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René Weiler bietet sich mit dem RSC Anderlecht am Sonntag die Chance, den Titelhalter Brügge im Direktduell zu stürzen und den Renommierverein wieder an die belgische Spitze zu führen.

Ein paar Kommentatoren und Unzufriedene schöpften im vergangenen Herbst den Verdacht, Weiler könnte ein "Dikkenek" sein, ein überheblicher Allwissender. "Stehen die Spieler noch hinter ihm?", spitzte ein belgisches Online-Portal die Lage zu. Der Schweizer war wegen einer Serie enttäuschender Ergebnisse unter Beschuss geraten. Nach dem 2:3 gegen Zulte Waregem rutschte Anderlecht auf Position 6 ab - acht Punkte hinter dem Leader.

Die Klubspitze ignorierte die Provokationen der Journalisten. Sie stärkte dem Zürcher den Rücken. Und dieser rechtfertigte das Vertrauen vollumfänglich. Der Umschwung gelang, im letzten halben Jahr verlor Weilers mittlerweile topklassierte Equipe nur noch zwei Meisterschaftspartien. In der Europa League zelebrierte Anderlecht gegen Mainz (6:1) den höchsten Sieg der gesamten Gruppenphase. Die beste europäische Kampagne seit 1997 endete erst im Old Trafford in der Verlängerung mit einem respektvollen Handschlag des United-Starcoachs José Mourinho.

Erster Matchball

Die düsteren Szenarien haben sich verflüchtigt, im Kerngeschäft steht der Royal Sporting Club dicht vor dem ersten Titelgewinn seit drei Jahren. Verwertet Weiler beim Meister Brügge am Sonntag den ersten von drei Matchbällen, schreibt er in einer klassischen Fussball-Nation bei einem Verein Geschichte, der in den Neunzigerjahren zur erweiterten Spitze Europas zählte und eine stattliche Anzahl belgischer Grössen beschäftigte.

Entsprechend hat der Wind in der Brüsseler Gemeinde Anderlecht gedreht, die Skepsis hat sich in Luft aufgelöst. Die Schlagzeilen fallen freundlich aus, die Arbeit von Weiler wird gewürdigt. Der selbstbewusste Schweizer habe einen Mentalitätswechsel forciert, sagen lokale Beobachter, und sich nicht nur damit begnügt, bei jeder Gelegenheit über die grosse Vergangenheit des Klubs zu dozieren - Winner Weiler.

Meistertrainer mit 43? Eine schöne Geschichte eines Schweizer Taktgebers, der bereits 2001 wegen einer langwierigen Fussverletzung sein Betätigungsfeld an die Seitenlinie verlegt hat. Kommunikation hat er studiert, im Trainerbusiness ging es schneller voran. Nach Lehrjahren in Winterthur, St. Gallen, bei GC und in Schaffhausen führte er Aarau 2013 in die Super League. Über sich selber sagt er: "Ein Mensch mit Kanten."

Die Leute mitnehmen

Ausserhalb der Schweiz hinterliess der Charakterkopf in Nürnberg erste Spuren. Die Franken näherten sich unter ihm der Bundesliga."Weiler schafft es, die Leute mitzunehmen. Es kommt gut an, wenn jemand mit Überzeugung und zielgerichtet arbeitet", lobte der damalige Club-Sportdirektor Martin Bader. Der lokale "Sport-Bild"-Vertreter fällte nach dem vorzeitigen Ausstieg Weilers aus dem Vertrag mit dem Zweitligisten ein anderes Urteil: "Die grösste Ich-AG!"

Bei etwas freundlicherer Interpretation könnte man auch zum Schluss gelangen, dass da einer mit gutem Timing und richtigem Kalkül die Karriereplanung vorangetrieben hat. Sollte der erfolgsorientierte und gut strukturierte Winterthurer mit dem belgischen Nobelklub die 34. Meisterschafts-Trophäe gewinnen, steigt er in eine neue Dimension auf. Anderlecht wäre direkt für die Champions-League-Gruppenphase qualifiziert. Eine gute Bühne für einen, der im Oktober 2014 die Behauptung, der FCB sei für ihn eine Schuhnummer zu gross, in einem "Blick"-Interview so konterte: "Ich hätte mir den Job zugetraut."

SDA-ATS

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