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Mit Feldheuschrecken garnierte Pralinen gab es kürzlich an einem Insektenapero im Bundeshaus. (Archivbild)

KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE

(sda-ats)

Schweizer Konsumenten sind eher skeptisch gegenüber Mehlwurm und Grille auf dem Teller. Nur ein Bruchteil ist bereit zum Insekten-Verzehr, wie eine Umfrage der Berner Fachhochschule zeigt. Die Markteinführung im Mai könnte trotzdem gelingen: als Delikatesse wie Sushi.

Unsere Ernährung wäre um einiges gesünder und nachhaltiger, wenn Insekten einen festen Platz auf unserem Speiseplan erobern und Rind und Schwein als Quelle für tierisches Protein ersetzen könnten. Leider sind da bei vielen die Ekelgefühle im Wege. Eine Umfrage der Berner Fachhochschule zeigt, wie aufgeschlossen die Konsumenten den Insekten-Lebensmitteln sind, die ab Mai legal in der Schweiz auf den Teller kommen dürfen.

Zwar beantworteten nur 600 Personen aus der gesamten Schweiz den Fragebogen, interessant dürfte aber sein, welche Zielgruppe sich für die Produkte dabei herauskristallisiert. Ausdrücklich "Ja" zum Insekten-Burger sagen gut Ausgebildete, die viel über das Thema Ernährung wissen, Wert auf guten Geschmack legen und gerne exotische Speisen ausprobieren.

Das war in der Umfrage zwar nur knapp jeder Zehnte - es könnten sogar noch etwas weniger sein, da rund 5 Prozent weniger Personen an der Umfrage teilgenommen haben als an sonstigen Studien zum Thema Ernährung, wie Thomas Brunner von der Berner Fachhochschule (BFH) gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte. Auch könnte das Ergebnis verzerrt sein, weil eher Leute an der Umfrage teilgenommen haben dürften, die sich für das Thema ohnehin interessieren.

Hohe Hürde

Diese Insekten-Befürworter könnten den Produkten aber durch Mundpropaganda zum Erfolg verhelfen, so der Forscher. "Absolut entscheidend ist, dass die Produkte gut schmecken. In Belgien zum Beispiel, wo es Insekten-Lebensmittel schon länger im Supermarkt gibt, hat man gesehen, dass das Interesse daran sehr schnell wieder einschlief. In Bewertungen schnitten die Produkte mittelmässig ab, das war einfach nicht gut genug."

Etwa ein Drittel der Befragten war immerhin nicht grundsätzlich abgeneigt, warte aber erst einmal ab, schrieb die BFH in einer Mitteilung von Donnerstag. Die restlichen 60 Prozent fanden zur Hälfte die Argument bezüglich Gesundheit und Nachhaltigkeit sinnvoll, wollten aber trotzdem keine Insekten essen, die andere Hälfte wollte nichts von Mehlwurm und Grille wissen.

Männer eher bereit zur "Mutprobe"

Männer seien im Durchschnitt aufgeschlossener gegenüber Insekten als Frauen, verriet Brunner im Gespräch mit der sda. "Da spielen das Gefühl von Abenteuer und Mutprobe mit. Insbesondere, wenn es um unverarbeitete Insekten geht." Ob sie nach der Mutprobe auch regelmässig zum Insekten- statt zum Rinds-Burger für den Grill greifen, dürfte wiederum vom Geschmack abhängen.

Auffällig ist, dass die Aufgeschlossenen unter den Befragten auch gerne anderes Exotisches wie Meeresfrüchte oder Sushi essen. Das könnte Inspiration für die Markteinführung liefern, glaubt Brunner. "Bei Sushi hat man vieles richtig gemacht, das wurde ja zuerst in Delikatessen-Restaurants angeboten, bevor es irgendwann auch im Supermarkt landete."

Möglich wäre laut dem Forscher, Insekten-Produkte zunächst in Sushi-Restaurants anzubieten. Wenn sie dort überzeugten, könnten sie den Sprung auch zu den etwas zurückhaltenderen Konsumenten schaffen.

SDA-ATS

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