscherei identifiziert worden, sagte Anne-Florence Débois, Sprecherin des Bundesamtes für Polizei (Fedpol), auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Darunter seien auch 78 Personen, die weitere rekrutiert hätten.

Das Fedpol übernahm bei der Aktion, die den Codenamen "Emma 5" trug, die Koordination zwischen den Kantonen und Europol. In der Schweiz seien die Kantone Waadt, Zürich, Aargau und Basel-Stadt betroffen, sagte die Sprecherin weiter.

1000 Ermittlungsverfahren

Mehr als 1000 Ermittlungsverfahren seien von September bis November in europäischen Ländern, den USA und Australien im Rahmen dieser bereits fünften gemeinsamen Aktion gegen das "Money Mule" eingeleitet worden, teilte Europol weiter mit.

Mit Hilfe von mehr als 650 Banken und 17 anderen Finanzinstitutionen seien 7520 betrügerische Transaktionen aufgedeckt worden. Damit konnten laut Europol Verluste in Höhe von 12,9 Millionen Euro verhindert werden.

Bei "Money Mule" geht ein Unternehmen oder eine Person via Internet einen Dritten an, damit dieser als "Packesel" oder eben als "Money Mule" tätig wird und Geld ins Ausland überweist. Diese Fonds stammen aus Internetbetrügereien, wenn zum Beispiel jemand im Internet etwas bestellte und bezahlte, das gar nie geliefert werden sollte.

264 Klagen in der Schweiz

Es waren die Beschwerden von betrogenen Personen (264 Klagen wurden in der Schweiz deponiert), die es ermöglichten, dem System auf die Schliche zu kommen, erklärte Débois. Diese Opfer erlitten laut der Fedpol-Sprecherin einen Schaden von insgesamt rund 8 Millionen Franken. In der Schweiz wurden 45 Verfahren eröffnet und insgesamt 57 Personen einvernommen.

Europol warnte, dass Geldwäscher mit etlichen Tricks - darunter auch mit Hilfe von Dating-Plattformen und sozialen Medien - versuchten, "Money Mules" zu rekrutieren. Die Hauptzielgruppe seien Studenten und andere junge Erwachsene. Wer auf die Masche reinfällt oder gar bewusst mitmacht, muss nach Angaben der Polizei mit Geldbussen oder einem Ermittlungsverfahren rechnen, bei dem im Extremfall eine Haftstrafe droht.

Um die Bevölkerung für diese Art von Betrügereien zu sensibilisieren, hat Europol am Mittwoch unter dem Titel "Sei kein Packesel" (#nontbeaMule) eine europaweite Kampagne lanciert.

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