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Heute haben bei den meisten Schwangerschaften und Geburten die Ärzte das Sagen. Nun melden die Hebammen ihren von alters her überkommenen Führungsanspruch wieder an und fordern die Kontrolle über den Gebärsaal zurück.

Der erste Schritt ist die Lancierung einer Petition am (heutigen) Donnerstag anlässlich ihres nationalen Kongresses in Thun. Darin verlangen sie die Einführung von hebammengeleiteten Geburtshilfemethoden in Schweizer Spitälern.

Konkret fordern die Hebammen eigenständige Geburtshilfeabteilungen, in welchen "die fachliche Betreuung der Frauen und die organisatorische Leitung der Abteilung in der Verantwortung von Hebammen liegen", wie dem Petitionstext zu entnehmen ist. Diese Einheiten sollen nicht abgeschottet sein: Das Wissen anderer medizinischer Fachleute soll in Anspruch genommen werden können.

"Und bei Bedarf sollten Frauen unkompliziert in Geburtshilfestationen mit medizinischem Angebot für Risikosituationen verlegt werden können", schreiben die Hebammen im Kongressführer. Die Kostenaufteilung zwischen Hebammeneinheit und Spital soll vertraglich geregelt werden.

Unterstützt wird die Petition unter anderem vom Bund Schweizerischer Frauenorganisationen alliance F, von den Grünen, den SP Frauen und der Gewerkschaft vpod.

Hebammen, Hexen, Entbindungshelferinnen

Bevor der Fortschritt Ärzte hervorbrachte, hatten Frauen die Hoheit über Schwangerschaft und Geburt. Im Laufe der Geschichte wurden sie geehrt, dann als Hexen verbrannt, ihre Tätigkeit wurde dann professionalisiert, und heute sind sie ihrer einst traditionell umfassenden Verantwortung häufig entbunden.

Zudem kämpfen viele freiberufliche Hebammen - wegen der tiefen Fallpauschalen für vaginale Geburten - ums finanzielle Überleben, wie die neue Präsidentin des Schweizerischen Hebammenverbandes (SHV), Barbara Stocker Kalberer, anlässlich ihrer Wahl erklärte.

Doch nicht deswegen, sondern wegen ihres Wissens wollen sie wieder Oberhand bei der Geburtshilfe gewinnen. Das Potenzial von Hebammen solle zukünftig besser genutzt werden, schreibt die abtretende SHV-Präsidentin, Ständerätin Liliane Maury Pasquier (SP/GE), im Vorwort des Kongressführers.

Konflikte vorprogrammiert

Den Hebammen ist bei der heutigen Situation rund um Schwangerschaft und Geburt nicht wohl. "Da die Zeit und entsprechende Hebammenstellen für die Betreuung und Unterstützung eines natürlichen Prozesses fehlen, wird interveniert, um die Geburt zu beschleunigen. Als Beispiele nennen die Hebammen in einem Hintergrundpapier Medikamente, Periduralanästhesie oder Kaiserschnitte.

Durch diese teils "unnötigen medizinischen Interventionen" könnten Frauen keine unbeschwerte Schwangerschaft, keine unversehrte Geburt und Zeit danach erleben, schreiben sie weiter. Damit legen sich die Geburtshelferinnen mit den Ärzten an, die heute üblicherweise in den Spitälern die Geburtshilfe leiten.

Dass ihre Forderung nach Führerschaft bei der Geburtshilfe nicht schlank durchgehen wird, ist den Hebammen klar. Sie diskutieren deshalb am Kongress mit Fachleuten aus dem In- und Ausland über Veränderungen und Strategien, die notwendig sind, um hebammengeleitete Geburtshilfemodelle in Spitälern einzuführen. Dabei geht es auch um Widerstände und Hürden.

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SDA-ATS