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Der Hungerstreik im US-Gefangenenlager Guantánamo weitet sich aus. Rund 77 der 166 Insassen des umstrittenen Militärgefängnisses auf Kuba beteiligten sich am Samstag an der Protestaktion, wie der Militärsprecher Samuel House mitteilte.

Dies waren 25 mehr als am Mittwoch. Demnach wurden 17 Häftlinge zwangsernährt, wobei fünf von ihnen im Spital behandelt wurden. Zurzeit sei aber keiner von ihnen in Lebensgefahr, betonte House.

Nach Angaben von Anwälten wurde der Streik am 6. Februar ausgelöst durch den als entwürdigend empfundenen Umgang der Wärter mit Koran-Ausgaben. Im Kern aber richte sich der Streik gegen die seit elf Jahren andauernde unbegrenzte Inhaftierung ohne Anklage oder Prozess, erklärten die Anwälte.

Schliessung von Guantánamo gefordert

Die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, hatte Anfang April die USA erneut aufgefordert, das Gefangenenlager auf der US-Militärbasis zu schliessen. Es sei keine Überraschung, dass die Insassen auf so verzweifelte Massnahmen wie den Hungerstreik zurückgriffen.

"Die unbegrenzte Inhaftierung vieler Gefangenen kommt einer willkürlichen Gefangenschaft gleich und verletzt ganz klar das Völkerrecht", erklärte Pillay in Genf. Die USA hätten für etwa die Hälfte der 166 Gefangenen einen Transfer in ihr Herkunfts- oder in ein Drittland vorgesehen. Die betreffenden Insassen befänden sich aber immer noch in Haft.

Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) fordert eine Lösung. "Die USA müssen dringend alle hängigen humanitären, rechtlichen und politischen Fragen bezüglich der Inhaftierten in Guantánamo lösen", sagte IKRK-Präsident Peter Maurer am 11. April nach einem viertägigen Besuch in Washington. Dazu zählten auch jene Personen, die nicht mehr als Gefahr gälten und deren Inhaftierung daher ungerechtfertigt sei.

Das Gefangenenlager auf Kuba wurde 2002 vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush gegründet, um Terrorverdächtige aus Afghanistan und anderen Ländern aufzunehmen. US-Präsident Barack Obama hatte nach seinem Amtsantritt 2009 eine Schliessung des Lagers innert eines Jahres angekündigt, war aber am massiven Widerstand im Kongress gegen eine Verlegung der Gefangenen auf US-Boden gescheitert.

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SDA-ATS