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Stilles Gedenken in Le Vernet (Archiv)

KEYSTONE/EPA/GUILLAUME HORCAJUELO

(sda-ats)

Zwei Jahre nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Menschen an Bord ist in den französischen Alpen und im Ruhrgebiet der Opfer gedacht worden. Überschattet wurde der Anlass von neuen Thesen über die Absturzursache.

In der Kathedrale der französischen Alpenstadt Digne-les-Bains kamen am Freitag rund 500 Angehörige zu einer ökumenischen Trauerzeremonie mit Schweigeminute zusammen. Anschliessend stand die Einweihung einer neuen Trauerstele im Dorf Le Vernet, das der Absturzstelle am nächsten liegt, auf dem Gedenkprogramm.

Mit fünf Schweigeminuten zur Absturzzeit wurde auch im westfälischen Haltern gedacht. Die Stadt im nördlichen Ruhrgebiet war schwer betroffen. 18 Angehörige eines Gymnasiums, 16 Schüler und zwei Lehrerinnen, sassen in der Todesmaschine.

Die gemeinsame Veranstaltung von Stadt, Kirchen und Joseph-König-Gymnasium fand unter freiem Himmel an der Gedenkstätte der Schule statt. An der Feier nahmen alle rund 1200 Schülerinnen und Schüler, 100 Lehrer sowie etwa weitere 300 Personen teil.

"Wir haben sie nicht vergessen und wir werden sie nicht vergessen", sagte Schulleiter Ulrich Wessel. "Die Erinnerung hat einen festen Platz an unserer Schule."

Die Schüler und Lehrerinnen der Schule waren auf dem Rückflug von einem Schüleraustausch in Spanien. Das Flugzeug war am 24. März 2015 um 10.41 Uhr an einem Berg in den südfranzösischen Alpen zerschellt. Nach Überzeugung der Ermittler hatte der an Depressionen leidende Copilot die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht.

Lebensbejahender Mensch

Dem widersprach am Freitag der Vater des Copiloten. Sein Sohn Andreas habe zum Zeitpunkt des Absturzes nicht an einer Depression gelitten, sagte Günter Lubitz vor den Medien in Berlin.

Kein Arzt oder Therapeut habe damals Suizidgedanken bei seinem Sohn festgestellt. Es habe auch keine Hinweise auf ein "fremdaggressives Verhalten" vorgelegen, sagte er.

Die Familie müsse damit leben, dass der Sohn als "depressiver Massenmörder" dargestellt werde und dass er als "dauerdepressiv" gelte. Sein Sohn habe seine Depression im Jahr 2009 aber überwunden. Die festgestellten Arztbesuche 2014 und 2015 seien ausschliesslich wegen seines Augenleidens nötig gewesen.

Er habe seinen Sohn in den Jahren vor dem Absturz als "lebensbejahenden, verantwortungsvollen" Menschen erlebt. Er habe den Termin für seine Darstellung am Gedenktag gewählt um sich Gehör zu verschaffen, begründete Günter Lubitz seinen Auftritt am Freitag. "Auch wir suchen nach Antworten", sagte Lubitz. Er stehe "der Tragödie fassungslos gegenüber".

Defekte Cockpit-Verriegelung?

Der Gutachter Tim van Beveren brachte noch die Möglichkeit einer defekten Cockpit-Verriegelung ins Spiel. Es könnte schon vor dem letzten Flug der Germanwings-Maschine Probleme mit der Cockpit-Verriegelung gegeben haben.

Er habe Informationen erhalten, dass sich eine Crew dieses Jets einmal selbst ausgesperrt habe. Er habe dies den Absturz-Ermittlern auch mitgeteilt. "Es ist nicht untersucht worden", sagte van Beveren am Freitag vor den Medien in Berlin.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte der Copilot den Flugkapitän ausgesperrt und den Jet anschliessend absichtlich zum Absturz gebracht. Dies ist nach Darstellung van Beverens nicht zweifelsfrei erwiesen.

Van Beveren verwies zudem auf Turbulenzen, die es am 24. März 2015 über dem Absturzgebiet gegeben habe. Solche Luftlöcher seien sehr gefährlich. Etliche andere Piloten hätten deswegen am Absturztag niedrigere Flughöhen gewählt.

SDA-ATS

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