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Mit einer Menschenkette haben hunderttausende Katalanen für die Unabhängigkeit der nordostspanischen Region von Madrid demonstriert. Unter dem Motto "Der katalanische Weg zur Unabhängigkeit" versammelten sie sich auf rund 400 Kilometern entlang der Mittelmeerküste.

Die in gelbe T-Shirts gekleideten Demonstranten reichten einander am Mittwoch durch insgesamt 86 Städte und Gemeinden hindurch ab 17.14 Uhr die Hände. Vielerorts wurden katalanische Flaggen geschwenkt. Die Organisatoren hatten im Vorfeld mitgeteilt, mit etwa 400'000 Teilnehmern zu rechnen.

Der für die Aktion gewählte Tag und die Uhrzeit symbolisieren die Einnahme der regionalen Hauptstadt Barcelona durch französische und spanische Truppen am 11. September 1714. Seither gehört Katalonien zu Spanien. Der 11. September wird in Katalonien als "Nationalfeiertag" ("Diada Nacional de Catalunya") begangen.

Die spektakuläre Aktion war von der separatistischen Initiative Katalanische Nationalversammlung (ANC) organisiert worden. ANC-Präsidentin Carme Forcadell verlangte, dass die Katalanen im kommenden Jahr über ihre Unabhängigkeit abstimmen dürfen. "Dazu ist jedes friedliche und demokratische Mittel recht", sagte sie.

Verfassungswidrig

Auf Grundlage einer Resolution des Regionalparlaments hatte Kataloniens Regierungschef Artur Mas für das kommende Jahr ein Referendum über die Unabhängigkeit versprochen. Spaniens Regierung ist strikt dagegen. Sie beruft sich auf die Verfassung, welche eine "Einheit" Spaniens schützt.

Katalonien zählt mit etwa 7,5 Millionen Einwohnern wirtschaftlich zu den stärksten Regionen Spaniens. Trotz hoher Schulden und zuletzt einer Arbeitslosenquote von knapp 24 Prozent erwirtschaftet die Region rund ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandsprodukts.

Die Katalanen, die stolz auf ihre eigene Sprache und ihre Kultur sind, beklagen seit langem hohe Zahlungen an Madrid bei vergleichsweise geringen Rückflüssen. Viele befürworten daher, dass Barcelona selbst Steuern erheben darf.

"Das ist ein sehr wichtiger Schritt, damit Katalonien unabhängig wird", sagte der 14-jährige Albert Sole am Mittwoch über die Menschenkette. Deswegen nehme er zusammen mit seinen Eltern, Geschwistern und Grosseltern daran teil.

"Es war Zeit, dass wir so etwas machen", sagte auch der 81 Jahre alte Joan Sabate. "Ich habe nie geglaubt, dass ich die Unabhängigkeit noch erleben werde, aber inzwischen hoffe ich, dass es dazu kommt", fügte er hinzu.

Hohe Zustimmung

Gut 80 Prozent der Bewohner Kataloniens sind einer Umfrage zufolge für ein Referendum über die Unabhängigkeit der wirtschaftsstärksten Region von Spanien. 52 Prozent der Katalanen würden bei einer solchen Abstimmung für die Schaffung eines eigenen Staates votieren, ergab die am Mittwoch veröffentlichte Umfrage des spanischen Radiosenders Cadena Ser. Nur 24 Prozent würden gegen eine Abspaltung von Spanien stimmen.

Als Vorbild für die Menschenkette gilt eine ähnliche Aktion 1989 in den baltischen Republiken Estland, Lettland und Litauen, die damals noch zur Sowjetunion gehörten.

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SDA-ATS