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Freie Sicht auf das Elend in den Slums von Manila unerwünscht

Die Teilnehmer einer Konferenz der Asiatischen Entwicklungsbank sollen auf den Philippinen genau das nicht zu sehen bekommen, was Thema ihrer Tagung ist: die Armut.

An einer Strasse vom Flughafen zum Zentrum der Hauptstadt Manila liessen die Behörden auf einer Brücke eine provisorische Mauer errichten, die die Sicht auf ein Elendsviertel an einem müllübersäten Flussbett nimmt. Präsidentensprecher Ricky Carandang verteidigte am Donnerstag die Errichtung der Mauer: "Jedes Land hübscht sich ein bisschen auf, bevor ein Gast kommt."

Zu dem Treffen der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) werden Vertreter aus 67 Staaten erwartet, darunter etliche Finanzminister. Ziel der Bank, die ihren Sitz in einem umzäunten Gelände in Manila hat, ist die Bekämpfung der Armut in der asiatisch-pazifischen Region.

"Es ist doch nichts verkehrt daran, die Umgebung ein bisschen zu verschönern", sagte der Finanzchef der Region Manila, Francis Tolentino. "Wir versuchen nicht, die Armut aus dem Bild zu lassen."

Das dürfte auch schwer werden: Rund ein Drittel der zwölf Millionen Menschen in Manila leben in Elendsvierteln. Auch ein Drittel der gesamten Bevölkerung der Philippinen von 94 Millionen Menschen lebt unter der Armutsgrenze, das heisst, von weniger als 1,25 Dollar pro Tag. In Asien gilt mehr als die Hälfte der Bevölkerung als arm.

"Regierung muss sich der Realität stellen"

Die Kommunistische Partei der Philippinen wies darauf hin, dass auch die frühere First Lady Imelda Marcos versucht habe, die Armut zu verschleiern. Sie liess weiss getünchte Mauern entlang des Wegs ausländischer Besucher zur Wahl der Miss Universe 1974 in Manila und anderer Veranstaltungen errichten.

Die Regierung müsse sich der Realität stellen, forderte der Generalsekretär der linksgerichteten Bewegung Bayan, Renato Reyes. "Wenn sie das Problem nicht kennen, wie wollen sie es dann lösen?"

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